104 Jahre Haft: Polizei zieht Bilanz aus Einsätzen gegen Clans

2020

Mängel in Shisha-Bars, Wettbüros oder Spielhallen, außerdem Drogenhandel oder Diebstahl: Die Polizei nennt aktuelle Daten zum Einsatz gegen Clans und andere organisierte Kriminelle in Dortmund.

Dortmund

, 05.02.2021, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im August hat die Polizei eine große Kontrollaktion in mehreren Shisha-Bars in Dortmund durchgeführt - abgebildet ist ein Lokal an der Münsterstraße.

Im August hat die Polizei eine große Kontrollaktion in mehreren Shisha-Bars in Dortmund durchgeführt - abgebildet ist ein Lokal an der Münsterstraße. © Kevin Kindel

Die sogenannte Clan-Kriminalität ist eins der Themenfelder, die die Polizei Dortmund besonders im Blick hat. Jetzt hat sie eine Jahresbilanz für 2020 zum Thema veröffentlicht. Das Landeskriminalamt NRW charakterisiert einen „Clan“ mit „ethnischer Geschlossenheit und abgeschotteten, auf Familienzugehörigkeit reduzierte Strukturen“.

Polizeipräsident Gregor Lange sagt: „Wir lassen es nicht zu, dass organisierte Kriminelle Parallelwelten erschaffen, in denen die Regeln unseres Rechtsstaates keine Bedeutung haben.“ Die Pandemie habe die Polizei dabei im vergangenen Jahr besonders gefordert, zum Beispiel durch die Schließung von Shisha-Bars und ähnlichen Treffpunkten der Szene sowie Kontaktbeschränkungen.

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Schwerpunkt der Kontrollen war die Nordstadt

An 225 Kontrollorten - wie zum Beispiel diesen Shisha-Bars, Wettbüros oder Spielhallen - und auch auf offener Straße war die Polizei, teilweise zusammen mit Stadtverwaltung oder Hauptzollamt, mit Blick auf kriminelle Clans unterwegs. „Handlungsschwerpunkt war dabei vor allem die nördliche Innenstadt Dortmunds“, heißt es in einer Pressemitteilung zum Thema.

Bei diesen Kontrollaktionen sind in 87 Fällen „freiheitsentziehende Maßnahmen“ getroffen worden, also sind Menschen zumindest für einige Stunden von der Polizei festgehalten worden. 251 Strafanzeigen sowie 82 Ordnungswidrigkeitenanzeigen wurden gefertigt. 24 Mal wurden Bereichsbetretungsverbote erwirkt.

2104 Verfahren der „EK Nordstadt“

Im Kampf gegen die Drogenkriminalität haben die Beamten 394 Mal im vergangenen Jahr Bargeld sichergestellt. „Die täglichen Einsätze gegen Drogenhändler stören den Geldtransfer von den Geschäften auf der Straße bis in die oberen Strukturen“, heißt es. Insgesamt wurden bei diesen Sicherstellungen knapp 300.000 Euro abgeschöpft.

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Bewährt habe sich außerdem die Arbeit der „Ermittlungskommission (EK) Nordstadt“ gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft. Im Jahr 2020 hat sie 2104 Strafverfahren bearbeitet. Darunter waren etwa 660 Körperverletzungsdelikte, 132 Diebstähle in oder aus Kraftfahrzeugen, 549 sonstige Diebstähle sowie 243 Raubdelikte.

Nicht alle sind mit Clan-Kriminalität in Verbindung zu bringen. 1507 dieser Taten wurden geklärt, das ist für die Polizei eine „bemerkenswert hohe Aufklärungsquote von 71,6 Prozent“. Gegen 105 Personen wurden Haftbefehle erwirkt.

Zwei größere Ermittlungsverfahren wegen organisierten Handels mit Betäubungsmitteln mündeten im Jahr 2020 in Gerichtsurteilen. In 31 Verurteilungen sprachen die Richter Freiheitsstrafen von insgesamt knapp über 104 Jahren aus. Vereinzelt wurden sie zur Bewährung ausgesetzt.

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