Der Rüpingsbach außer Kontrolle: Rechts geht es zum geplanten Baugebiet. Immer wieder kommt es hier nach starkem Regen zu Überschwemmungen. © privat
Bezirksvertretung

Nach Flut-Katastrophe im Juli: Kaum klare Antworten für den Stadtbezirk Hombruch

Der Starkregen im Juli und seine Folgen waren auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung Hombruch. Befriedigende Antworten gab es jedoch kaum – das Thema bleibt in der Diskussion.

Die Regenmassen, die im Juli vielerorts zu dramatischen Überflutungen führten, haben auch im Dortmunder Süden Schaden angerichtet. Also stand am 9. November ganz oben auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung (BV) Hombruch unter „Angelegenheiten von besonderer Bedeutung“: „Starkregenereignis am 14. Juli 2021 — Auswirkungen auf den Stadtbezirk Hombruch“.

Zu Gast als Berichterstatter: Dr. Christian Falk, Leiter der Stadtentwässerung Dortmund.

Einschließlich zahlreicher Fragen von Betroffenen in der Einwohnerfragestunde nahm das Thema fast zwei Stunden in der Sitzung ein – zurück blieb Frust, weil Vieles allgemein blieb. Es ging um Fakten, die jeder inzwischen kennt: Es war ein Jahrhundertwasser.

„So etwas haben auch NRW und Dortmund noch nicht erlebt“, sagte Christian Falk. Die Veränderung des Klimas sei angekommen. „Wir müssen unseren bereits eingeschlagenen Weg weitergehen“, erklärte Falk weiter, stellte aber auch klar: „Ganz werden wir so etwas nie abfedern können, vor Vulkanausbrüchen kann man sich auch nicht schützen.“

Ein Satz, der Bezirksvertreter Michael Twardon (SPD) zu dieser Bemerkung veranlasste: „Wenn ich das übertrage, heißt das doch im Klartext: Baut nicht an Bächen.“

Durch Hombruch fließen gleich mehrere Bäche

Und die gibt es auch im Stadtbezirk Hombruch, zum Beispiel mit dem Kirchhörder Bach, dem Grotenbach und – meist mittendrin in den Diskussionen – dem Rüpingsbach mit seinem schon immer umstrittenen Bauprojekt „Am Lennhofe“. Auch hier stand im Sommer das Wasser.

Was wird nun aus den Plänen? Und wo war Hombruch genau betroffen, fragte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Susanne Lohse, die diese konkreten Angaben in den Ausführungen Falks vermisste. Es fehlten auch Antworten auf Fragen wie: Ist eine Überarbeitung der Starkregengefahrenkarte geplant, gibt es Überlegungen, Kanäle zu erweitern und ist es geplant, Bebauungspläne noch mal zu überdenken? Stichwort: Lennhofe?

Der Leiter der Stadtentwässerung sagte, er sehe im Moment nicht die Notwendigkeit, die Starkregengefahrenkarte zu überarbeiten. Die Gefährdungskarte bedeute ja nicht: „Achtung, hier darf man nicht bauen. So funktioniert das nicht.“ Aber natürlich müsse man „den Umgang mit Kleinstgewässern sicher verändern“. Eine Erweiterung der Kanäle sei allerdings nicht die Lösung.

Situation am Rüpingsbach ist verschärft

Bernd Dumont (CDU) äußerte sich so: „Klar, man kann den Leuten jetzt sagen: Warum habt ihr da gebaut? Aber was den Anwohnern quer geht, ist doch, dass da jetzt weiter gebaut werden soll, und die Bebauung das Problem am Rüpingsbach für die Leute verschärft.“

Die Stadt hat offenbar nach dem Starkregens das Entwässerungskonzept für das Gebiet erneut überprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass „die Entwicklung des B-Plan-Gebietes bei Starkregenereignissen zu keinen negativen Auswirkungen für die umgebende Bestandsbebauung führt“. Das geht aus einem Schreiben von Planungsdezernent Ludger Wilde an die Mitglieder des Umweltausschusses des Rates und an die Bezirksvertretung Hombruch hervor.

Bei der Emschergenossenschaft hat man ebenfalls gerechnet und kommt zu folgendem Schluss: „Das geplante Baugebiet ‚Am Lennhofe‘ ist und wird von Überflutungen durch den Rüpingsbach nicht betroffen. Jedoch kann es durch wild abfließendes Wasser durch Starkregen zu Überflutungen kommen.“

An dem einen Ende des geplanten Baugebietes hängt seit „ewigen Zeiten
An dem einen Ende des geplanten Baugebietes hängt seit „ewigen Zeiten“ dieses Protest-Plakat. Von vorbereitenden Baumaßnahmen hingegen ist nichts zu sehen – das Warten geht weiter. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Antworten wenig zufriedenstellend

Aussagen, die die Bürgerinitiative „Rettet das Biotop Lennhofe“ keineswegs zufriedenstellten: „Warum gibt es keine gutachterliche Stellungnahme der Emschergenossenschaft, sondern lediglich eine E-Mail mit der Berechnung von zwei Durchflussmengen?“, heißt es in einer von insgesamt zehn Fragen in einem Fragenkatalog.

Man ist der Auffassung, dass die Aussagen von Stadtverwaltung und Emschergenossenschaft keinesfalls ausreichend sind. Die politischen Gremien hätten mehr gefordert als das. Die Initiative fordert nun unter anderem nicht nur eine Berechnung der Emschergenossenschaft über Durchflussmengen, sondern ein „ordentliches Gutachten“.

Derzeit hat die Emschergenossenschaft nach eigenen Angaben ein „hydraulisches Modell zur Berechnung des Wasserspiegels des Rüpingsbaches“ aufgebaut. Dies, so findet die Initiative, gelte es abzuwarten, bevor man weitere Aussagen zu Hochwassersituationen im Bebauungsplan-Gebiet machen könne.

Wenige Tage nach der Sitzung (11.11) ist jedoch im Fall des Bauprojektes „Am Lennhofe“ wohl die Entscheidung gefallen, dass dieses realisiert werden wird – trotz aller Bedenken und Gegenstimmen.

Gesammelte Fragen sollen nun schriftlich beantwortet werden

In der Sitzung der Bezirksvertretung am 9. November blieben indes letztlich viele Fragen unbeantwortet, auch weil der Gast Dr. Christian Falk befand, für einzelne Fragen nicht der richtige Ansprechpartner zu sein oder dass dies so jetzt nicht auf der Tagesordnung stehe.

Schließlich wurden alle Fragen von Anwohnern und der Bürgerinitiative sowie Anträge aus den Fraktionen (beispielsweise: Auflistung aller Hochwassergebiete und Hotspots im Stadtbezirk) gesammelt und weitergeleitet. Nun wartet man in Hombruch auf schriftliche Antworten.

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