Bedenkliche Ansammlung

Als gäb’s kein Corona: Jugendliche strömen in Massen zum Phoenix-See

Menschenansammlungen sind durch Corona ein ungewohnter Anblick geworden, bei dem vielen Menschen unwohl ist. Am Phoenix-See gibt es sie dennoch regelmäßig.

An einem ganz normalen Dienstagabend strömen junge Menschen in Trauben aus der Hörder City über die Hermannstraße und den Rudolf-Platte-Weg Richtung Phoenix-See. Sehr viele von ihnen tragen keine Maske, obwohl die dort vorgeschrieben sind. Sie bewegen sich, als hätten sie von Corona noch nie etwas gehört.

Anwohner und Geschäftsleute irritieren die Menschenansammlungen, zuletzt am Dienstag (2.3.) zwischen 17 und 19 Uhr. „Das wirkt, als wäre hier ein Konzert“, erzählt eine Beobachterin. Musik erschallt tatsächlich, aber sie stammt aus aufgemotzten Autos mit leistungsstarken Anlagen. Sie wird begleitet von einem Hupkonzert.

„Das ist wie Schaulaufen“

„Das ist wie Schaulaufen“, sagt die Anwohnerin und erzählt von herausgeputzten Mädels und jungen Männern, die ihr Ego über PS-Zahlen ausdrücken. Lieferanten kämen kaum noch durch die Menge, um ihre Waren zu den Geschäften zu bringen. Ordnungskräfte oder Security hätte sie in dem Getümmel nicht gesehen.

Dabei ist es nicht so, dass die städtischen Ordnungskräfte nur tagsüber und an Wochentagen unterwegs sind, wie die Stadt Dortmund auf Anfrage mitteilt. „Mit Kontrollen und Einsätzen am Phoenix-See ist grundsätzlich zu jeder Zeit

und überall zu rechnen“, schreibt Stadt-Pressesprecher Christian Schön. „Die Einsätze werden zeitlich variiert.“ Ganz bewusst würden sie nicht vorher angekündigt.

Über die Hermannstraße und den Rudolf-Platte-Weg gehen junge Menschen Richtung See. © privat © privat

Auch die Polizei hat den Seebereich als Ort für eine erhöhte Infektionsgefahr im Blick. „Ordnungsamt und Polizei sind am Phoenix-See täglich im Einsatz“, sagt Polizei-Sprecher Peter Bandermann. Am Dienstagabend (2.3.) allerdings nicht, weil die Kräfte für den Einsatz rund um den Querdenker-Autokorso in der Innenstadt gebraucht wurden. „Wir bitten um Verständnis, dass wir nicht zeitgleich überall sein können.“

Poser-Szene ist nicht für gewissenhaften Infektionsschutz bekannt

Die sogenannte Poser-Szene sei als problematisch für das Infektionsgeschehen bekannt. „Es gibt keinen Einsatz gegen die Tuner und Poser, bei dem es nicht auch Verstöße gegen die Corona-Schutzmaßnahmen gegeben hat“, sagt Peter Bandermann.

Mit Blick auf die Ansammlungen am See betont er, dass der Aerosol-Ausstoß beim Reden auch im Freien gefährlich ist, wenn sich Menschen ohne Abstand und Masken unterhalten. Wer das Einhalten der Schutzmaßnahmen verweigere, müsse daher Strafe zahlen.

Die täglichen Kontrollen würden fortgesetzt, so Peter Bandermann, besonders an solchen Orten wie dem Phoenix-See. „Die Pandemie macht hier nicht Halt.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt