Die besondere Bäckerei

Portugiesischer Bäcker: Handgemachte Creme-Pasteten sind der Renner

Bäckereien großer Ketten gibt es überall, mit einer riesigen Auswahl und guter Qualität. In dieser Serie stellen wir nun die kleinen Bäcker mit besonderen Angeboten vor. Heute: Casa Iberica.
Roger und Valter Fernandes Pereira führen die kleine Bäckerei am Casa Iberica mit viel Herzblut. © Schaper

Die portugiesischen Brötchen von Valter Fernandes Pereira haben mit den üblichen deutschen Semmeln nicht viel gemeinsam. Die „Lissaboner“ sind groß und kugelig, feinporig und sättigend.

Die meisten Produkte der portugiesischen Bäckerei auf dem Ahlenberg tief im Dortmunder Süden sind etwas Besonderes. Seit Juli letzten Jahres gibt es den kleinen Bäckerladen. Er gehört zum Restaurant Casa Iberica, mit dem sich Roger und Valter Fernandes Pereira vor fast zehn Jahren einen Traum erfüllt haben.

Die Idee zu der Bäckerei entstand im ersten Lockdown. Valter, gelernter Konditor und Koch, hatte das Brot fürs Restaurant immer schon selbst gebacken, da war der Schritt nicht groß.

Angebot hat sich herumgesprochen

Ein kleinerer Raum im vorderen Teil des alten Bruchsteinhauses wurde dafür umfunktioniert. Und auch die Chefs selbst hat es erstaunt, wie schnell sich das Angebot herumgesprochen hat. Niemand hätte geahnt, dass es für so viele Wochen zur einzigen Einnahmequelle werden sollte.

„Die Bäckerei hat uns die Luft gegeben, die wir jetzt im Lockdown brauchen“, sagt Restaurant-Manager Roger. Sie helfe auch, in Bewegung und im Gespräch zu bleiben.

Der Verführungsfaktor ist hoch.
Der Verführungsfaktor ist hoch. © Schaper © Schaper

Aus dem kleinen Zusatzgeschäft wurde ein wichtiges Standbein mit breitem Sortiment. Inzwischen biegen sich die Regale unter der Fülle herzhafter und süßer Brötchen, Küchlein, Quiche, Pasteten und Gebäck. Daneben verlockt ein Ständer mit Körben voll frischer Brote.

Küchenchef Valter hat das Konditor-Handwerk in seiner Heimat Portugal gelernt, nach traditioneller Art, wie er sagt, „so wie vor 50 Jahren im Kloster gebacken wurde“. Diese Handwerkskunst sieht und schmeckt man, aber noch mehr die Leidenschaft für die unzähligen Creme-Füllungen der portugiesischen Küche, für handgemachten Brioche-Teig ohne Pulver und Zusätze, für pures Brot wie das Alentejo oder das schwere, feste Maisbrot, das am zweiten Tag perfekt ist für Bruschetta, wie Valter sagt.

Konditormeister Valter Fernandes Pereira fertigt den Blätterteig für die Pasteten von Hand.
Konditormeister Valter Fernandes Pereira fertigt den Blätterteig für die Pasteten von Hand. © Schaper © Schaper

Süße Backwaren sind verlockend

Ihn selbst zieht es aber eher in die süße Ecke der verlockenden Auslagen. „Ich liebe Kuchen“, sagt der 41-Jährige. „Alles, was mit Creme zu tun hat.“ Er arbeite auch gern mit Sahne und Obst und träume von einer eigenen Vitrine für diese Köstlichkeiten. „Brot gehört einfach dazu, aber bei Kuchen kann man richtig kreativ sein.“

Die Pasteis de Nata sind der Renner.
Die Pasteis de Nata sind der Renner. © Schaper © Schaper

Diese Leidenschaft teilt er mit vielen seiner Landsleute, die extra aus dem Sauerland, aus Osnabrück, Köln und Düsseldorf zum Ahlenberg kommen. Für Bolo Rei, den traditionellen Weihnachtskuchen der Portugiesen, hatte das Casa Iberica 360 Vorbestellungen. Damit geriet der kleine Betrieb mit dem einen Ofen in der Restaurantküche deutlich an seine Kapazitätsgrenze.

Pasteis de Nata, Blätterteig-Törtchen mit Sahnecreme, sind eine portugiesische Spezialität.
Pasteis de Nata, Blätterteig-Törtchen mit Sahnecreme, sind eine portugiesische Spezialität. © Schaper © Schaper

Back-Produktion läuft in der Restaurantküche

Da die Restaurantküche zurzeit nicht gebraucht wird, kann die Back-Produktion jetzt aber auf Hochtouren laufen. Allein von den legendären Pasteis de Nata, den portugiesischen Creme-Pasteten, verkauft die Bäckerei mehrere Tausend Stück pro Woche.

Info Öffnungszeiten der Bäckerei

Die Bäckerei Casa Iberica, Am Ossenbrink 55, Dortmund-Schanze, Tel. (0231) 97 97 99 19, ist während des Lockdowns täglich, auch an Sonn- und Feiertagen, von 7 bis 16 Uhr geöffnet. Montag ist Ruhetag.

Valter macht dafür den Blätterteig selbst, nur aus Mehl, Wasser, Salz und Butter – „alles andere schmeckt nicht“. Die Küchlein zerblättern beim Reinbeißen mit lautem Knuspern und schmecken zusammen mit der Sahnecreme wirklich genial.

Und wer hätte gedacht, dass Berliner eine portugiesische Spezialität sind? Die mit Vanillecreme gefüllten „Bollo de Berlin“ gebe es in Portugal an jedem Strand, sagt Valter Fernandes Pereira. „Die verkaufen sich absurd.“

Valter arbeitet nur mit natürlichen Produkten, frischer Hefe und echten Eiern. „Bei mir wird alles traditionell von Hand gemacht, so wie vor 50 Jahren“, sagt er. „Deshalb schmeckt es auch so wie früher. Die Leute sagen, ich bin verrückt. Aber das macht Spaß.“

Nicht nur die Bewohner am Ahlenberg haben sich an ihren kleinen portugiesischen Bäcker gewöhnt, bei dem es morgens ab sieben Uhr frische Brötchen gibt – groß und lecker.

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