Traditionsklub zieht sich aus der Bezirksliga zurück. © Bernd Paulitschke
Fußball

Traditionsreicher Bezirksligaklub zieht sich aus finanziellen Gründen zurück – mal wieder

Einst spielte der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet in der zweiten Liga. Immer wieder machen ihm aber finanzielle Engpässe das Leben schwer. Nun wieder, weshalb sich der Klub aus der Bezirksliga zurückzieht.

Ein Traditionsklub aus dem Ruhrgebiet zieht sich aus dem überkreislichen Amateurfußball zurück – mal wieder aufgrund finanzieller Nöte. Zuletzt spielte der Verein, der vor viele Jahren Zweitligist war, in der Bezirksliga.

Die Geschichte des Vereins reicht weit zurück: 1905 als Hagener Fußballclub gegründet, erreichte der Verein viele Erfolge. Im Jahr 1934 erreichte das Team den 6. Platz in der damaligen erstklassigen Gauliga Westfalen. In der Zeit spielte Hagen unter anderem gegen das damalige Top-Team FC Schalke 04, Borussia Dortmund, den VfL Bochum und Arminia Bielefeld – alles Vereine, die heute in der Bundesliga, bzw. 2. Bundesliga spielen.

Auch nach dem Krieg blieben die Hagener, mittlerweile in SSV Hagen umbenannt, eine bekannte Adresse im westfälischen Fußball. Bei den Entscheidungsspielen gegen Iserlohn in die Landesliga 1948 waren 40.000 Zuschauer vor Ort. 1950 stieg der SSV in den 2. Liga West auf, spielte bis 1953 dort, ehe es in die Amateurliga zurückging.

Ein paar weitere Male durften die Zuschauer in Hagen noch Zweitliga-Fußball sehen: 1960 stieg das Team erneut auf. Nach nur einem Jahr ging es wieder in die Drittklassigkeit. 1966 spielte Hagen nach einem erneuten Aufstieg in der Regionalliga West erneut in der Zweitklassigkeit. Der Zuschauerschnitt soll bei 10.000 Zuschauern gelegen haben, trotzdem stieg Hagen auch diesmal nur ein Jahr nach dem Aufstieg wieder ab. Danach waren die Fußballer in der Verbandsliga zu finden. Die großen Erfolge feierten zu der Zeit die Basketballer des SSV, die 1974 Deutscher Basketballmeister und 1975 Deutscher Basketballpokalsieger wurden.

Dann begannen die finanziellen Sorgen

Erstmals finanzielle Probleme bekam der SSV im Jahr 1988, wodurch der Verein aufgelöst wurde. Erst 1989 wurde der Spielbetrieb als FSV Hagen wieder aufgenommen. Im Jahr 1993 benannte er sich wieder in SSV Hagen um.

In den Folgejahren kämpfte sich der Verein wieder bis in die Verbandsliga, damals fünfthöchste Spielklasse, hoch. Den Aufstieg in die Oberliga verpasste man 2005 nur knapp als Vizemeister hinter Westfalia Herne. Der Klub übernahm sich aber erneut, weshalb ein Großteil der Mannschaft, auch Trainer Frank Benatelli, den Klub verließen.

Der Konkurs konnte zwar abgewandt werden, doch entspannte das die finanzielle Lage nicht wirklich. 2010 stieg Hagen wieder in die Bezirksliga ab. Ein Insolvenzantrag, der bereits eingereicht war, konnte aufgrund vieler Spenden gerade eben wieder zurückgenommen werden. Eine Mannschaft für die Bezirksliga konnte der Verein aber nicht stellen und so erklärte er den Rückzug aus der Bezirksliga. Auch die zweite Mannschaft wurde in diesem Jahr abgemeldet.

Einen Neuanfang startete der SSV Hagen im Herrenbereich in der Kreisliga A im Jahr 2011. Aus der stiegen sie 2014/15 souverän auf, und kamen nur zwei Jahre später sogar wieder in der Landesliga an. Trainer des Teams war damals der ehemalige Bundesligaprofi Giovanni Federico. Doch erneut übernahm sich der Klub finanziell, weshalb viele Spieler den Verein verließen. 2019 stiegen die Hagener erneut in die Bezirksliga ab. Dort spielten sie zuletzt unter anderem gegen den SC Hennen aus Iserlohn.

Verein verzichtet auf sein Bezirksliga-Startrecht

Dort spielte der Verein bis zuletzt. Aufgrund erneuter finanzieller Probleme sah sich der SSV aber gezwungen, erneut den Schritt zurück in die Kreisliga A zu gehen. In einer Mitteilung auf Facebook teilte der Vorstand mit, dass der SSV Hagen-Fußball auf sein Bezirksliga-Startrecht verzichtet und den Platz der Reserve in der Kreisliga A einnimmt.

„Grund dafür sind in erster Linie finanzielle Gründe, die diesen Schritt aus Vorstandssicht notwendig machen, um den Verein für die Zukunft nicht nur sportlich, sondern vor allem finanziell auf sichere Beine stellen zu können“, so die Mitteilung. Man wolle die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Beim SSV sei oft „über dem eigenen Limit gewirtschaftet“ worden, das wolle man nun verhindern.

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie und der damit einhergehenden Saisonannullierung seien viele Einnahmen weggefallen, „die für den Spielbetrieb der neuen Saison wichtig und elementar gewesen wären“. Auch bei der Suche nach Sponsoren habe man bis dato kein Glück gehabt.

Mit dem Schritt zurück in die Kreisliga A wolle sich der SSV „zukunftssicher und erfolgreich aufstellen“. Und vielleicht sieht man die Hagener auch bald wieder im überkreislichen Fußball – denn wenn die wiederkehrenden finanziellen Probleme eins gezeigt haben, ist es das, dass sich der SSV Hagen nie aufgegeben hat.

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Niklas Berkel

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