Die Moderation und das Einheizen beim Public Viewing während der Fußball-WM 2014 auf dem Friedensplatz zählen für den seit einem Jahr arbeitslosen DJ (r.) zu den schönsten und emotionalsten Events in seiner Karriere. © Stephan Schütze (Archiv)
Coronavirus

Trauriger Corona-Jahrestag: Dortmunder DJ seit einem Jahr ohne Gig

50 bis 60 Veranstaltungen sind dem Dortmunder DJ Corona-bedingt weggebrochen. Vieler seiner Kollegen haben schon umgesattelt. Der 45-Jährige will als „einsamer Krieger“ durchhalten.

Auf diesen „Jahrestag“ hätte der Dortmunder Discjockey gerne verzichtet: Am 7. März liegt sein letzter großer Gig exakt ein Jahr zurück. 50 bis 60 Veranstaltungen sind Lars Habeck wegen seines Corona-bedingten Berufsverbots bislang durch die Lappen gegangen. „Und es ist kein Licht am Tunnel für unsere Branche zu sehen“, sagt der 45-Jährige nach der Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch (3.3.).

Viele seiner Kollegen hätten schon aufgegeben, sagt der hauptberufliche DJ und Moderator aus Dortmund-Rahm. „Sie arbeiten in der Security, im Einzelhandel oder leben von Hartz IV,“ Das alles ist für Lars Habeck keine Option. „Ich bin der einsame Krieger“, sagt er. Musik sei sein Leben, sogar sein Studium habe für diese Leidenschaft an den Nagel gehängt. „Doch jetzt steht alles still.“

Die vergangenen zwölf Monate seien für ihn und seine Kollegen ein Wechselbad der Gefühle gewesen. „Was wir endlich brauchen, ist ein Geländer, an dem wir uns entlanghangeln können“, sagt Lars Habeck. Eine Öffnungsperspektive und Sicherheit. Doch stattdessen: lauter Fragezeichen.

Mittlerweile habe er sich abgewöhnt, sich noch viel mit dem Thema auseinanderzusetzen. „30 Minuten Corona täglich, mehr will ich nicht hören“, sagt er. Das ewige Hin und Her der Politik, die ständigen Hiobsbotschaften, das alles nerve ihn nur noch.

Frühestens im Dezember

Er gehe ohnehin davon aus, dass seine Branche frühestens im Dezember loslegen darf. Doch egal, wann die DJs ihre Arbeitserlaubnis zurückbekommen – die Unsicherheit sei groß, so Habeck. „Denn keiner weiß doch, welcher Veranstalter, welcher Gastronom, welche Location hat Corona überlebt?“ Das alles werde sich erst nach der Krise offenbaren.

Und: „Werden die Gäste überhaupt kommen, wenn sie dürfen?“, fragt sich der Dortmunder DJ, der noch ein Problem sieht: Seine Branche brauche einen gewissen Vorlauf, Hochzeiten, Partys, Großveranstaltungen müssten doch erst geplant werden.

Lars Habecks Glück im Unglück ist, dass er eine Ehefrau hat. „Sie füttert mich durch“, sagt er ohne Umschweife. Er habe im Gegenzug den Job des Hausmanns übernommen. „Ich habe mich in die Rolle reingefuchst. Ich kann jetzt gut kochen und den Haushalt schmeißen“, sagt Habeck und lacht.

Keine Novemberhilfe

Seine Fröhlichkeit hat der stillgelegte Stimmungsmacher trotz der großen finanziellen Sorgen nicht verloren. Von der NRW-Hilfe seien ihm am Ende 2000 Euro geblieben, die Novemberhilfe sei bislang noch gar nicht angekommen. „Außer für Essen geben wir im Grunde kein Geld aus“, so Habeck.

Generell gebe er sich noch bis Dezember Zeit. Sollte für DJs dann immer noch ein Berufsverbot gelten, werde er sich beruflich wohl doch umorientieren müssen.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt