Viele Jugendliche zieht es in der Frühlingssonne nach draußen. Sie würden am liebsten kicken. Aber der Corona-Infektionsschutz verbietet das. Es sei denn, das Ordnungsamt geht Hinweisen nicht nach. © picture alliance / dpa (Symbolbild)
Coronavirus

Dutzende Jugendliche kicken auf Dortmunder Sportplatz – keiner schreitet ein

Knapp 50 Jugendliche haben trotz Corona-Lockdowns auf einem städtischen Sportplatz an mehreren Tagen Fußball gespielt. Erst dann kam das Ordnungsamt.

Die Stadt Dortmund hat die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektionen noch einmal verschärft. Die Maskenpflicht gilt seit Samstag (27.2.) in vielen Parks der Stadt. Sonne und frühlingshafte Temperaturen führen zu riskanten Menschenansammlungen. Für die Parks in den Stadtteilen gilt diese Verschärfung nicht.

Doch ganz unabhängig davon haben in der vergangenen Woche bis zu 50 zumeist junge Leute offenbar alle Corona-Regeln und den Infektionsschutz missachtet. Ungezwungen haben sie am hellichten Nachmittag auf der eigentlich gesperrten Bezirkssportanlage Lütgendortmund Fußball gespielt. Das Ordnungsamt schritt erst am vierten Tag ein.

Einzelne Kinder und Jugendliche haben sich zuletzt auf vielen Fußballplätzen gefunden. Sie treten mit Abstand einen Elfer, schlagen Flanken und schießen aufs Tor. Als Ralf Prostak aber am Mittwoch (24.2.) von seinem Balkon auf die Sportanlage schaut, traut er seinen Augen kaum.

Unerlaubte Treffen nehmen Überhand

Er zählt nach: Knapp 40 Personen kicken auf der Anlage an der Limbecker Straße – ohne Maske und Abstand. Um 17.39 Uhr ruft er die Polizei. Doch nichts passiert. Tagsdrauf, am Donnerstag (25.2.), ein ähnliches Bild. Prostak zählt rund 30 kickende, zumeist junge Leute. Um 16 Uhr informiert er das Ordnungsamt. „Aber niemand erschien“, berichtet er im Gespräch mit dieser Redaktion.

Auf den Plätzen der Bezirkssportanlage Lütgendortmund kickten in den letzten Februartagen täglich bis zu 50 zumeist junge Menschen – trotz aller Infektionsschutzregeln. © RVR 2020 Aerowest / Meixner © RVR 2020 Aerowest / Meixner

„Schon seit einiger Zeit treffen sich dort Gruppen, die nicht vom Verein stammen“, sagt er. Mannschaftssport sei ja seit einiger Zeit nicht möglich. „In den letzten Tagen hat das Überhand genommen“, sagt Ralf Prostak. Eine Nachbarin habe die Fußballer auf ihr Tun angesprochen. Urania Lütgendortmund habe es ihnen erlaubt, hört sie und wird mit der Information stehen gelassen.

Das Beispiel macht offenbar Schule: Am Freitag zählt Ralf Prostak mittlerweile 47 Fußballer auf dem Lütgendortmunder Sportplatz. Seine Nachbarn und er führen mittlerweile ein Protokoll, das dieser Redaktion vorliegt. „Zunächst Polizei angerufen. Angeblich nicht zuständig“, heißt es in den Freitags-Notizen. „Danach Ordnungsamt angerufen. Niemand erschienen.“

Bezirksbürgermeister „platzt die Hutschnur“

Samstagnachmittag strahlt die Sonne vom blauen Himmel. Wieder sind 20 Jugendliche auf der Anlage. Der Anwohner ruft erneut das Ordnungsamt an. Zweimal läuft ein Anrufbeantworter. „Beim dritten Versuch hat eine junge Frau erklärt, sie weiß nicht, ob sie es noch schaffen.“

Ralf Prostak hat längst mehrfach mit dem Lütgendortmunder Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp gesprochen. „Am Samstagnachmittag ist mir dann die Hutschnur geplatzt“, sagt der SPD-Politiker Brankamp. „Ich habe mich massiv beschwert.“ Erst diese Beschwerde zeigt offenbar Wirkung.

Erst als Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp sich massiv beschwert hat, kam der städtische Ordnungsdienst zum Sportplatz in Lütgendortmund.
Erst als Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp sich massiv beschwert hat, kam der städtische Ordnungsdienst zum Sportplatz in Lütgendortmund. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Um 16.35 Uhr sieht Ralf Prostak, wie das Ordnungsamt den Platz räumt. „Die Jugendlichen sind auseinander gespurtet“, erzählt er. Die Anwohner beobachten, wie der Ordnungsdienst mehrere Bälle und ein Fahrrad sicherstellt.

Es geht nicht ums Vermiesen

„Es geht mir nicht darum, Jugendlichen das Fußballspielen zu vermiesen, sondern um Corona-Schutz“, betont Prostak. „Auch ich möchte irgendwann mal wieder ohne Maske herumlaufen dürfen. Und das geht nur, wenn wir uns alle an Regeln halten.“

Für Heiko Brankamp sind die Vorfälle nicht hinnehmbar – zu allererst die Ansammlung. „Das Ordnungsamt kann aber nicht nur den Phoenixsee und den Westenhellweg kontrollieren“, fordert er. „Wenn es einen Hinweis bekommt, darf es nicht sagen, das interessiert uns nicht.“

Nach Räumung und Flucht am Samstag ist das Kapitel noch längst nicht beendet. Am Sonntag ist Prostak beruflich außerhalb von Dortmund unterwegs. Am Telefon berichten Nachbarn, dass Jugendliche munter weiterkicken. „Zirka 10 Personen, teilweise wieder ohne Abstand“, steht im Protokoll der Anwohner.“

Hinweis: Die Redaktion hat eine Anfrage an die Pressestelle der Stadt Dortmund gestellt. Die Stellungnahme stand bis zum späten Montagnachmittag noch aus.

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Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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