Ein Abschiedsbild von „ihrer“ Kirche: Pfarrerin Stephanie Lüders schießt bei den Abrissarbeiten Erinnerungsfotos. © Stephan Schuetze
Kirchen

Glockenturm im Dortmunder Westen abgerissen: „Das tut schon weh“

Der ehemalige Glockenturm der evangelischen Noah-Gemeinde aus Nette ist Geschichte. Am Mittwoch wurde der Turm komplett abgerissen. Wir haben den Abrisstag verfolgt.

Stück für Stück hat der Bagger am Mittwoch den alten Glockenturm der Noah-Gemeinde in Nette abgerissen. Schon in den Morgenstunden hatten sich viele Schaulustige und Anwohner das Spektakel angesehen.

Der Glockenturm war noch gar nicht so alt. Am 10. November 1968 war er eingeweiht worden. Etwas mehr als 50 Jahre später ist der 31,5 Meter hohe Turm nun nicht mehr da. Nur die fünf insgesamt 2480 Kilo schweren Kirchenglocken bleiben in Nette und läuten bald bei der katholischen Gemeinde.

„Schon ein Wahrzeichen von Nette“

Unter den Anwohnern sorgt der Abriss des Turmes für gemischte Gefühle. Tim Ostermeyer schaut sich den Abriss fasziniert an und hält den Fortschritt mit dem Handy fest: „Ich bin hier aufgewachsen und der Turm ist ja schon ein Wahrzeichen von Nette.“ Als Kind habe er noch im Keller des Gemeindehauses gespielt. Auch Erik Buschkamp verfolgt den Abriss am Bauzaun: „Das ist ja einfach ein Stück Geschichte. Ich bin gespannt, wie das dann aussehen wird, wenn es fertig ist.“ Er erinnert sich noch an Zeiten, in denen in der Nähe des Turmes Kühe gegrast haben.

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Abriss des Glockenturms in Nette

Nicht nur der Glockenturm, auch das Gemeindezentrum wird abgerissen. Die evangelische Noah-Gemeinde musste das Gelände verkaufen, weil die Kosten für notwendige Renovierungen zu hoch wären. Nur die Renovierung des Standortes in Nette hätte die Gemeinde zwischen 500.000 und 600.000 Euro gekostet. Für den zweiten Standort der Gemeinde wären 250.000 Euro fällig gewesen.

Nachdem das Gemeindehaus der evangelischen Noah-Gemeinde am 15.Oktober 2017 entwidmet wurde, durfte es noch bis Ende 2017 genutzt werden. Dasselbe galt für das zweite Gemeindehaus der Noah-Gemeinde in Oestrich: Es wurde am 22. Oktober entwidmet. Die evangelische Noah-Gemeinde wurde von der katholischen Kirchengemeinde in Nette aufgenommen. Die beiden Konfessionen wohnen und wirken damit unter einem Dach.

Stück für Stück hat sich der Abrissbagger den Glockenturm vorgenommen.
Stück für Stück hat sich der Abrissbagger den Glockenturm vorgenommen. © Helmut Kaczmarek © Helmut Kaczmarek

Kita und Wohnungen werden gebaut

Wie es mit dem Grundstück an der Joachim-Neander-Straße weitergeht, steht bereits fest. Auf dem Gelände werden eine Kita und Wohnungen entstehen. Pfarrerin Renate Jäckel ist seit 1999 in der Gemeinde tätig. Auch sie hat sich den Abriss angesehen: „Das tut weh, aber es ist wichtig und ich weiß ja, da kommt was Neues.“ Auch viele Gemeindemitglieder hätten sich den Abriss zuletzt gewünscht. Ohne Glocken und Kreuz sei der Turm nur noch eine leere Hülle gewesen.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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