Ein heimischer Fußballer könnte bald auch auf der Trainerbank Platz nehmen. © Nico Ebmeier
Amateurfußball

Westfalenliga-Legende ist als Trainer aktiv und hat ihren Klub nach elf Jahren verlassen

Elf Jahre war er als Spieler bei seinem Klub, absolvierte mehr als 200 Westfalenliga-Spiele. Seit fast zwei Jahren ist er nun Trainer, wird aber durch die Corona-Pandemie ausgebremst.

Die Umstellung ist nicht gerade einfach gewesen. Mehr als 15 Jahre auf dem Platz gestanden und plötzlich nur noch an der Seitenlinie. Das ist eine Herausforderung.

Auch für Andreas Toetz, den Co-Trainer des Fußball-Landesligisten SV Brackel 06. Nach elf Jahren bei Westfalia Wickede beendete er seine Karriere 2019 und schloss sich Brackel an. Mehr als 200 Westfalenliga-Spiele absolvierte Toetz, wirbelte viele Abwehrreihen in Westfalen durcheinander und gehörte zum Wickeder Inventar praktisch dazu. Ein Andreas Toetz ohne Westfalia Wickede schien unvorstellbar, umgekehrt natürlich ganz genauso.

Warum blieb Toetz nicht in Wickede?

„Es ist schon komplett was anderes“, sagt er selbst. „Ich war jahrelang in Wickede, kenne da wirklich jeden. Vom Jugendtrainer bis hin zu allen Verantwortlichen. Ich war immer einer, der für die Stimmung mitverantwortlich war.“

Das wirft natürlich die Frage auf, warum der Filigrantechniker nicht am Pappelstadion blieb, sondern sich dem Ost-Rivalen anschloss? „Irgendwie muss man ein bisschen Distanz wahren zu den Spielern. Generell war Wickede keine Option. Es wäre schon komisch gewesen, wenn ich den Jungs, mit den ich jahrelang auf dem Platz stand, jetzt sagen soll, was sie zu tun haben“, sagt Toetz.

Giovanni Schiattarella (r.) und Andreas Toetz (l.) haben das Sagen in Brackel. © Laryea © Laryea

Eigentlich wollte er eine Pause vom Fußball einlegen, doch es folgte der Anruf von Brackels Übungsleiter Giovanni Schiattarella, der auf der Suche nach einem Co-Trainer war. Toetz hatte Lust darauf seinen Freund bei der Aufgabe zu unterstützen. „Ich wollte komplett eine Pause machen. Giova hat sich dann bei mir gemeldet, es hat sich gut angehört. Das hat irgendwie alles gepasst.“

Hinzu kam, dass Toetz vor seiner Zeit in Wickede ein Jahr in Brackel spielte, viele Personen auf dem Umfeld des Vereins bereits kannte.

Trotz dessen war es kein leichtes Unterfangen für Toetz, sich auf die neue Rolle einzustellen: „Irgendwie muss man bisschen Distanz wahren zu den Spielern. Ich bin kein Typ, der großartig aneckt bei den Spielern. Ich sage meine Meinung, aber es ist schon ein Unterschied zu den Gesprächen, die man als Spieler führt.“

Das Team in Brackel hätte es ihm einfach gemacht, es sei eine „echt junge Mannschaft, da sind keine Querulanten drin“, berichtet er. Zudem klappt das Zusammenspiel mit Cheftrainer Schiattarella gut, beide telefonieren regelmäßig, tauschen sich über Training, Spiele oder Akteure aus.

Doch nun ist es für Toetz gleich zum zweiten Mal der Fall, dass eine Spielzeit unterbrochen ist und wohl nicht auf sportlichem Wege zu Ende gebracht wird. Letztes Jahr überraschte Corona die ganze Welt, dieses Jahr sorgt die Virus-Pandemie für die erneute Unterbrechung im Amateursport.

„Der Fußball fehlt schon, gerade die sozialen Kontakte, das Menschliche“, sagt Toetz, betont aber auch: „Zurzeit gibt es wichtigere Sachen als Fußball. Ich könnte es nicht vertreten mit 20 Leuten aktuell Fußball zu spielen.“

Der Fokus liegt auf anderen Dingen, seitdem der Fußball nicht mehr alltäglich ist. Toetz sagt, er verliere die Nähe zum Fußball, es gibt Zeit für andere Dinge: „Frau, Freunde, Familie.“

Toetz richtet sich nach Schiattarella

Ob und inwiefern das spürbar wird, wenn der Fußball wieder möglich ist für die Amateure, vermochte Toetz noch nicht abzusehen. Doch die Aufgabe als Co-Trainer macht ihm Spaß. Ab und an, wenn keine gerade Anzahl an Spielern auf dem Platz ist, mischt er selbst noch im Trainingsspiel mit. „Ich bin auch noch relativ fit“, sagt Toetz und lacht.

Doch große Ansprüche selbst irgendwann mal als Cheftrainer an der Seitenlinie zu stehen, hat er nicht. Die Arbeit im Schichtdienst lässt das nicht zu und vor allem Schiattarella war der Grund, warum er überhaupt als Trainer nun mitmischt. „Ich richte mich da stark nach Giova und kann mir es gerade nicht vorstellen, etwas anderes als Trainer zu machen.“

Gute Aussichten für den SV Brackel 06 und den Dortmunder Amateurfußball, wenn einer der besten Spieler der Westfalenliga immer noch auf den Plätzen aktiv ist – wenn auch nur an der Seitenlinie.

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