270 Kinder brauchen ganz dringend Hilfe

22.11.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Jedes Los ein Gewinn, jedes Los ein Gewinn...", Silvia Tinner zieht mit ihrem Eimerchen durchs Haus und wartet auf Käufer. Die Sozialarbeiterin begrüßt Freunde, Spendenwillige, Eltern und Kinder, Mitglieder und Interessierte beim Adventsbasar im Kinderschutz-Zentrum.

Schon von weitem leuchtet es an der Gutenbergstraße 24 weihnachtlich hinter den Fensterscheiben. Jedes einzelne Lämpchen signalisiert den Besuchern: Hier, in der Ärztlichen Beratungsstelle gegen Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern, geht die Arbeit weiter. Auch wenn der Vorstand der Geschäftsführerin Gabriele Voigt-Weise gekündigt hat.

Klar, es gibt Fragen. Viele sogar. Von Besuchern, Mitgliedern, Betroffenen. Fragen zu den Vorwürfen an Voigt-Weise, deren Lebenswerk dieses Kinderschutz-Zentrum ist. Antworten gibt es hierauf von den Mitarbeitern nicht. Dabei kommen sie gerne ins Gespräch mit ihren Besuchern. Hier und jetzt, mitten im wilden Kunterbunt zwischen Spielzeug, Anziehsachen, Dekoartikeln und sogar einem funkelnagelneuen Fahrrad für 30 . Sprechen will das Team aber über seine Arbeit, denn die wird nicht weniger, deren Finanzierung aber immer schwieriger.

Insgesamt 14 Mitarbeiter (einschließlich aller Honorarkräfte) betreuen seit Jahren gleichbleibend hohe Fallzahlen. Kollege Bastian Pütter überschlägt auch für dieses Jahr wieder gut 270 Kinder und Jugendliche, die in der Ärztlichen Beratungsstelle Hilfe erfahren. Pütter: "Und Leute, die Hilfe brauchen, interessierten sich nicht für Vorwürfe, die der Geschäftsführerin gemacht werden." Ihn sorgt, dass der Anteil der unter Sechsjährigen wächst. "Vielleicht liegt das aber nur an der höheren Sensibilisierung von Erzieherinnen." Bei Lehrern sei die schon länger festzustellen.

Mit ganz jungen Kindern, die nach verständnisvoller Fürsorge schreien - im Wortsinn -, hat Christine Kandler zu tun. Die Dipl.-Sozialpädagogin kümmert sich vor allem um die Schreikinder: "Oft liegen Kommunikationsprobleme zwischen Eltern und Baby zugrunde." bö

Lesen Sie jetzt