Die Stadt Dortmund übernimmt eigentlich die Kosten für Hard- und Software. © picture alliance/dpa/Tampa Bay Times via ZUMA Wire
Amateurfußball

Klub wartet seit Monaten auf Tausende Euro der Stadt Dortmund – Die weiß davon gar nichts

Die Corona-Pandemie bringt das Online-Training in den Fokus. Vereine können sich dafür Kosten von der Stadt Dortmund erstatten lassen. Ein Klub wartet nun seit Monaten auf sein Geld.

In den vergangenen Wochen erlebte Timo Lammert einen Lichtblick. Das Fußballtraining war wieder möglich. Zwar unter Bedingungen, aber es war erlaubt. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 14 Jahre durften wieder trainieren. Nach einiger Zeit nur noch mit einem negativen Corona-Schnelltest, doch die Tatsache, dass es nach Monaten des Wartens zurück auf dem Platz ging, war ein Befreiungsschlag.

Lammert trainiert die U12 des SC Husen-Kurl, wo er gleichzeitig auch Geschäftsführer ist. Seit wenigen Tagen heißt es für ihn sowie für viele andere Jugendmannschaften: umsatteln.

10.000 Euro können sich Vereine erstatten lassen

Das Training findet für Lammerts Mannschaft online statt. Via Zoom und vor dem Laptop. Soft- und Hardware, über die nicht jeder verfügt.

Am 7. Dezember veröffentlichte der Stadtsportbund (SSB) Dortmund auf seiner Facebookseite die Möglichkeit für Dortmunds Sportvereine, sich Anschaffungen zurückzuerstatten. Notebooks, Kameras und weitere Hardware zu 50 Prozent, Software-Lizenzen, beispielsweise für das Programm Zoom, zu 100 Prozent.

Pro Jahr konnten sich Vereine so maximal 10.000 Euro erstatten lassen. Stattgegeben hat dies, so der SSB auf seiner Facebook-Seite, Dortmunds Sportdezernentin Birgit Zoerner.

Auch der SC Husen-Kurl hat davon Gebrauch gemacht. Einen Monat nach Veröffentlichung des SSB verschickte der Verein seinen Antrag. Der Betrag, um den es ging: im vierstelligen Bereich. Was seitdem passiert ist: gar nichts.

Der Klub wartet immer noch auf die Erstattung des Betrages.

„Es sollte eine kurzfristige Unterstützung sein, auf die man sich eigentlich verlassen hat“, sagt SC-Geschäftsführer Lammert, „es reißt ein Loch in die Kasse und das sieht gar nicht so rosig aus.“ Seitdem der Klub den Antrag abgeschickt hat, sind mehrere Anfragen wegen der Erstattung ins Leere gegangen. Zuletzt fragte der Klub vor wenigen Tagen erneut nach. Antwort vom Stadtsportbund, so Lammert: Es wird sich angeschaut.

Woran liegt es, dass der Klub auf das Geld warten muss?

„Wir sind als Verein in Vorkasse gegangen, ohne das Einnahmen dazugekommen sind. Das ist der größte Punkt“, sagt Lammert, der für die Zukunft zweifelt, inwiefern diese Erstattungsangebote noch in Anspruch genommen werden: „Im Prinzip stärkt es nicht das Vertrauen in die Maßnahmen. Beim nächsten Mal überlegt man sich, ob man das noch mal macht und da so in Vorkasse geht.“ Hierbei betont er auch, dass dies bei den Corona-Hilfen vom Land beispielsweise anders war. Diese waren innerhalb weniger Tage auf dem Konto des Vereins.

Die Frage bleibt: Wo hapert es nun? Bei der Stadt, die das Geld zur Verfügung stellt, oder beim Stadtsportbund?

Matthias Grasediek, Geschäftsführer des Stadtsportbundes, erklärt, dass die Sport- und Freizeitbetriebe Dortmund (SFB) dafür zuständig seien, die Anträge der Vereine zu bearbeiten. Der SSB erhalte sie von den Vereinen und leite sie dann zur abschließenden Prüfung an die SFB weiter. Diesen Ablauf bestätigt auch Anke Widow, Pressesprecherin der Stadt Dortmund.

„Seit Einführung des Notfallfonds nach dem Ratsbeschluss im Juni 2020 gingen 147 Anträge bei den Sport- und Freizeitbetrieben ein“, teilte Widow auf Anfrage der Ruhr Nachrichten mit. 144 Anträgen sei seitdem zugestimmt worden, „die Auszahlungen erfolgten zeitnah“. Bei den drei übrigen Anträgen hätten Unterlagen gefehlt, die die Vereine noch nachreichen müssen.

Zu den 147 Anträgen, die bei den SFB angekommen sind, sei aber keiner vom SC Husen-Kurl gewesen, so Widow. Das bestätigte im Laufe des Mittwochs (28. April) auch der SSB.

Es stellte sich heraus, dass der Antrag nicht bei den Sport- und Freizeitbetrieben angekommen sei, so Nadine Euler vom Stadtsportbund. Das erklärt auch, warum erste Anfragen des Vereins, warum noch kein Geld geflossen sei, in die Leere gelaufen sind.

Man wolle sich nun dem Antrag beim SFB annehmen und die Zahlungen vornehmen. „Es war ein unglücklicher Verwaltungsfehler. Wir stimmen uns zu Beginn der nächsten Woche mit der Stadt ab, damit wir sicherstellen können, dass alle Anträge bearbeitet wurden“, sagt Euler. Wer ebenfalls Fragen zu bislang unbearbeiteten Anträgen habe, könne bei Euler nachfragen per Mail an n.euler@ssb-do.de.

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Niklas Berkel
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