Aktuell im Zentrum des Dortmunder Amateurfußballs: Santiliano Braja (l.).
Fußball

Santiliano Braja spricht – Wickedes Kapitän Anil Konya kontert: „Nicht realitätsnah“

Es fielen harte Worte: Bei Westfalia Wickede sprach man von Skandal und Erpressung, als Stürmer Santiliano Braja vor wenigen Tagen zu Türkspor Dortmund wechselte. Nun äußern sich Braja und Anil Konya.

Das Tischtuch zwischen dem Westfalenligisten Westfalia Wickede und dem Landesligisten Türkspor Dortmund ist nach dem ebenso umstrittenen wie späten Wechsel von Santiliano Braja in die Nordstadt zerschnitten.

Trotz bereits gegebener Zusage in Wickede hatte Braja ein Angebot von Türkspor angenommen. Von Wickeder Seite stand der Vorwurf der Erpressung im Raum. Die Atmosphäre zwischen den beiden Klubs dürfte über Jahre hinweg belastet sein – auch wenn Wickedes Kapitän Anil Konya unterstreicht: „Mit dem Vorsitzenden von Türkspor Dortmund, Dr. Akin Kara, habe ich ein freundschaftliches Verhältnis.“

Anil Konya kontert Santiliano Braja

Wir fragten nach bei Braja und Wickedes Konya, ob sich die Aufregung zumindest etwas gelegt habe und ein wenig Verständnis für die Argumente der Gegenseite vorliegt.

Wobei sich Santiliano Braja zum ersten Mal persönlich äußerte. „Ich verstehe, dass Wickede sauer und enttäuscht ist. Es gab eine Option zu bleiben, was jedoch auch anscheinend von Wickeder Seite nicht von Interesse war, deswegen finde ich es nicht fair, mir vorzuwerfen, dass man nun keine Zeit mehr hätte, die Position neu zu belegen. Das war keine Erpressung.“

Anil Konya kann den kurzfristigen Wechsel Brajas nur bedingt verstehen. © Stephan Schütze © Stephan Schütze

Grundsätzlich unterstreicht Konya das Interesse an Braja: „Aber wir müssen niemandem hinterherlaufen, der uns vor die Wahl stellt: Ich gehe jetzt oder im Winter. Reisende sollte man nicht aufhalten. Wer kann mir denn garantieren, dass im Winter alles einwandfrei gelaufen wäre?“

Mit den doch recht heftigen Vorwürfen aus Wickede könne er umgehen, so Braja: „Nein, unangenehm ist es mir nicht, weil ich ganz gut damit umgehen kann kritisiert zu werde. Ich glaube, die Jahre haben mich da etwas abgehärtet.“

Braja unterstrich nochmals seine persönlichen Gründe für den Wechsel. „Die Beweggründe, die der Präsident dargelegt hat, stimmen zu 100 Prozent. Mich verbindet vor allem die Freundschaft zu einigen Spielern, mit denen ich auch in der Jugend zusammengespielt habe. Türkspor war immer ein Thema für mich.“

„Wenn das der Ausschlag für den Wechsel war, dann lassen wir das mal im Raum stehen. Für uns war das jedenfalls nicht ausschlaggebend. Wenn er das sechs Wochen vorher gesagt hätte, dann hätte ich gesagt: alles klar. Aber eine Woche vor dem Saisonstart ist das nicht realitätsnah“, erklärt der Wickeder Kapitän.

Santiliano Braja wechselt zu seinen Freunden

Genau das Argument der Freundschaften scheint bei Santiliano Braja emotional sehr wichtig gewesen zu sein, der Stürmer sagte aber auch, dass er mit Türkspor unbedingt in die Westfalenliga aufsteigen wolle.

Braja, der als einer der besten Offensivspieler im Dortmunder Amateurfußball gilt, erklärte, dass er auch Freunde bei Wickede habe. „Aber für mich war es nochmal wichtig, mit einigen Jungs aus der Nordstadt zusammen zu spielen, das schöne daran ist, das es auch eine Mannschaft aus der Nordstadt ist.“

Auch den Vorwurf des späten Zeitpunkts ließ Braja in dieser Form nicht gelten: „Im Fußball allgemein gibt es jedes Jahr Wechsel, der eine früher, der andere später. Die Spieler werden für späte Wechsel kritisiert, aber wenn die Mannschaften jemanden mitten in der Saison ohne Gründe rausschmeißen, da interessiert es niemanden. Da interessiert es die Mannschaften auch nicht, was mit dem Spieler passiert! Ich habe in den Jahren im Fußball alles schon erlebt.“

Anil Konya: Es läuft aus dem Ruder

Dass dieser Vorwurf nicht in Richtung Wickede ging, unterstrich Braja ausdrücklich. Anil Konya antwortete dennoch: „Wenn jemand mitten in der Saison den Verein verlassen muss, muss es auch Gründe dafür geben. Der Spieler hat Sorge dafür zu tragen, sich den Normen und Werten des Vereins entsprechend zu verhalten.“

Dass die Zeit alle Wunden heilt, davon kann man in diesem Fall nicht ausgehen. Während Braja mit Türkspor unbedingt in die Westfalenliga aufsteigen will, wird Konya etwas nachdenklich. „Irgendwie scheint aktuell alles aus dem Ruder zu laufen. Wenn jetzt plötzlich alle Vertragsamateure werden, um wenige Tage vor Saisonstart zu wechseln, dann frage ich mich, wo bleibt dann das amateurhafte im Fußball.“

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Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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