Das Stück der historischen Brücke soll mehr Beachtung finden und vor allem erhalten bleiben. © Bernhard Klösel
Torgauer Brücke

Weltbekanntes Denkmal aus Dortmunder Stahl sucht einen neuen Platz

Seit Jahren bemüht sich die Politik erfolglos um die Pflege und einen angemessenen Standort für ein bedeutsames Objekt: die Torgauer Brücke. Jetzt gibt es einen neuen Vorstoß.

Vorschläge und Initiativen zur Rettung der „Torgauer Brücke“ gab es schon einige. Trotzdem verwittert das Stück Zeitgeschichte noch immer weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit vor sich hin. Das Stahlbauwerk setzt Moos an und wuchert langsam zu. In der Hörder Bezirksvertretung gab es kürzlich einen erneuten Vorstoß, dem historischen Relikt mehr Ehre zukommen zu lassen.

Die Torgauer Brücke erlangte Berühmtheit, weil sich auf dem eingebrochenen Bauwerk US-amerikanische und russische Soldaten am 25. April 1945 die Hand gegeben haben. Der sogenannte „Elbe Day“ erinnert an das Ereignis.

Historisches Foto machte die Brücke berühmt

Ein Foto von dem historischen Handschlag wurde in vielen amerikanischen Zeitungen auf der Titelseite veröffentlicht und ging in die Geschichte ein. Dabei stört es kaum, dass der Fotograf die Szene vermutlich am folgenden Tag nachstellen ließ. Torgau, die kleine Stadt an der Elbe, wurde durch den Brücken-Schlag berühmt.

Ewald Rüter von der ehemaligen Stahlbau-Firma Rüter an der Nortkirchenstraße holte ein Brücken-Fragment einst auf eigene Kosten nach Hörde. Am 10. Juni 1995 wurde das historische Bauwerk auf dem Firmengelände aufgestellt. So blieb 500 Kilometer entfernt von Torgau ein Stück Erinnerung und Zeitgeschichte wach.

Damit das Fragment der Brücke besser betrachtet werden kann, wurde eigens eine Plexiglasscheibe in den Zaun am Rüterschen Firmengelände eingelassen.

Die Nietenkonstruktion an der Brücke ist die gleiche wie beim Eifelturm.
Die Nietenkonstruktion an der Torgauer Brücke ist dieselbe wie beim Eifelturm. © Bauerfeld (A) © Bauerfeld (A)

Der Bezug zu Dortmund liegt nahe: Der Stahlbogen der Torgauer Brücke, die dieselbe Nietenkonstruktion wie der Eiffelturm hat, besteht aus Dortmunder Stahl. Sie wurde in den Werkstätten der Dortmunder Union-Brückenbau hergestellt und in Torgau montiert.

Alte Torgauer Brücke wurde später gesprengt

Ein Teil der Stahlbogen-Brücke, die mehr als 100 Jahre lang die Elbe überspannte, kehrte somit durch die Initiative von Ewald Rüter an seinen Entstehungsort zurück. Das Mittelstück der Brücke war zu Kriegsende gesprengt worden. 1994 musste das historische Bauwerk einer neuen, modernen Brücke weichen.

In Hörde führt das Denkmal und Kunstwerk nun allerdings ein Schattendasein, wie Ratsherr Bernhard Klösel kritisiert, „vergessen von der städtischen Kulturpflege“. Der Vorsitzende der SPD Hörde-Süd erinnert an das einzigartige Relikt und fordert mehr Beachtung. „Es wird ein Sponsor und ein geeigneter Standort gesucht, bevor dieses Stück Zeitgeschichte vollends verwittert“, teilt er mit.

Lokalpolitiker lassen nicht locker

Seit 2016 gab es in der Bezirksvertretungssitzung immer wieder Vorstöße, das Stahlkonstrukt zu neuen Ehren kommen zu lassen, zuletzt am 23. Februar 2021. Hans-Otto Wolf von den Linken hakte nach, warum die Standortsuche so lange dauert und was bislang unternommen wurde.

Vorschläge der Politik, das Brückenteil an der Torgauer Straße in Hörde oder am westlichen Eingang zu Phoenix-West aufzustellen, konnten nicht realisiert werden.

Das Tiefbauamt hat 2018 den Zustand und die Standsicherheit des Objekts geprüft. Das Brückenteil sei „von der Substanz her in einem verhältnismäßig gutem Zustand“, schrieb Stadtrat Ludger Wilde. Allerdings sei die Beschichtung zu erneuern und mit einem Korrosionsschutz zu versehen. Scharfkantige Stahlteile müssten entfernt sowie bei einer Standortverlegung ein neues Fundament erstellt werden.

Außerdem weist Ludger Wilde auf die erhöhte Verkehrssicherungspflicht an öffentlichen Orten hin; das Fragment müsste eingezäunt werden. Wegen der „unkalkulierbaren Unterhaltungskosten“ lehnte das Tiefbauamt die Übernahme ab. Die Brücke solle in privater Hand bleiben.

Eine Lösung deutete Wilde aber an: Im Außenbereich eines Museums könnte das Fragment eventuell auch ohne Zaun aufgestellt werden. Anbieten würde sich das Hoesch-Museum. Hörde würde damit allerdings ein bedeutsames Erinnerungsstück verlieren.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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