„Peinlich“: Kolonie Kirdorf in Eving wartet seit Jahren auf eine Mahntafel

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Trotz ständiger Anfragen in der Bezirksvertretung fehlt von einer längst beschlossenen Mahntafel jede Spur. Der Fraktionschef der Grünen findet den Ablauf mittlerweile „peinlich“.

Eving

, 20.12.2019, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein bisschen mutet die Angelegenheit an wie Michael Endes Roman „Die unendliche Geschichte“ – auch wenn es sich in diesem Fall nur um acht Jahre handelt. So lange ist es her, dass die Bezirksvertretung Eving eine Mahntafel in der Kolonie Kirdorf beschloss.

Doch von der Tafel fehlt bislang jede Spur, obwohl Klaus Sichelschmidt, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der BV, noch in der vergangenen Sitzung des Gremiums eine erneute Anfrage an die Stadt stellte. „Es ärgert mich, dass ich bis heute keine Antwort erhalten habe“, sagt Sichelschmidt, „denn es war ja schon die zweite offizielle Anfrage zu dem Thema in diesem Jahr.“

Bezirksvertretung stellte 10.000 Euro zur Verfügung

Über acht Jahre sind seit dem BV-Entschluss zur Aufstellung der Mahntafel vergangen, mehr als sieben Jahre ist es her, dass die Bezirksvertretung 10.000 Euro für die Stele zur Verfügung stellte. „Und ich selbst bin seit drei Jahren an der Sache dran“, fährt Sichelschmidt fort. „Das ist doch unglaublich.“

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Im Fall der Mahntafel, die an die nationalsozialistische Vergangenheit Emil Kirdorfs, Namensgeber der Siedlung und persönlicher Freund Adolf Hitlers, erinnern soll, ärgert den Grünen-Politiker besonders der Ablauf des bisherigen Verwaltungsprozesses.

Im Sommer 2018 gab die Stadtverwaltung auf Anfrage bekannt, es existiere bereits eine Infotafel, allerdings müsse die überholt werden. Im Herbst 2019 hieß es dann vonseiten der Stadt, die Gestaltung des Mahnmals werde überarbeitet. Danach herrschte erneut Funkstille.

„Peinlich“: Kolonie Kirdorf in Eving wartet seit Jahren auf eine Mahntafel

Eine Infotafel existiert aber doch: Sie erinnert an die Errichtung der Siedlung in den Jahren 1912 und 1913. © Michael Schuh

Stadtsprecherin äußert sich

„Es gab einmal das Gerücht, der Verwaltungsvorstand habe die Mahntafel abgelehnt“, erzählt Sichelschmidt. „Daraufhin habe ich nachgefragt – und die wussten gar nichts davon.“ Er finde den bisherigen Ablauf inzwischen peinlich, schließlich falle das fehlende Ergebnis auch auf die Bezirksvertretung zurück.

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Etwas anders würde es sich verhalten, so Sichelschmidt, wenn die Bewohner der Kirdorf-Siedlung gegen eine solche Mahntafel wären. Doch auch dazu gibt es bislang keinerlei Stellungnahmen. Michael Ende lässt grüßen.

Stadtsprecherin Katrin Pinetzki sagt: „Beim Überarbeitungsbedarf ging es um ein Foto, das ausgetauscht werden sollte – und in Verbindung damit dann auch Text. Das Thema ist ein wenig liegen geblieben, aber aktuell tatsächlich in der Mache.“

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