Marid Milorad, Chef des Steakhaus-Restaurants „Gambrinus“, freut sich, wenn er seine Gäste endlich wieder im Biergarten (Foto) und Restaurant bedienen darf. © Beate Dönnewald
Corona-Lockerungen

Längerer Lockdown für Restaurants im Westen: „Für uns ein Nackenschlag“

Es gibt Corona-Lockerungen, doch Restaurant-Besuche bleiben vorerst verboten. Für den einen Gastronomen bedeutet das der Untergang, andere bleiben hoffnungsvoll. Ein Stimmungsbarometer.

Angela Merkel und die Ministerpräsidenten haben die Verlängerung des Lockdowns beschlossen. Gleichzeitig sind aber einige Dinge wieder möglich. Ein Restaurantbesuch ist aber immer noch nicht erlaubt. Wir haben mit Restaurant-Besitzern im Westen gesprochen, was das mit ihnen macht.

  • Torsten Potyka hat im März 2020 das Fachwerk in Bodelschwingh eröffnet. Doch wirklich lang war sein Restaurant mit Biergarten nicht geöffnet. Schnell musste er wegen der Pandemie schließen. Nur im Sommer konnte er zeitweise Schnitzel und Co. anbieten.

    Dass er und andere Restaurant-Besitzer nicht unter bestimmten Regeln öffnen dürfen, kann er nicht verstehen. „Wir Gastronomen waren die Ersten, die die Corona-Regeln eingehalten haben, und sind jetzt die Letzten, die öffnen dürfen“, sagt Potyka.

    Er habe alles möglich gemacht, um einen Corona-konformen Restaurant-Besuch zu ermöglichen. Potyka zählt auf: „Abstände können eingehalten werden, Desinfektionsmittel gibt’s und eine Liste mit Namen der Gäste habe ich auch. Außerdem gibt’s Schilder und sogar Trennwände am Toiletteneingang. Was will man mehr?“

    Das Besondere: Potyka hat einen Außenbereich, einen anliegenden Biergarten. „Da kann ich auch einen separaten Ein- und Ausgang schaffen.“ Warum er nicht wenigstens seinen Biergarten öffnen darf, ist für ihn unverständlich. „Das ist für uns ein Nackenschlag.“
  • Anna Scheele ist Inhaberin des Burghofs in Mengede. Sie hat sich mit dem Lockdown arrangiert und setzt auf den Außer-Haus-Verkauf. „Die Mengeder unterstützen mich“, sagt sie. „Und die Mund-zu-Mund-Propaganda ist gut. Es kommen auch Gäste aus Lünen und Huckarde.“

    Schlimmer sei es, wenn sich wegen der Sorge vor einer Infektion nur ein Gast ins Restaurant traut. Sorgen macht sie sich eher um die Kollegen, die eine Kneipe haben und keinen Außer-Haus-Verkauf anbieten können. „Sie haben echte Existenzsorgen. In deren Haut möchte ich nicht stecken.“

    Einen Biergarten hat der Burghof nicht. Wenn es wärmer werde, habe sie ohnehin weniger Gäste. „Dann möchten die Leute nach draußen gehen“, sagt Anna Scheele.

    Wenn es weitere Auflagen zum Infektionsschutz gebe, will die leidenschaftliche Köchin und Gastronomin sich denen stellen. „Wenn wir Tests machen müssen, sind das zusätzliche Kosten“, sagt sie. „Aber ich habe schon so lange gekämpft, jetzt halte ich auch durch.“
  • Franz-Josef „Bubi“ Leuthold sagt: „Dieses Jahr halten wir auf jeden Fall noch durch. Wir sind alteingesessen und ein Familienbetrieb. Das muss man im Zusammenhang sehen.“ Er ist Inhaber des Restaurants und Biergartens „Tante Amanda“ in Westerfilde.

    „Vor Ostern werden wir nicht öffnen dürfen“, sagt der Gastronom. Er ist realistisch und verweist auf die wieder steigende Inzidenz. „Die größte Katastrophe wäre aber, öffnen zu dürfen und wieder schließen zu müssen.“

    Wenig Verständnis zeigt Leuthold, dass die Außengastronomie weiter geschlossen bleiben muss. „Wir haben einen großen Außenbereich, hinten den Biergarten, vorne die Terrasse“, erklärt er. „Da ist viel Platz.“
  • Bei Matthias Stracke, der die Burg Heisterkamp in Huckarde betreibt, sieht es düster aus. Ihn bedrohe die Situation finanziell so sehr, dass er sich keine Krankenversicherung mehr leisten könne.

    Sie koste für ihn um die 900 Euro monatlich. „Das kann ich mir nicht leisten.“ Er beklagt, dass seine Kosten weiterlaufen – Pacht, Strom, Gas – er aber kein Geld einnehmen kann.

    Wenn es nach ihm ginge, hätte er sein Restaurant bereits „vorgestern“ wieder geöffnet. Denn: Auch er könne dafür sorgen, dass in seinem Betrieb die AHA-Regeln einhalten werden. Stracke hat die Überbrückungshilfe III des Bundesfinanzministeriums beantragt. Ob sie reicht, wird sich zeigen.
  • Bei Kay Fräder von „Friedchens Bahnhof“ in Huckarde lief es mit der staatlichen Unterstützung „ganz wunderbar“. „Wir wollen deshalb weder jammern noch meckern. Wir müssen jetzt einfach abwarten, bis die Politik ‚ja‘ sagt. Ändern können wir es doch ohnehin nicht.“

    Gemeinsam mit seinem Team freue er sich darauf, „wenn es endlich wieder richtig losgehen kann“. Die neuen Speisekarten seien gerade beim Grafiker, ein Teil des Biergartens werde aktuell überdacht. „Wir sind startklar“, sagt Kay Fräder. Mit der Öffnung der Außengastronomie allein sei ihm nicht geholfen. „Unser Laden lebt doch von der besonderen Atmosphäre, die wir innen haben.“

    Was ihm am meisten fehle, sei die Kommunikation mit den Gästen, so Fräder. „Wir Gastronomen sind doch Entertainer.“ Er wünscht sich, „wieder ganz normal öffnen zu dürfen, wie vor dem zweiten Lockdown“. Mit den Hygiene- und Abstandsregeln habe man gut leben können. „Das lief rund.“
  • Marid Milorad, Chef des Steakhaus-Restaurants „Gambrinus“ in Oespel, ist trotz Lockdowns bislang ganz gut durch die Corona-Krise gekommen – dank Außer-Haus-Verkauf und Lieferservice. „Ich musste dafür noch nicht einmal groß Reklame machen“, sagt der gebürtige Bosnier. Die Portionen müssten einfach groß sein und schmecken, dann seien die auch Kunden zufrieden.

    Dennoch wünscht sich der 50-Jährige nichts sehnlicher, als sein Restaurant wieder öffnen zu dürfen. „Aber es ist egal, ob wir meckern oder nicht, wir werden es nicht ändern können“, sagt er.

    Wenn Biergärten zuerst öffnen dürften, hält Marid Milorad das für keine gute Idee. „Das ist ungerecht denen gegenüber, die keinen Biergarten haben. Es ist nicht richtig, dass einige einen Vorteil haben und andere nicht.“

    Momentan brächte die Öffnung der Biergärten ohnehin nicht viel, meint der Restaurant-Chef. „Wer will schon bei diesen Temperaturen draußen sitzen?“ Schön sei die Vorstellung natürlich trotzdem, sich wenigstens im Freien „mal wieder ausgiebig mit den Gästen zu unterhalten“.
  • Antonio Link lässt die Verlängerung des Lockdowns offenbar so kalt, wie das Bier, das er natürlich gerne wieder verkaufen würde. „Ich plane ab Mai“, sagt der Inhaber von „Hopfen und Salz“ in Lütgendortmund. „Der Mai ist für uns maßgebend.“

    Dennoch seien die Existenzsorgen derzeit „ein Lottospiel“. Erst in der vergangenen Woche erhielt er eine Abschlagszahlung der Novemberhilfe, das Kurzarbeitergeld kam auch nicht an. „Wir hatten komplett die Arschkarte“, sagt Link.

    Eine frühzeitige Lockerung sieht er kritisch. „Dann laufen wir in einen dritten Lockdown“, sagt er. „Die Inzidenzzahlen steigen wieder und ich sehe wie das Impftempo vonstatten geht.“

    Antonio Link befürwortet indes eine Öffnung der Außengastronomie. „Fakt ist, die Leute sind draußen. Wir würden unter Hygienekonzepten die Hotspots in den Parks entzerren.“ Der Gastronom will seinen Biergarten darum erweitern, damit die Gäste mehr Platz und Abstand haben.
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Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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