Daumen hoch, oder Daumen runter: die Nachbarschaft im Notweg ist, was die technischen Möglichkeiten für einen Breitbandanschluss angeht, gespalten, spricht aber mit einer Stimme, wenn es darum geht, für alle einen vernünftigen Anschluss ans Netz zu schaffen. © Britta Linnhoff
Breitband-Ausbau

Anwohner rätseln: Warum kriegt der Nachbar Turbo-Internet und ich nicht?

Michael Hanitz ist bedient. In seiner Straße scheinen die Möglichkeiten für schnelles Internet willkürlich verteilt. Gemeinsam mit seinen Nachbarn kämpft er nun für eine Verbesserung.

Michael Hanitz könnte auch gut Zuhause arbeiten – wäre da nicht das Problem mit der langsamen Internetverbindung. Die sei katastrophal, sagt der Kirchhörder. Das ist für seine gesamte Familie mehr als nur ein Ärgernis: Seine Tochter studiert meist online, wie alle gerade in der Pandemie.

Als sie ihre letzte Klausur abschicken wollte, bracht das Netz mal wieder zusammen. Das war‘s dann mit einer erfolgreichen Uniklausur. Sieben Minuten später nahm die Uni diese nicht mehr an. Die Abgabefrist war verstrichen.

Michael Hanitz setzte sich an seinen Rechner, telefonierte, war zu Gast in der Hombrucher Bezirksvertretung, als der Gigabit-Beauftragte der Stadt über den Breitband-Ausbau redete. Er sei frustriert nach Hause gegangen, erinnert er sich. Konkret sei da gar nichts gewesen.

Er forschte weiter. Nicht nur für sich, sondern auch für viele Nachbarn im Notweg. Viele hätten diese Probleme, die sich in Zeiten von Homeoffice noch vergrößert hätten.

Inzwischen hat Michael Hanitz Unterschriften für einen Glasfaserausbau im Notweg gesammelt und sich auf der Internet-Seite der Dokom (die Stadt Dortmund hat die Dokom mit dem geförderten Breitbandausbau beauftragt), schlau gemacht, wer überhaupt für einen kostenlosen Glasfaseranschluss in Frage käme. Dabei erlebte er eine Überraschung.

Post für die Dokom von den Notweg-Anliegern

Auf der Seite der Dokom kann man, wenn man sich für einen Breitbandanschluss interessiert, seine Adresse eingeben und nachfragen, ob es möglich ist. Michael Hanitz hat das getan, für alle Hausnummern in seiner Straße. Ergebnis: In der Hälfte der Fälle könnte man die geförderte Glasfaseranbindung anmelden, die andere Hälfte könnte zwar Interesse bekunden und sich registrieren, mehr aber nicht.

Michael Hanitz: „Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, warum das zum Beispiel bei Hausnummer 19 möglich wäre, aber keineswegs bei Hausnummer 19a, wiederum aber bei Hausnummer 19b.“ Was soll das?, fragen sich die Anlieger, die sich solidarisiert haben und auch eine Unterschriftenliste erstellt haben. Die ist inzwischen mit der Post mit einer entsprechenden Anfrage an die Dokom gegangen.

Auch Volker Schultebraucks, stellvertretender Bezirksbürgermeister und Mitglied der der SPD, die in der Bezirksvertretung seinerzeit eine Anfrage zum Thema Breitband-Ausbau im Stadtbezirk gestellt hatte, findet: „Da ist doch keine Linie drin.“ Auch er erinnert sich an die „Auskünfte“ in der Sitzung der Bezirksvertretung, die aus seiner Sicht wenig hilfreich gewesen seien.

417 „weiße Flecken“ im Stadtbezirk

Im Juni 2021 wurde ein Vertrag zwischen der Stadt Dortmund und Dokom geschlossen. Rund 48,5 Millionen Euro kommen aus dem Bundesförderprogramm Breitband. Dazu kommen die Landesförderung von 40 Prozent und der kommunale Eigenanteil. Insgesamt stehen rund 97 Millionen Euro zur Verfügung.

Der Notweg (links im Bild von oben nach unten) ist ein komplett weißer Fleck.
Der Notweg (links im Bild von oben nach unten) ist ein komplett weißer Fleck. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Basis für Investitionen vor Ort war eine Untersuchung, wo es überhaupt diese „weißen Flecken“ auf der Landkarte gibt. Das Ergebnis stand im Sommer 2021 fest. Etwa 3.200 „weiße Flecken“ ohne schnelles Internet gibt es in Dortmund. Nachlesen kann das jeder im Netz unter Breitband-Atlas.de.

Auch Michael Hanitz hat das gemacht. Überrascht hat ihn nicht, dass der Notweg komplett ein weißer Fleck auf dieser Karte ist. Gleich nebenan, im ersten Stück von Schneiderstraße, Wildbannweg und Weißer Taube sieht es noch super aus. Danach ist „Feierabend“, und im Notweg ist nicht mal ein bisschen Blau zu sehen, sondern nur Weiß.

Transparenz fehlt

Michael Hanitz fragt sich nun: „Reichen die Fördermittel nicht, ist es Willkür oder einfach ein Fehler? Das ist doch völlig absurd. Was mich aufregt, ist die fehlende Transparenz“, sagt er. Nirgendwo habe er herausfinden können, warum, wann und wieso ein Anschluss angeboten werde.

Auch nach seinem Besuch in der Hombrucher Bezirksvertretung nicht. Immerhin soviel scheint klar: Der Stadtbezirk Hombruch liegt mit seinen 417 weißen Flecken (offiziell: „Adresspunkte“) stadtweit im Mittelfeld. Da kündige man mit „großem Getöse“ den Breitband-Ausbau an und dann bleibt völlig unklar, nach welchen Kriterien und Entscheidungsparametern das ablaufen soll, klagt Hanitz.

Die Hausnummern 1 bis 7 im Notweg sind auch Garagen. Michael Hanitz hat für diese Hausnummern herausgefunden: Anschlüsse sind für die Nummern 1, 3 und 5 nicht möglich, für die Nummern 7 und 7a allerdings schon. Die Nummer 7a sei aber kein Haus, sondern ein Stromverteilerkasten.
Die Hausnummern 1 bis 7 im Notweg sind auch Garagen. Michael Hanitz hat für diese Hausnummern herausgefunden: Anschlüsse sind für die Nummern 1, 3 und 5 nicht möglich, für die Nummern 7 und 7a allerdings schon. Die Nummer 7a sei aber kein Haus, sondern ein Stromverteilerkasten. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Er hat inzwischen erneut eine Anfrage an den Gigabit-Beauftragten der Stadt Dortmund geschickt. Inhalt des Schreibens unter anderem: Man möge doch bitte „die Förderpraxis überprüfen und gegebenenfalls korrigieren“. Antwort habe er bisher nicht bekommen, sagt Michael Hanitz. Auch eine Anfrage unserer Redaktion vom 28. September blieb bisher ohne eine Antwort und ohne jede Reaktion (Stand 6. Oktober, 17.30 Uhr).

Eines hat Michael Hanitz aber mit seiner Initiative auf jeden Fall schon einmal erreicht: eine lebendige Nachbarschaft. Inzwischen kümmert man sich nicht nur gemeinsam um einen guten Internet-Anschluss, sondern auch um Planungen für ein Treffen mit Getränken am Wendehammer der Straße. Vielleicht gibt es ja dann sogar etwas zu feiern für die Anlieger des Notwegs.

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