Mit schwerem Bohrgerät zwischen den Gräbern Gesucht wird ein Schacht einer ehemaligen Zeche. © Jörg Bauerfeld
Schacht gesucht

Bohren zwischen Gräbern: Bergschäden drohen auf einem Dortmunder Friedhof

Auf dem städtischen Friedhof an der Kortenstraße gibt es im Moment keine Ruhe. Mit schwerem Gerät gehen Mitarbeiter eines Geotechnik-Institutes Überresten eines alten Schachtes auf den Grund.

Der gewaltige Silo, in dem die Masse gelagert wird, und die großen Pumpen, die in das Erdreich drücken, stehen direkt auf dem Hauptweg des Korten-Friedhofes. Nur wenige Meter entfernt von der Trauerhalle.

Auf den nicht belegten Grabfeldern im südlichen Bereich des Friedhofes in Aplerbeck dringen schwere Bohrer in das Erdreich ein. Meter um Meter gräbt sich das Bohrgestänge in den Boden. Hohlräume einer ehemaligen Zechen müssen gefunden und verfüllt werden.

Gespräche mit Angehörigen der Verstorbenen geführt

Aber wie ist es mit der Totenruhe, werden auch bestehende Gräber bei der Arbeit beschädigt? Es komme nicht oft vor, dass solche Arbeiten auf einem Friedhof notwendig seien, so Jörg Ibel, zuständig bei der Bezirksregierung Arnsberg im operativen Bereich Altbergbau. Der ist dafür zuständig, alte Schächte und Stollen ausfindig zu machen und diese bei Gefahr auch zu verfüllen.

Vor den Arbeiten wurden Gespräche mit den Angehörigen der Verstorbenen geführt.
Vor den Arbeiten wurden Gespräche mit den Angehörigen der Verstorbenen geführt. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Und die Gefahr von Bergschäden besteht an der Kortenstraße durchaus. „Wir haben hier nun einmal eine Abwägung treffen müssen“, sagt Jörg Ibel. „Was passiert, wenn es bei dem zu verfüllenden Schacht zu einem Totaleinsturz kommt? Unsere Maßgabe war es, einen ehemaligen Bergbauschacht zu suchen und zu finden.“

Denn, von einem Schacht gehe eine vielfach höhere Gefahr aus als von einem tagesnahen Flözabbau. Im Vorfeld der Arbeiten auf dem Friedhof waren erst einmal Gespräche mit den Hinterbliebenen angesagt, deren Angehörige in den betroffenen Grabfeldern beerdigt sind.

„Wir haben die Angehörigen informiert, dass wir im Nahbereich der Gräber arbeiten müssen“, sagt Ibel. Aber wie kommt es überhaupt zu den Arbeiten? Die Bezirksregierung Arnsberg verfügt über ein Risikomanagement, das sich um alte Überbleibsel aus dem Bergbau kümmert. Seien es Tagesöffnungen oder Schächte.

Einige Hohlräume sind schon mit einer speziellen Masse verfüllt.
Einige Hohlräume sind schon mit einer speziellen Masse verfüllt. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Diese werden nach einer Art Prioritätenliste abgearbeitet. Und einer dieser Schächte liegt im Nahbereich der Trauerhalle auf dem Korten-Friedhof. Bei der Suche nach dem Schacht ist man bei Bohrungen auf sehr viel tagesnahen Abbau gestoßen.

Erhöhte Tagesbruchgefahr auch an der Straße

Das Problem dabei: Hier war eine erhöhte Tagesbruchgefahr gegeben, also musste behandelt werden. Aber auch die Kortenstraße selbst ist betroffen. Hier müssen noch einige Bereiche im Untergrund verfüllt werden. Beendet werden sollen die Arbeiten Anfang 2021.

Der Schacht, um den es geht, gehörte zu der ehemaligen Zeche Vereinigte Margarethe. Diese lag genau an der Stelle, südlich der Trauerhalle, wo jetzt die Arbeiten stattfinden. Die Zeche wurde 1770 gegründet und 1926 stillgelegt. Dann kam in den 1950er-Jahren der Korten-Friedhof. Die erste Beisetzung fand hier im Jahre 1957 statt.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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