Motorräder der Bandidos-Rocker parken vor dem Eingang zum Huckarder Friedhof. © privat
Beerdigung

Bandido-Trauerfeier in Huckarde: Dutzende Rocker treffen sich auf Friedhof

Dutzende Bandidos-Rocker sind am Freitagmittag nach Dortmund gekommen. Sie besuchten wohl die Beerdigung eines Club-Mitglieds. Augenscheinlich wurden nicht alle Corona-Regeln eingehalten.

Mehrere Anwohner eines Friedhofs in Dortmund-Huckarde haben sich am Freitagmittag in unserer Redaktion gemeldet. Sie berichteten übereinstimmend von einem Großauflauf von Bandidos-Rockern.

Übereinstimmenden Augenzeugenberichten zufolge parkten die Bandidos mit ihren Motorrädern und auch mit „auffällig lackierten Wagen“ die Straßen rund um den Friedhof an der Urbanusstraße zu.

Beerdigung mit Rockern aus vielen Städten

Offensichtlich nahmen sie am Friedhof an einer Beerdigung teil. Die Rocker seien aus ganz verschiedenen Städten zusammengekommen, meldet ein Anwohner: „Gelsenkirchen, Essen, Castrop-Rauxel“ zählt er auf.

Während der Anwohner beobachtet, dass die Teilnehmer der Beerdigung am Eingang „ohne Abstand und ohne Maske“ zusammengestanden hätten, zeigt ein Foto der Beisetzung selbst, dass nahe dem Grab zwar offensichtlich kein großer Abstand zueinander eingehalten wurde. Allerdings tragen die Beerdigungsgäste durchaus Maske.

Wie unser Reporter berichtet, wurde bei der Beerdigung laute Musik abgespielt. Trauerreden wurden per Mikrofon übertragen. Am Friedhofseingang war es aufgrund der hohen Besucherzahl sehr eng, was Unbeteiligten den Zugang erschwerte.

Huckarder beobachten Beerdigung vom Zaun aus

Da am Freitag der Wochenmarkt stattfand, beobachteten viele Huckarder die Beerdigung vom Zaun aus. Wie aus der Entfernung zu erkennen war, standen am Grab teils sehr große Kränze.

Polizei und Ordnungsamt hielten sich rund um die Beerdigung „bewusst“ zurück. Die Polizei war zwar mit einer kleinen Zahl an Beamten vor Ort, aber, so Polizeisprecherin Nina Kupferschmidt: „Es handelt sich um eine Trauerfeier, die wir mit Respekt behandeln.“ Für etwaige Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung wäre das Ordnungsamt zuständig gewesen.

Dicht an dicht stehen Bandidos bei der Beerdigung eines Club-Mitglieds auf dem Friedhof in Huckarde am Freitag (26.2.) zusammen.
Dicht an dicht stehen Bandidos bei der Beerdigung eines Club-Mitglieds auf dem Friedhof in Huckarde am Freitag (26.2.) zusammen. © privat © privat

Das Ordnungsamt wiederum hätte nach Angaben von Stadtsprecher Maximilian Löchter „schnell vor Ort sein können“, war aber nicht unmittelbar anwesend, um mögliche Corona-Verstöße zu kontrollieren. Man habe von der Beerdigung gewusst und sich bei einer Vorbesprechung mit der Polizei vorgenommen, „mit Augenmaß zu handeln“.

Angelika Gaida vom Bestattungshaus Bentzien & Brocksiepe sagt vor Ort, dass sie eine Teilnehmerliste habe. Schätzen, wie viele Rocker teilgenommen haben, könne sie spontan nicht.

Zu dem Verstorbenen sagt Gaida: „Er war ein Huckarder Junge. Zu Lebzeiten hat er gesagt: ‚Wenn ich gehe, will ich Huckarde abreißen‘. Ich denke, das hat er geschafft.“ Es sei ihre dritte Rocker-Beerdigung und auch diese sei so ruhig abgelaufen, wie die anderen auch.

Polizei und Ordnungsamt: Beerdigung hat besonderen Charakter

Wie Polizeisprecherin Kupferschmidt verwies auch Maximilian Löchter auf den besonderen Charakter einer Beerdigung: „Wir müssen die Leute gleich behandeln.“ Eine maximale Obergrenze für die Teilnehmer an einer Bestattung im Freien sieht die aktuell gültige Corona-Schutzverordnung nicht vor.

Vorgeschrieben sei lediglich, erklärte Löchter, dass der Bestatter eine Liste mit den Teilnehmern führen müsse, damit im Falle einer Corona-Infektion Kontakte nachverfolgt werden könnten. Außerdem herrsche ab einer Teilnehmerzahl von 25 eine Maskenpflicht, von der nur die engsten Verwandten ausgenommen seien.

Allerdings ist in der Coronaschutzverordnung auch festgehalten, dass auch bei einer Beerdigung nur „nahe Angehörige“ den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Meter zueinander unterschreiten dürften. Das war vor und während der Bestattung in Huckarde am Freitag offensichtlich nicht der Fall, wie Fotos belegen.

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