Verpackt in Säcken liegt Material aus dem Gemeindehaus in der Baustelle. Auf den Säcken wird auf Asbest hingewiesen. © privat

Asbest beim Abbruch eines Gemeindehauses entdeckt: Nachbar in Sorge

Das Gemeindehaus in Nette wird genauso wie der Glockenturm abgerissen. Dabei soll Asbest unsachgerecht entsorgt worden sein. Anwohner fürchten jetzt um ihre Gesundheit.

Der Kirchturm der evangelischen Noah-Gemeinde in Nette wurde bereits abgerissen. Auch das Gemeindehaus verschwindet Stück für Stück. Was Anwohner der Joachim-Neander-Straße dabei beobachtet haben, bereitet ihnen Sorge.

Torsten Skupin wohnt direkt neben der Baustelle. Schon gleich zu Beginn hat er sich gewundert, dass Arbeiter ohne Schutzausrüstung die Dämmung auf dem Dachboden unter der Schieferverkleidung entfernten und abtransportierten. „Das Gemeindehaus wurde in den 50er-Jahren gebaut. Da weiß man, dass in dieser Zeit viel mit Asbest gearbeitet wurde“, sagt er.

Asbest wurde bis in die 90er-Jahre in großen Mengen verbaut. Seitdem ist es verboten. Heute weiß man, dass es krebserregend ist. Asbest kann leicht eingeatmet werden und so die Lunge schädigen. Es gibt strenge Auflagen bei der Asbestbeseitigung. Die weiteren Ereignisse sind für Torsten Skupin ein klares Indiz, dass bei ihm nebenan nicht ordnungsgemäß gearbeitet wurde.

Torsten Skupin wünscht sich Plane am Haus als Schutz

Keine 20 Meter liegen zwischen den Wänden des Gemeindehauses und seinem Haus, so der Dortmunder. Asbeststaub könnte problemlos in sein Fenster oder in das der Nachbarn geraten. Nicht nur, dass die Arbeiter keine Schutzanzüge trugen. Auch das Haus war nicht mit einer Plane abgedeckt, so seine Kritik. „Da hätten ganz andere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden müssen.“

Inzwischen hat sich das geändert, so Skupin. Es gibt Schutzanzüge. Material wurde in grobe Säcke verpackt, auf denen vor Asbest gewarnt wird. Sie liegen immer noch hinter dem Bauzaun gelagert. „Was wäre gewesen, wenn ich mich nicht beschwert hätte“, fragt sich Torsten Skupin.

Mit schwerem Gerät wurde der Kirchturm eingerissen. Auch das Gemeindehaus muss weichen.
Mit schwerem Gerät wurde der Kirchturm eingerissen. Auch das Gemeindehaus muss weichen. © Helmut Kaczmarek © Helmut Kaczmarek

Denn er wurde schon früh aktiv. Er hat mit dem Bauordnungsamt der Stadt Dortmund gesprochen und gefragt, ob es nicht vorher eine Begehung hätte geben müssen. Später dann habe er in einem Gespräch mit der Berufsgenossenschaft einen Hinweis bekommen, dass in dem Gemeindehaus tatsächlich Asbest in einem Teil des Hauses verbaut gewesen sei. Selbst das Bundesumweltamt hat Skupin angerufen, weiter als bis zur Mailbox ist er da aber nicht gekommen.

Berufsgenossenschaft war mehrmals vor Ort und kontrollierte

Eine Genehmigung des Abbruchs seitens der Stadt muss es nicht geben. Diese Aussage gegenüber Torsten Skupin bestätigt die Pressestelle der Stadt. Nur in bestimmten Fällen ist die Beseitigung eines Gebäudes anzeigepflichtig, also der Bauaufsicht zur Kenntnis zu geben. „Eine Beseitigungsanzeige liegt für diesen Fall auch vor“, so Stadtpressesprecher Christian Schön. Wann und wie der Abriss erfolgt, sei dann Sache des Eigentümers.

Investor Ulrich Tillmann erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, dass, sobald beim Abbruch Asbest entdeckt wurde, dieser ordnungsgemäß gemeldet und entsorgt worden sei. „Die Berufsgenossenschaft war mehrmals vor Ort. Wäre etwas nicht in Ordnung gewesen, hätte man die Baustelle sofort abgeschlossen.“

Anwohner in Nette sind besorgt: Mit Asbest soll nicht sachgerecht umgegangen worden sein.
Anwohner in Nette sind besorgt: Mit Asbest soll nicht sachgerecht umgegangen worden sein. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Bezirksbürgermeister informierte sich beim Bauunternehmen

An den Investor und das Bauunternehmen Lorenz in Waltrop hatte sich auch Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann gewandt. Er war von Torsten Skupin angesprochen worden. Kunstmann sah sich vor Ort um und fand die Aussagen von Skupin bestätigt. „Da wurden Platten entfernt, ohne Schutzausrüstung. Ob die Asbest enthalten, weiß ich natürlich nicht“, sagt er. Später rief er beim Bauunternehmen Lorenz an. „Mir wurde gesagt, man habe genau an diesem Tag ein Gespräch mit der Berufsgenossenschaft gehabt. Das Problem sei bekannt und würde behoben“, sagt er auf Anfrage unserer Redaktion.

Seitdem haben er und auch Torsten Skupin Arbeiter mit Schutzkleidung beobachtet. Eine Plane allerdings sei nicht angebracht worden. Torsten Skupin findet das alles weiter nicht zufriedenstellend: „Da wird einfach abgerissen und es wird nicht nach den Verlusten geguckt.“

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Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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