Hier starben bei Rodungsarbeiten zahlreiche Igel. © Jörg Bauerfeld
Tötung von Tieren

„Igelmord mit Ansage“ – NABU entsetzt über Rodung für ein Baugebiet

Das Entsetzen war groß: Auf einem geplanten Baugelände wurde ohne Ankündigung großflächig gerodet und geschreddert. Das Ergebnis: eine kahle Fläche und zahlreiche tote Tiere.

Vor 20 Jahren ging es los auf einer Freifläche in Menglinghausen.

„Menglinghausen-Süd“ nannte sich das Neubaugebiet, das von den Straßen Helene-Meiser-Weg, Hans-Grüning-Weg und Friedrich-Menze-Weg durchzogen wird.

Während die Bebauung in weiten Teilen schnell vonstattenging, blieb ein größeres Grundstück erst einmal unberührt – und das viele Jahre lang. „Wir wussten, dass hier einmal gebaut wird“, sagt Anke Börnig. Sie wohnt in dem Neubaugebiet und für sie ist die Sache mit der Bebauung auch nicht das Problem.

Als die Maschinen fertig waren, blieben nur noch Teile der Igel zurück.
Als die Maschinen fertig waren, blieben nur noch Teile der Igel zurück. © Privat © Privat

Es geht um Igel. Igel, die von den Anwohnern der Siedlung immer aufmerksam betreut wurden. Im Unterholz des Brachlandes gab es jede Menge davon. „Es gab am Rand der Brache einen reichen Bestand an Bäumen und Sträuchern und einige Brombeer-Dickichte“, erzählt Anke Börnig.

Ohne sich anzukündigen, tauchte eine Spezialfirma auf

Ende Februar 2021, war dann aber urplötzlich Schluss mit der Idylle. Ohne es vorher bekannt zu geben, machte sich eine Spezialfirma ans „Aufräumen“. Mit einem riesigen Mäher wurden Büsche und Gräser abgemäht und sofort geschreddert.

Und mit den Pflanzen wohl auch zahlreiche Igel. „Meine Tochter hat mir am nächsten Tag gesagt: ‚Mama, da hinten liegt ein Baby-Igel‘“, sagt Anke Börnig. „Es war in Wirklichkeit aber nur noch ein Stück von dem Tier.“

So sah das Grundstück vorher aus. Büsche, Bäume und Gräser. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Und es war nicht das einzige. Anke Börnig, selbst im NABU (Naturschutzbund Deutschland) aktiv, schoss Beweisfotos von den zerstückelten Tieren. Laut Dr. Kristof Hennies, 1. Vorsitzender des NABU Dortmund, hätte die Fläche vor den Rodungsarbeiten nach Wildtieren abgesucht werden müssen. Dies sei hier nicht erfolgt.

„Wenn man uns Bescheid gesagt hätte, hätten sicher zahlreiche Nachbarn mitgemacht und das Grundstück nach Tieren abgesucht“, sagt Anke Börnig. Es sei Igel-Mord mit Ansage gewesen, so Dr. Hennies.

In der Menglinghauser Siedlung ist man sich sicher, dass die Firma unter Zeitdruck stand. Denn ab dem 1. März ist das Schneiden von lebenden Bäumen, Gebüschen und anderen Gehölzen nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten.

Keine weiß genau, wie viele Igel sterben mussten

Wie viele Igel wegen des Versäumnisses und des Zeitdrucks am Ende ihr Leben lassen mussten, kann Anke Börnig nicht genau sagen. Zwei habe sie selbst gesehen – und dann eben mehrere Teile der Tiere. „Das geschredderte Material ist ja sofort abtransportiert worden.“

Für die Firma könnte das Ganze noch ein Nachspiel haben. Ein Anwohner der Siedlung hat wohl Anzeige erstattet. Die Begründung: Die Firma hätte ihre Sorgfaltspflicht nicht erfüllt und das Töten von Igeln stünde unter Strafe.

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Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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