Mit Kerzen und Schilder verabschieden sich die Anwohner und Gläubigen von ihrer Kirche. © Helmut Kaczmarek
Abriss

Trauer um Dortmunder Glockenturm – Baufirma zufrieden mit Fortschritt

Am Mittwoch haben die Abrissarbeiten des Glockenturmes in Nette begonnen. Die Gläubigen trauern mit Kerzen und Schildern um das Wahrzeichen. Die Baufirma ist zufrieden mit dem Fortschritt.

Die Abrissarbeiten am Glockenturm in Dortmund-Nette haben begonnen, und viele Anwohner und Gläubige trauern schon jetzt um das Bauwerk. Mehr als ein halbes Jahrhundert hatte der Turm die Glocken der Noah-Kirchengemeinde getragen. Jetzt werden er und das Pfarrhaus abgerissen. Auf der neuen Fläche sollen Wohnungen und eine Kita gebaut werden.

Der Abriss wird vor allem in den Sozialen Medien von vielen Nutzern bedauert. Ein User schreibt auf Facebook: „Traurig, da ich auf der Donarstraße groß geworden bin, war es für mich ein täglicher Anblick und außerdem für mich immer eine Art Wahrzeichen von Nette, das man schon aus der Ferne sehen konnte und man dann wusste, die Heimat ist nah.“

Viele hat die evangelische Noah-Gemeinde bereits ihr ganzes Leben begleitet: „Getauft und konfirmiert worden und groß geworden dort. Teestube war auch immer toll. Schöne Erinnerungen, die dahin gehen.“ Ältere Bürger erinnern sich sogar noch an den Bau des Turmes: „Bei Hochzeiten immer auf dem Boden gelegen und das Kleingeld eingesammelt. Kann mich aber auch noch daran erinnern, als der Turm gebaut wurde.“

Ulrich Tillmann ist einer der neuen Inhaber des Grundstückes. Er ist zufrieden mit dem aktuellen Baufortschritt: „Das läuft ganz gut, wir haben auch keinen Zeitdruck damit.“ Zwar sei es im Wohnungsbau nicht alltäglich, einen mehr als 30 Meter hohen Turm abzureißen, aber im gewerblichen Bau ist es nicht ungewöhnlich: „Das Besondere ist ja der Abriss-Kran. Da braucht man dann eine entsprechende Zustimmung, aber funktioniert alles gut.“

Kritik an vermeidlicher Profitgier

Während der Turm Stück für Stück abgerissen wird, wird zeitgleich bereits das Gemeindehaus entkernt. Schließlich wird dann auch dieses Gebäude verschwinden. Ulrich Tillmann schätzt, dass es insgesamt sechs Wochen dauern werde, bis das ganze Gelände an der Joachim-Neander-Straße für den Weiterbau vorbereitet ist.

Der Abriss am Glockenturm der evangelischen Noah-Gemeinde geht weiter.
Der Abriss am Glockenturm der evangelischen Noah-Gemeinde geht weiter. © Helmut Kaczmarek © Helmut Kaczmarek

In den Sozialen Medien wird kritisiert, man reiße das Gelände nur aus Profitgier ab. Einer der Nutzer schreibt: „Kommerz und Geld regieren die Welt. Was interessieren Kinder, Jugendkeller, Altenbegegnung und Gemeinschaft. Mir tut es um jede Kirche leid.“ Anwohner hatten an den Bauzaun Schilder angebraucht, darauf hieß es „Gott baute ein Haus, dann kam der Bagger“ oder „Ruhr in Frieden. Wir trauern.“

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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