Die Besucher schätzen den Flair: Zum Mengeder Mittelalterlich Gaudium kamen in jedem Jahr mehrere tausend Menschen in den Volksgarten. © Stephan Schuetze (Archiv)
Mittelalterlich Gaudium

Zoff um Mittelaltermarkt: Zwei mögliche Organisatoren legen Konzept vor

Wenn Corona es zulässt, wird es 2022 einen Mittelaltermarkt in Mengede geben. Ob der „Gaudium“ heißt oder anders, ist indes offen. Derweil sorgt der bisherige Organisator für eine Überraschung.

Die Mittelalter-Fans wird es freuen: In Mengede wird es aller Voraussicht nach auch in Zukunft einen Mittelalter-Markt geben. In welcher Form darüber wird die Lenkungsgruppe des Stadtbezirksmarketings Ende August beraten. Das zeichnet sich nach turbulenten Wochen nun ab.

Völlig offen ist, ob es weiterhin unter der Regie von Detlef und Erika Huß stattfinden wird. Das Ehepaar, das bislang zwölfmal das beliebte und äußerst erfolgreiche Mengeder Mittelalterlich Gaudium organisiert hatte, erklärte am 20. Juni seinen Rückzug.

Auslöser war einer von mehreren Stromkästen, die im Rahmen der Volksgarten-Sanierung neu installiert worden waren. Nach Jahren der Auseinandersetzung um die Infrastruktur in der Parkanlage zog das Ehepaar Huß öffentlichkeitswirksam auf Facebook einen Schlussstrich.

Community traf sich im Volksgarten

„Entweder der Stromkasten wird versetzt oder das war‘s“, erklärte Detlef Huß tags drauf bei einem Ortstermin mit dieser Redaktion. Die aktive Mittelalter-Community mochte sich mit dem drohenden Aus indes nicht anfreunden. In Sozialen Medien solidarisierten sie sich zu einer Rettungsaktion.

Detlef Huß steht an dem Stromverteiler-Kasten, auf den sich der Streit ums Gaudium derzeit zuspitzt.
Detlef Huß steht an dem Stromverteiler-Kasten, auf den sich der Streit ums Gaudium derzeit zuspitzt. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Am Samstag (24.7.) kam es dann zu einem Treffen in mittelalterlichen Gewändern im Mengeder Volksgarten. Im strömenden Regen und unter lautem Jubel erklärte Detlef Huß: „Wir machen weiter!“ Das zeigt ein Video in der Facebook-Gruppe des Gaudiums.

Spontaner Besucher des Treffens war Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann (Grüne). Nach der Erklärung von Detlef Huß ergriff er das Mikrofon. „Von dieser Entwicklung bin ich jetzt etwas überrascht“, erklärte Kunstmann. Sein Stand sei bis dahin gewesen, dass Detlef und Erika Huß nicht mehr das Gaudium weiterführen würden.

Zwei Bewerber für einen Mittelalter-Markt

Gemeinsam mit der Stadt sei man davon ausgegangen, „dass ein unheimliches Interesse daran ist, dass hier im Volksgarten ein mittelalterlicher Markt stattfindet“, betonte der Bezirksbürgermeister. Kunstmann hatte in den Wochen zuvor zahlreiche Gespräche über die Zukunft eines Marktes geführt, – auch mit anderen Organisatoren.

„Ich muss Ihnen jetzt möglicherweise leider mitteilen, dass es zwei Bewerber gibt, die solch einen mittelalterlichen Markt durchführen würden“, erklärte Kunstmann vor rund 30 Gewandeten der Gaudium-Community. Angesichts der Erklärung von Detlef Huß würde er sagen: „Jetzt haben wir drei Bewerber.“

Vier Tage lang dauert in jedem Jahr der Trubel mit mittelalterlichem Leben und täglichen Festzügen.
Vier Tage lang dauert in jedem Jahr der Trubel mit mittelalterlichem Leben und täglichen Festzügen. © Uwe von Schirp (Archiv) © Uwe von Schirp (Archiv)

Die beiden anderen Bewerber hätten ein Konzept für einen künftigen Markt vorgelegt. Axel Kunstmann forderte Huß auf, „von seiner Seite dann auch so ein Konzept vorzustellen“. In nächster Zeit wolle das Stadtbezirksmarkting entscheiden, wie es weiter geht.

Mittelalter-Community ist verblüfft

Er habe der Fairness halber spontan das Wort ergriffen, erklärte der Bezirksbürgermeister kurz vor seinem Urlaubsantritt auf Anfrage dieser Redaktion. Er habe Transparenz schaffen wollen, dass es weitere Bewerber gebe. Kunstmann betonte im Volksgarten, dass es bei einem Konzept auch darum gehe, sich mit den Gegebenheiten vor Ort einverstanden zu erklären.

In den Gesichtern der Community ist auf dem Video in der Gaudium-Facebook-Gruppe Verblüffung zu sehen. Für Unverständnis sorgte die Aufforderung, ein Konzept zu erstellen. „Ich finde das schon kurios“, erklärte Detlef Huß. „Wir haben zwölf Jahre hier einen Markt gemacht.“

Der Konflikt mit dem Grünflächenamt sei der Auslöser für den Rückzug gewesen, erklärte er. „Für die Situation, die entstanden ist, möchte ich mich nicht entschuldigen.“ Mit Blick auf die gegeben Rahmenbedingungen sagte Huß: „Wenn die Politik oder das Stadtbezirksmarketing das so möchten, müssten wir da mit einsteigen.“ Er bleibt beim Konjunktiv – und lässt es offen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.