Der SC Neheim pausiert an den Wochenenden, spielt aber unter der Woche in einem Test. © Stephan Schuetze
Fußball

Klub sagt wegen Infizierten Ligapartien ab, spielt aber dazwischen – Verband ist sprachlos

Weil der SC Neheim drei Corona-Fälle hat, hatte der TuS Bövinghausen vergangene Woche spielfrei. Auch nächsten Sonntag spielt der SC nicht. Am Donnerstag hat Neheim aber getestet.

Das ist kurios: Am vergangenen Samstag (4. September) hätte der TuS Bövinghausen in der Westfalenliga 2 gegen den SC Neheim gespielt. Die Partie wurde aber abgesetzt, weil Neheim drei bestätigte Corona-Fälle hat. Ebenso die Partie der Neheimer kommenden Sonntag (12. September) gegen den FC Iserlohn. Dennoch testete der Klub am Donnerstagabend (0:4) gegen den Lüner SV aus der Parallelstaffel. Wegen Gewitters ist diese Partie allerdings zur Halbzeit abgebrochen worden.

Wie das sein kann? Laut Alex Bruchhage, Trainer des SC Neheim, ist das ganz einfach. „Ein Testspiel ist unabhängig von der Größe des Kaders durchführbar. Weil wir nächste Woche Sonntag wieder in den Liga-Alltag einsteigen müssen, habe ich die Verpflichtung, für die entsprechende Fitness der Spieler zu sorgen.“

Aber bei einem Testspiel spielen doch elf Spieler – genau wie in der Meisterschaft. Wenn der SC Neheim doch genug Spieler für ein Testspiel hat, hätte er doch auch in der Meisterschaft spielen können? „Nein“, erklärt Bruchhage. „Die Regeln des Verbandes sind, dass Spiele abgesetzt werden können, sobald es drei Corona-Fälle gibt, beziehungsweise sobald sich drei Spieler einer Mannschaft in Quarantäne befinden.“

Theoretisch hätte man diese Woche Sonntag gegen Iserlohn spielen können. Das bestätigt der Staffelleiter der Westfalenliga 2, Alfred Link. „Der Verein kann spielen, wenn er genug Spieler hat, die nicht in Quarantäne sind.“ Die Regeln seien aber nun mal so, dass ein Verein ebenso das Recht habe, bei drei Quarantänefällen, Spiele zu verlegen – auch wenn genügend andere Spieler dabei wären. „Wenn drei Stammspieler ausfallen, ist das was anderes, als wenn es die Spieler Nummer 15 bis 18 sind“, munkelt der Staffelleiter.

Für den SC Neheim stellt sich die Situation ein wenig anders dar: Gegen den TuS Bövinghausen konnte man nicht spielen, sagt Trainer Bruchhage, da die Sachlage noch unklar gewesen sei. Zudem habe der Verein eine Trainingspause von neun Tagen eingelegt. Erst seit dieser Woche Dienstag trainiere der Klub wieder.

Deswegen ist Bruchhage auch nicht traurig, dass der SC Neheim erst in der kommenden Woche in die Liga startet. „Wir haben neun Tage nichts gemacht, außer individuell zu trainieren. Das Testspiel haben wir nur ausgemacht, um Fitness zu erlangen, um wettbewerbsfähigen Fußball spielen zu können gegen Iserlohn nächste Woche.“ Das Ergebnis im Test gegen Lünen sei für ihn nicht wichtig, es dient als Vorbereitung.

Alfred Link wiederum hat zum Vorgehen des SC Neheim – Meisterschaftsspiele ausfallen zu lassen, dafür aber zu testen – eine klare Meinung: „Ich halte davon gar nichts. Wie der SC Neheim sich verkauft, ist keine tolle Sache. Das habe ich dem Verein auch so mitgeteilt.“ Auch Manfred Schnieders, Vize-Präsident Amateurfußball im FLVW, hat eine klare Meinung zu Neheim. „Klar, das ist rechtens, was der Klub macht. Aber ich finde das gar nicht gut.“

Über den Autor
Volontär
Nachrichten gibt es überall, jeder kann sie verbreiten. Wahrheitsgemäße Recherche kommt da leider oft zu kurz. Qualitativer Lokaljournalismus ist daher wichtiger denn je. Wer, wenn nicht wir ausgebildeten Lokaljournalisten, berichtet über das, was wirklich in unserer Stadt Gesprächsthema ist?
Zur Autorenseite
Niklas Berkel

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.