208 Wohnungen befinden sich in den neun Häusern dieser Siedlung aus den 70er-Jahren. Schwierige Mehrheitsverhältnisse unter den Eigentümern führen zu Problemen bei Instandhaltung und Pflege. © Uwe von Schirp
Instandhaltung einer Siedlung

Private Wohnungseigentümer stehen Investor-Mehrheit hilflos gegenüber

Eine Siedlung aus den 70ern mit 208 Wohnungen. 36 Wohnungen gehören einzelnen Eigentümern, der Rest einem Investor. Die Probleme in der Instandhaltung wachsen. Die Privatbesitzer sind hilflos.

Ein gemauerter Grill am Rande des Parkplatzes ist ein Sinnbild aus besseren Zeiten. Lang sind sie her, sagen Anwohner der Siedlung, die zu den Erstbeziehern im Jahr 1977 zählen. Der Grill – ein Relikt aus der Zeit, als sie gemeinsam auf der gepflasterten Fläche vor den Haustüren gesessen haben. Bei Bratwurst vom Grill, einem Glas Bier und netten Gesprächen.

„Den Grill haben wir selbst gemauert“, erzählt ein Erstbezieher. „Was waren das für Zeiten. Wir haben Fußball geguckt und gejubelt.“ Heute sind Jubel, Glückseligkeit und nachbarschaftliches Miteinander gewichen. Stattdessen: Unverständnis, Ratlosigkeit und Ärger. Gehörig viel Ärger.

Einem Teil der Privateigentümer und einigen Mietern reicht es. Sie erzählen von der für sie unbefriedigenden Situation rund um ihre Wohnungen.
Einem Teil der Privateigentümer und einigen Mietern reicht es. Sie erzählen von der für sie unbefriedigenden Situation rund um ihre Wohnungen. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Eine Wurzel des Ärgers liegt gewiss in den schwierigen Eigentumsverhältnissen. 208 Wohnungen und zwei Arztpraxen befinden sich in den neun Gebäuden im Nordwesten des Schulzentrums in Dortmund-Nette. 36 Wohnungen gehören Privateigentümern, die anderen sind in Besitz des niederländischen Unternehmens Brack Capital.

Unternehmen kündigte Investitionen an

Die Hausverwaltung übertrug die Eigentümer-Versammlung der Vonovia Treuhand, einer Unternehmenstochter von Vonovia SE. Das Wohnungsunternehmen selbst hat diesen Bestand an Karl-Schurz-Straße, Waterloostraße und Paul-Gerhard-Straße Ende 2016 an Brack Capital verkauft.

Zuvor bot Vonovia den Mietern an, ihre Wohnungen selbst zu erwerben. 36 nahmen das Angebot an. „Dann war damit auf einmal Schluss“, berichtet ein Eigentümer bei einem Treffen mit dieser Redaktion. Vonovia erklärt das gegenüber dieser Redaktion mit einer geringen Nachfrage.

Als Brack Capital die Wohnungen übernahm, waren die Bewohner noch halbwegs hoffnungsfroh. Die Niederländer mit Dependance in Düsseldorf hätten Investitionen angekündigt. Erneuert wurden nach Darstellung der Privateigentümer in den 172 Mietwohnungen aber nur die Fenster – Kunststoff statt Aluminium. Und die würden sich von denen unterscheiden, die sie selbst in ihren Wohnungen verbaut hätten.

Gegensätze zwischen Beton und Grün: Die großen Gebäude zeugen vom Wohnungsbedarf der 70er-Jahre. Die Erstbezieher freuen sich auch heute noch über den Zuschnitt ihrer Wohnungen und den mittlerweile alten Baumbestand.
Gegensätze zwischen Beton und Grün: Die großen Gebäude zeugen vom Wohnungsbedarf der 70er-Jahre. Die Erstbezieher freuen sich auch heute noch über den Zuschnitt ihrer Wohnungen und den mittlerweile alten Baumbestand. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Und sie zweifeln am fachgerechten Einbau und der Effizienz in der Wärmedämmung. Die mutmaßlich schlechteren Fenster seien auch in den gemeinschaftlichen Bereichen wie den Haus- und Etagenfluren verbaut worden. Hier mussten die Privatbesitzer nicht nur die Einbaukosten mittragen. Auch an der angezweifelten Energieeinsparung sind sie kostenmäßig beteiligt.

Erdrückende Mehrheitsverhältnisse

Es ist nur ein Beispiel von vielen anderen hinsichtlich Pflege und Instandhaltung, bei dem sie sich erdrückenden Mehrheitsverhältnissen beugen müssen. Sie fühlen sich hilflos. Selbst wenn die Eigentümer-Versammlung einen Beschluss gefasst habe, heiße das noch nicht, dass er umgesetzt werde.

Empfände die Hausverwalterin der Vonovia-Treuhand etwa Angebote von Handwerkern als zu hoch, setze sie die Umsetzung aus. „Dafür muss dann ein neuer Beschluss her“, berichtet ein Eigentümer. „In einem Jahr.“ Und es sei wenn überhaupt allein die jährliche Eigentümer-Versammlung, in der sie versuchen könnten, Einfluss zu nehmen.

Vonovia verweist auf das Wohneigentum-Gesetz (WEG). Als Hausverwalter habe das Unternehmen eine „neutrale Position“. Es sei an die Weisungen der Eigentümer-Versammlung gebunden. „Unausgewogene Mehrheitsverhältnisse können hierbei zu gefühlter Benachteiligung bei der Beschlussfassung führen, sind jedoch im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen nur äußerst begrenzt auszuschließen“, schreibt eine Unternehmenssprecherin.

Vier Monate Duschen beim Sohn

Auch als die Eigentümer 2020 den Vertrag über die Hausverwaltung neu beschlossen, hätten sie sich der Mehrheit von Brack Capital beugen müssen. Dabei stellen sie der Vonovia Treuhand ein schlechtes Zeugnis aus. Die Liste der kritisierten Punkte ist lang.

Seit vier Monaten ist das Bad eines Eigentümers durch einen Wasserschaden in der darüber liegenden Etage eine Baustelle. Er duscht seitdem bei seinem Sohn.
Seit vier Monaten ist das Bad eines Eigentümers durch einen Wasserschaden in der darüber liegenden Etage eine Baustelle. Er duscht seitdem bei seinem Sohn. © Privat © Privat

Notwendige Reparaturen würden lange hinausgezögert. Wasserschäden nehmen offenbar zu. „Seit vier Monaten muss ich bei meinem Sohn duschen“, nennt ein Eigentümer nur ein Beispiel. Im Bad eines Mieters in der Etage über seiner Wohnung war die Wanne undicht.

In der Folge mussten beide Wohnungen im Sanitärbereich saniert werden. Abgeschlossen sind die Arbeiten noch nicht. Zu einzelnen konkreten Fällen nimmt Vonovia keine Stellung und verweist auf den Datenschutz.

Mangelnde Präsenz der Hausverwalterin

Die Eigentümer klagen über mangelnde Präsenz der Hausverwalterin vor Ort. Dadurch würden etwa das sachgerechte Ausführen von Handwerkerarbeiten oder die Reinigung durch eine externe Firma nicht kontrolliert. Im vergangenen Winter sei kein Winterdienst erfolgt. „Die Hausverwaltung können wir uns eigentlich sparen“, sagen mehrere.

Vonovia teilt diese Wahrnehmung nicht. Die Eigentümergemeinschaft könne die Präsenzpflicht innerhalb des Verwaltervertrages im Objekt frei verhandeln. „In der Regel wird dies auf eine jährliche Begehungspflicht begrenzt“, erklärt die Unternehmenssprecherin. „Darüber hinaus finden aber selbstverständlich unterjährig diverse, anlassbezogene Ortstermine statt.“

Mittlerweile unbenutzt steht dieser selbst gemauerte Grill am Rande des Parkplatzes. Er erinnert an die Zeiten von nachbarschaftlicher Verbundenheit in einem gepflegten Umfeld.
Mittlerweile unbenutzt steht dieser selbst gemauerte Grill am Rande des Parkplatzes. Er erinnert an die Zeiten von nachbarschaftlicher Verbundenheit in einem gepflegten Umfeld. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Die Privateigentümer befinden sich in einem Dilemma. „Ich wohne seit 44 Jahren hier“, sagt einer von ihnen. „Es ist doch schön hier mit dem alten Baumbestand, der Ruhe und allen Schulen in der Nähe. Eigentlich will ich hier nicht weg.“

Trotzdem informiert er sich über Alternativen. Und damit ist er nicht allein. Aber: Der Preis für den Verkauf ihrer Wohnungen müsse stimmen. In einem weiteren Punkt sind sie sich ebenfalls einig: „Wenn wir 36 Privateigentümer uns nicht kümmern würden, wäre es ganz aus in der Siedlung.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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