Die CDU-Vertreter Peter Spineux (v.l.), Claudia Brückel und Uwe Wallrabe haben sich mit Anwohner Christian Pichelmann getroffen. © Uwe Wallrabe
Baugebiet Winkelstraße

Dortmunder warten 13 Jahre lang auf eine Spielstraße

Mehr als zehn Jahre warten Anwohner einer Dortmunder Straße auf ein Ende der Bauarbeiten vor ihrer Haustür. Und das wird auch noch eine Weile so bleiben .

Christian Pichelmann ist ein geduldiger Mann. Mit anderen Anwohnern wartete der Dortmunder, bis das Wohngebiet Winkelstraße in Rahm endlich den „lang ersehnten“ Kinderspielplatz bekam. Acht Jahre habe es gedauert.

Da waren schon „eine Vielzahl der Häuser“ in der Siedlung fertiggestellt. Und für einige Kinder war der Spielplatz dann nicht mehr allzu attraktiv. Sie waren zu Teenagern herangewachsen.

2009 bezog der Dortmunder sein Haus

2008 war Christian Pichelmann einer der Ersten, der im Gebiet Winkelstraße baute. Zwei freistehende Einfamilienhäuser entstanden. Eines für ihn und seine Familie, eines für seine Eltern. „2009 zogen wir dann ein“, sagt Pichelmann.

Ullrich Sierau (SPD) war damals noch kein Oberbürgermeister. Er wollte sich als Stadtdirektor dafür einsetzen, dass das Baugebiet schnell erschlossen wird. Das Planverfahren habe da bereits 30 Jahre gedauert. Das etwa fünf Hektar große Gebiet sei zuletzt als Grabeland genutzt worden.

Was Pichelmann jetzt ungeduldig werden lässt, sind Berichte unserer Redaktion, in denen es um andere Wohngebiete geht, die offenbar früher fertiggestellt werden sollen als seine Siedlung. Konkret in der Brechtener Heide und am Rahmer Wald.

Ganz oben in Dortmunds Norden ist beinahe ein ganz neuer Stadtteil entstanden: die Brechtener Heide. Im ersten und zweiten Bauabschnitt (r.) soll der Straßenausbau zeitnah beginnen.
Ganz oben in Dortmunds Norden ist beinahe ein ganz neuer Stadtteil entstanden: die Brechtener Heide. Im ersten und zweiten Bauabschnitt (r.) soll der Straßenausbau zeitnah beginnen. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Die Straßenarbeiten in der Brechtener Heide sollen in diesem Jahr beendet werden. Im Februar beginnen die Arbeiten, damit Schulwege sicher werden. Seit rund zehn Jahren wohnen dort Familien.

Bauarbeiten im Gebiet Rahmer Wald abgeschlossen

Familien im Neubaugebiet Rahmer Wald haben seit 2018 auf den endgültigen Abschluss der Bauarbeiten gewartet. Ende 2020 war es dann soweit: Familien der Niels-Bohr-Straße können aufatmen, der Ausbau des Gebiets ist beendet.

Diese Artikel haben bei Christian Pichelmann „den Stein ins Rollen gebracht“. Er fragt sich, warum es in dem Gebiet Winkelstraße nicht voran geht. „Die Stadt führt das Argument an, dass unser Wohngebiet noch nicht fertiggestellt ist. Das trifft auf die anderen Baugebiete doch auch teilweise zu“, sagt der 45-Jährige.

„In unserem Baugebiet gibt es nur noch zwei unbebaute Grundstücke. Eins steht kurz vor der Bebauung, das andere wird wohl nicht bebaut werden. Wir können doch nicht noch länger warten“, findet der Dortmunder. Er fühlt sich verschaukelt.

Grundstückseigentümer wollen nicht verkaufen

Stadt-Sprecher Christian Schön räumt ein, dass beispielsweise die Brechtener Heide fertig gestellt ist, obwohl noch nicht alle Grundstücke vermarktet und bebaut sind. Doch dass Bebauungsgebiete anderen vorgezogen würden stimme nicht. So habe die „Vermarktung des 1. Bauabschnitts“ in der Brechtener Heide im Jahr 2008 begonnen.

Außerdem: „Das letzte Baugrundstück im Gebiet Winkelstraße wurde im Jahr 2011 veräußert.“ Das bedeute, dass bis 2013 alle städtischen Grundstücke bebaut waren. Doch gebe es Grundstücke privater Eigentümer, die die Grundstücke nicht bebauen oder verkaufen wollen. Das sei ihr gutes Recht, so Schön. Es gebe keine gesetzliche Möglichkeit, sie dazu zu zwingen.

Grund für die Verzögerung

Pichelmann hat sich mit seinem Problem an die Bezirksvertretung Huckarde gewandt. Claudia Brückel (CDU) kann nicht nachvollziehen, warum sich bisher noch nichts getan hat. „Das Problem ist doch bekannt“, sagt sie. Es gebe verschiedene Bebauungsfristen.

Diese hätten zur Folge, dass es mit den Straßenarbeiten zu keinem Abschluss komme. „Ausbaden müssen das die Anwohner“, so Brückel.

Ein Anblick, der eigentlich der Vergangenheit angehören sollte: Der Straßenbelag lässt zu wünschen übrig.
Ein Anblick, der eigentlich der Vergangenheit angehören sollte: Der Straßenbelag lässt zu wünschen übrig. © Uwe Wallrabe © Uwe Wallrabe

Stadt-Sprecher Schön sagt, dass keine Fristen vorgeschrieben werden können, die bestimmen, „wann ein am Verfahren beteiligter privater Eigentümer seine Grundstücke entweder verkauft oder selbst bebaut“.

Die Harpen AG, der wie der Stadt auch ein großer Teil der Grundstücke gehörte, schreibt auf Anfrage, dass sie ihre Grundstücke an der Winkelstraße vor circa 12 Jahren „an diverse Grundstückskäufer veräußert“ haben.

Spielstraße hätte einen Nebeneffekt

Zurück zu Christian Pichelmann: Er zählt auf, welche Vorteile eine offizielle Spielstraße für ihn und seine Nachbarn hätte: „Die Parkplatzsituation wäre geklärt. Denn bisher parken viele ihre Autos auf Bauflächen.“

Die Anwohner wünschen sich, dass der provisorische Straßenbelag ausgebessert wird.
Die Anwohner wünschen sich, dass der provisorische Straßenbelag ausgebessert wird. © Uwe Wallrabe © Uwe Wallrabe

Und: Die Schrittgeschwindigkeit in der Spielstraße würde dafür sorgen, dass Eltern ihre Kinder mit gutem Gewissen allein vor die Tür schicken könnten. Aktuell gilt Tempo 30. „Doch halten sich längst nicht alle daran“, so der Familienvater.

Bis es soweit ist, dauert es noch eine Weile. Stadt-Sprecher Christian Schön sagt, dass das Tiefbauamt derzeit die „Planung für den Endausbau der Winkelstraße“ überarbeite.

Diese Überarbeitung der Pläne sei nun der Grund dafür, dass die Straße ausgebaut werden soll, obwohl noch nicht alle Grundstücke bebaut sind. Denn eigentlich sollen neue Straßen erst gebaut werden, wenn alle Grundstücke in einem Gebiet bebaut sind – damit sie nicht von Baufahrzeugen beschädigt werden.

Zeitliche Horizont

„Voraussichtlich im Mai 2021 wird der Baubeschluss für den endgültigen Ausbau vorliegen“, sagt Schön. Danach erfolge die Ausschreibung der Stadt Dortmund. Tatsächlich sollen dann die Bauarbeiten im Laufe des vierten Quartals beginnen.

Wenn die Planung aufgeht, sind die Arbeiten Ende 2022 abgeschlossen. So haben die Anwohner des Baugebiets Winkelstraße rund 15 Jahre auf den Ausbau und ihre Spielstraße gewartet.

Übrigens: Obwohl feststeht, dass die Spielstraße kommt, dürfen erst entsprechende Schilder aufgehängt werden, wenn die Spielstraße tatsächlich ausgebaut wird.

Christian Pichelmann und seine Nachbarn werden sich also noch weiter gedulden müssen.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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