20.000 laute Hammerschläge braucht es, bis wohlklingende Töne entstehen

hzDortmunder Musikinstrumente

Vielleicht haben Sie die Instrumente schon mal gesehen: Sie sehen aus wie umgedrehte Wokpfannen, klingen aber deutlich besser. Die Firma Caisapan aus Dortmund stellt sie seit 2016 her.

Huckarde

, 20.06.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf den ersten Blick würde man nicht vermuten, was in der Aspeystraße in Huckarde entsteht. André Krause (29) und Michael Pabst (49) stellen dort seit mehr als drei Jahren unter dem Namen Caisapan sogenannte „Handpans“ her. Das sind Blechklanginstrumente, ähnlich einer Steeldrum – aber irgendwie trotzdem anders.

Wie Steeldrums, nur anders

„Handpans sind im Prinzip wie Steeldrums. Nur umgedreht und anders gestimmt“, so beschreiben Krause und Pabst ihr Instrument. Es besteht aus zwei miteinander verbundenen Halbkugeln. Auf einer Seite werden Membrane eingearbeitet, die Töne erzeugen. Gespielt wird das Instrument mit der Hand, während es auf dem Schoß liegt. Auf Youtube gibt es Videos, die zeigen, das Ganze klingen kann.

20.000 laute Hammerschläge braucht es, bis wohlklingende Töne entstehen

Sieht aus wie eine umgebaute Wokpfanne, aber eine Handpan von Caisapan klingt deutlich besser, wenn man auf ihr spielt. © Caisapan

Anders als die meisten Instrumente gibt es Handpans noch nicht lange. Irgendwann in den frühen 2000er-Jahren wurden die ersten Handpans in der Schweiz hergestellt.

Über Steeldrums ging es zu Handpans

Die Geschichte, wie sich die beiden Instrumentenbauer kennengelernt haben, ist gespickt mit Zufällen: Pabst fing im Jahr 2003 an, in einer Dortmunder Firma Steeldrums herzustellen. Nach vier Jahren ging er zu dem lokalen Handpan-Bauer Bill Brown. Später kehrte er dann zu seinem alten Arbeitgeber zurück.

Zeitgleich fing Krause bei Brown an – eigentlich wollte er Klavierbauer werden. Danach wechselte er zu dem Betrieb, wo Pabst wieder arbeitete. Nach einem Jahr als Arbeitskollegen bekamen die beiden von Brown das Angebot, den Handpan-Betrieb zu übernehmen. Das war der Startschuss im Frühjahr 2016 für das Unternehmen Caisapan, wie es bis heute existiert.

Es dauert zwei Wochen, bis ein Instrument fertig ist

Die Handpans von Krause und Pabst bestehen zum Großteil aus Handarbeit. Lediglich die Rohlinge bekommen sie vorgeformt angeliefert, jedoch erinnern diese eher an Salatschüsseln oder Wokpfannen. Zwei Wochen dauert es, bis aus so einem Rohling ein wohlklingendes Instrument wird.

20.000 laute Hammerschläge braucht es, bis wohlklingende Töne entstehen

Alles mit dem Hammer: Während Pabst (l.) die Membrane in ein Handpan einarbeitet, stimmt Krause ein anderes Instrument. © Robin Albers

Es beginnt damit, dass der Rohling in Form gehämmert wird. Dabei werden die Membrane angelegt, die später die Töne erzeugen. Danach wird die Handpan gestimmt – was auch wieder mehrere Hammerschläge benötigt. Dann wird das Instrument geschliffen, wärmebehandelt und poliert, bevor es abschließend noch einmal gestimmt werden muss.

Krause und Pabst schlagen pro Instrument bis zu 20.000 mal mit dem Hammer zu, bis es fertig ist. Sitzt ein Hammerschlag nicht richtig, kann es sein, dass das ganze Instrument hinüber ist und sie mit einem neuen Rohling wieder neu anfangen müssen. Ein misslungenes Instrument haben die beiden aber prompt als Schild für ihre Werkstatt umfunktioniert.

Handarbeit macht den Unterschied aus

Auf die Handarbeit legen die beiden großen Wert. Andere Handpan-Hersteller würden nämlich häufig Rohlinge benutzen, bei denen bis auf die Stimmung und die Optik schon alles von Werk aus gemacht wurde. Ihe Handpans hingegen werden noch mit „Blut und Schweiß“ hergestellt, scherzen die beiden Instrumentenbauer. „Den Unterschied hört und sieht man am Ende aber auch.“

Ihre Handpans verkaufen sie über ihre Webseite. Viele ihrer Kunden werden so auch auf sie aufmerksam. Mundpropaganda ist für die beiden aber auch wichtig, da viele nicht wissen würden, wonach sie überhaupt suchen müssen. Der Begriff Handpan ist vielen nicht bekannt, obwohl sie interessiert an dem Instrument sind.

Der Fokus auf Handarbeit scheint zu funktionieren – die beiden können von dem Bau ihrer Instrumente gut leben.

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