Friedhelm (86) und Gerda Wefringhaus (83) wohnen im Seniorenheim - und das bald ohne Geld. Taschengeld vom Sozialamt bekommen sie nicht. Der Grund ist tragisch.

Mengede

, 14.09.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Friedhelm Wefringhauses (86) Augen werden feucht, als er beginnt zu erzählen. Immer wieder blickt er zu Ehefrau Gerda (83). Die 83-Jährige sitzt im Rollstuhl, zeigt kaum eine Reaktion. „Meine Frau ist dement“, erklärt der gebürtige Mengeder. Das Ehepaar hat sich im Sportverein kennengelernt, Gerda Wefringhaus stammt ursprünglich aus der DDR.

„An Heiligabend sind wir 65 Jahre verheiratet.“ Ein kleines Lächeln huscht über Friedhelm Wefringhauses Gesicht. Fast 45 Jahre lang war der heute 86-Jährige Maler und Anstreicher. „Und ich habe die ganze Zeit ordentlich eingezahlt“, sagt er. „Jetzt bekomme ich nichts davon.“

Der Antrag auf Taschengeld wurde abgelehnt

Seit sie im Seniorenheim Mengede wohnen, schrumpft das Vermögen der Wefringhauses. Der gemeinsame Sohn Uwe Wefringhaus hat sich vor zwei Jahren um den Umzug seiner Eltern in das Friederike-Gertrud-Haus gekümmert und anfangs auch um alle Unterlagen. „Ich habe beim Sozialamt für die beiden Pflegewohngeld beantragt“, sagt er.

Doch zunächst wurde der Antrag abgelehnt. Erst ein knappes Dreivierteljahr später hat das Sozialamt die Heimkosten von 502,54 Euro pro Kopf übernommen. Vermutlich, weil das Privatvermögen zuvor zu groß war. „Jetzt müssten wir aber eigentlich Taschengeld im Heim bekommen“, sagt Friedhelm Wefringhaus ein Jahr später. Seit seinem Einzug in das Seniorenheim zahlt das Ehepaar Kleidung, Shampoo, Medikamente und Co. von seiner Rente und Ersparnissen.

200 Euro sind noch übrig – 16.000 Euro sind verschwunden

„Ich habe jetzt noch gut 200 Euro auf dem Konto“, sagt Friedhelm Wefringhaus, der sich inzwischen wieder selbst um alles kümmert. „Im nächsten Monat muss ich für uns die Medikamentenbefreiung für das kommende Jahr bezahlen.“ Dann bleiben dem Ehepaar nur noch 60 Euro. „Und das, obwohl unser Sohn uns schon manchmal etwas dazu gibt.“

Trotzdem wurde der Antrag auf Taschengeld vom Sozialamt abgelehnt. „Sozialhilfe erhält nicht, wer sich zum Beispiel durch den Einsatz von Vermögen selbst helfen kann“, sagt Stadt-Pressesprecher Frank Bußmann auf Anfrage dieser Redaktion. Und für das Sozialamt der Stadt Dortmund gilt der Verbleib von 16.000 Euro aus dem Vermögen der Wefringhauses als ungeklärt. „Zum Vermögensverbrauch gibt es widersprüchliche Angaben“, erklärt Bußmann. Deshalb zahle das Sozialamt derzeit kein Taschengeld an die Wefringhauses.

Das Ehepaar war lange im Krankenhaus

Friedhelm Wefringhaus legt die Stirn in Falten. Seine Stimme wird brüchig. „Wir haben das Geld nicht mehr“, erklärt er. „Ich habe 15.000 Euro mit meinem Sohn abgehoben.“ 5000 Euro seien für einen Urlaub eingeplant gewesen, 10.000 für neue Möbel. „Unser Schlafzimmer ist schon über 50 Jahre alt, wissen Sie?“, sagt Friedhelm Wefringhaus. Auch andere Möbel im Haus des Ehepaars sollten ersetzt werden.

Doch es kam weder zum Möbelkauf, noch zu dem Urlaub. Friedhelm und Gerda Wefringhaus mussten unerwartet für mehrere Monate ins Krankenhaus. Beiden ging es sehr schlecht, lange waren sie nicht ansprechbar.

Geld angeblich weggeworfen

In der Zeit musste Sohn Uwe schnell Entscheidungen treffen. Seine Eltern nach sollten nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus nicht mehr nach Hause zurück. „Ich habe mich um Heimplätze gekümmert und die Wohnung von einem Unternehmen ausräumen lassen“, erzählt er.

15.000 Euro auf der Müllkippe? Rentnerpaar vorm Bankrott - Sozialamt will nicht zahlen

Friedhelm und Gerda Wefringhaus wohnen seit zwei Jahren im Seniorenheim Mengede. © Dieter Menne

Was Uwe Wefringhaus nicht gewusst habe, bevor das Unternehmen alle Möbel und sonstige Gegenstände aus der Wohnung mitnahm: Seine Mutter hatte die 15.000 Euro versteckt. Wo, habe niemand gewusst, sagt Friedhelm Wefringhaus.

„Ich habe nicht überall genau nachgesehen. Ich stand unter Zeitdruck, musste mich um meine Eltern kümmern. Ich habe nur die wichtigsten Dinge und Erinnerungsstücke mitgenommen“, sagt Uwe Wefringhaus. Schließlich sei in einem Seniorenheim-Zimmer nicht viel Platz. „Wahrscheinlich ist all das Geld mit unseren Möbeln auf der Müllkippe gelandet“, vermutet Friedhelm Wefringhaus. Er schluckt.

Die Wefringhauses brauchen Geld

Die übrigen 1000 Euro habe das Ehepaar für seine Zeit im Krankenhaus gebraucht. „Das war unser Taschengeld, wir waren ja nicht nur zwei Wochen im Krankenhaus“, sagt Friedhelm Wefringhaus. Außerdem habe er seinem Sohn Spritgeld gegeben. „Er hat uns jeden Tag besucht.“

Und sobald er konnte, habe er die Verantwortung wieder selbst übernommen, so Friedhelm Wefringhaus. „Mein Sohn hat auch eigene Sorgen – und er kann nicht alles alleine machen.“

Friedhelm Wefringhaus blickt auf seine Hände. „Unser zweiter Sohn ist leider schon verstorben.“ Seine Frau beginnt zu weinen. Er legt seine Hand auf ihre. Friedhelm Wefringhaus strafft sich. Er habe für sich und seine Frau alles regeln wollen. „Aber ich weiß nicht mehr weiter.“

Das sagt das Sozialamt

Das Ehepaar könne gegen die bisherige Entscheidung des Sozialamtes klagen, so Stadt-Pressesprecher Frank Bußmann. Dann gebe es eine gerichtliche Überprüfung der Vermögensverhältnisse. Vor allem, um den Verbleib des fehlenden Geldes hinreichend zu klären.

„Es hat sich jemand vom Sozialamt bei mir gemeldet und uns sogar geraten, zu klagen“, sagt Friedhelm Wefringhaus eine Woche nach der Anfrage dieser Redaktion an die Stadt Dortmund. Nun müsse er ausführlich darlegen, was mit dem verbliebenen Geld passiert ist. „Das Sozialamt hat gesagt, dass es vielleicht möglich ist, zumindest einen Teil des Taschengeldes schnell zu bekommen“, sagt der 86-Jährige. Er wirkt wieder zuversichtlich. „Ich warte jetzt auf Nachricht.“

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