„Wie hält man sich am Leben?“ - Kurzarbeit kann zum echten Problem werden

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Kurzarbeit herrscht in vielen Betrieben - auch in der Auslandsgesellschaft. Das Haus ist komplett geschlossen. Für Mitarbeiter wie Claudia Steinbach ist das ein echtes Problem.

Dortmund

, 16.04.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Claudia Steinbach (52), Betriebsratsvorsitzende der Auslandsgesellschaft in Dortmund, kämpft in erster Linie für ihre Kollegen. Doch auch sie selbst ist wie rund 100 Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen, die dort seit Mitte März wegen der Corona-Krise angesagt ist. „Da gibt‘s dann keine großen Sprünge mehr“.

Ihr Mann ist Freiberufler und in der Veranstaltungsbranche tätig. Wie aktuell bei den Veranstaltungen der Auslandsgesellschaft gehe es auch bei ihrem Mann nur um Absagen, erzählt Claudia Steinbach. Alles drehe sich um die Frage: „Wie hält man sich am Leben?“

Für sie ist es innerhalb von zehn Jahren das dritte Mal, dass sie Kurzarbeit erlebt. Wegen des Coronavirus ist das Haus aktuell komplett geschlossen. Mehr als 500 Migranten können ihre Integrations- und Deutschkurse nicht besuchen. Auch bei den Fremdsprachkursen läuft nichts. Alle Reisen, Seminare und Programme der politischen Bildung und des internationalen Austauschs sind vorläufig abgesagt. Nur noch eine Rumpfmannschaft sorgt für das Nötigste.

Nur mit Absagen beschäftigt

„Wir haben mit der Geschäftsführung ein bisschen gerungen“, erzählt die Betriebsratsvorsitzende. Weil die 50 Prozent Kurzarbeit erst am 16. März angeordnet wurde, schlage das erst im April beim Gehalt voll zu Buche. Steinbach: „Kollegen, die ein Single-Dasein führen, haben ein echtes Problem, Miete und Lebensunterhaltskosten zu zahlen.“

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Viele arbeiteten im Homeoffice, doch man sei technisch nicht entsprechend aufgestellt, sagt Claudia Steinbach. Die ersten drei Wochen seien nur frustrierend gewesen. „Ob Veranstaltungen oder Studienseminare, wir waren neben den Absagen damit beschäftigt, die Stornogebühren im Rahmen zu halten. Das macht nicht unbedingt Spaß, so zu arbeiten.“

Austauschprogramm mit Buffalo fällt erstmals aus

So muss in diesem Jahr zum ersten Mal seit 36 Jahren der jährliche High-School Austausch mit Dortmunds US-Partnerstadt Buffalo für Dortmunder Schüler ausfallen. Das beliebte und sonst immer ausgebuchte Austauschprogramm war wieder von August bis Dezember geplant.

Klaus Wegener, Präsident der Auslandsgesellschaft: „Es ist verständlich, dass Eltern in dieser Situation ihre Kinder nicht in die USA schicken, auch wenn bis August noch Zeit ist. Niemand weiß, wie die Lage dann ist. Außerdem sind auch weder Gasteltern, noch die Schulen in Buffalo bereit, zum jetzigen Zeitpunkt Zusagen für Schüler aus Deutschland zu machen.“ Sollte sich die Situation noch verbessern, will die Auslandsgesellschaft versuchen, ein Kurzprogramm in der zweiten Jahreshälfte auf die Beine zu stellen.

Nach-Corona-Strategie

Präsidium und Geschäftsführung der Auslandsgesellschaft haben sich auf eine „Nach-Corona-Strategie“ verständigt. Wegener: „Wir setzen darauf, alle Programme, Seminare und Kurse in den Sommerferien oder spätestens im Herbst nachholen zu können.“ So will man im Sprachenbereich den Unterrichtsausfall in den Sommerferien nachholen.

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Das soll auch den vielen freiberuflichen Dozenten helfen, den derzeitigen Verdienstausfall später zu kompensieren. Die Auslandsgesellschaft setzt darauf, dass die Kursteilnehmer hier mitziehen und „ihre“ Dozenten unterstützen. Die ursprünglich für den 16. Juni geplante Mitgliederversammlung der Auslandsgesellschaft ist schon jetzt auf die Zeit nach der Sommerpause verschoben worden.

Online-Sprachkurse

Unterdessen organisiert die Auslandsgesellschaft erste Sprachkurse, die online stattfinden. So ist gerade ein Italienisch-Kurs mit zunächst neun Teilnehmern gestartet, der via Skype durchgeführt wird. Das Online-Programm soll ausgebaut werden, wenn sich ein entsprechender Lernerfolg einstellt und die Teilnehmer zufrieden sind.

Claudia Steinbach fasst das so zusammen: „Wir haben den Eindruck, wir müssen den Weg nach vorn einschlagen.“

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