400.000 Kilometer gelöscht, Öl in Kühlwasser gekippt: Tacho-Betrüger verurteilt

hzLandgericht Bochum

Manipulierte Tachostände, simulierte Motorschäden: Mit fiesen Tricks prellte eine Betrügergruppe auch zig Gebrauchtwagen-Fans in Dortmund um Bares. Vor Gericht gab es jetzt die Quittung.

Bochum/Dortmund

, 16.12.2019, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer Betrugsserie in Zusammenhang mit dem An- und Verkauf hochpreisiger Gebrauchtwagen sind drei 21, 22 und 28 Jahre alte „Tacho-Betrüger“ am Montag am Bochumer Landgericht zu Haftstrafen von dreieinhalb, drei beziehungsweise eineinhalb Jahren verurteilt worden. Die geringste Strafe wurde am Ende „mit vielen Bauchschmerzen“ zur Bewährung ausgesetzt.

Raffinierte Tricks, verunsicherte Kunden, satte Gewinne: Alle drei Angeklagten hatten nach anfänglichem Schweigen doch noch weitreichende Geständnisse abgelegt. Außerdem hatten Verwandte des zu einem Großfamilienverbund gehörenden Trios im laufenden Prozess zur Wiedergutmachung des Schadens insgesamt 125.000 Euro in bar eingezahlt. Weitere 32.000 Euro Bargeld waren bereits bei den Festnahmen der drei Männer im Mai beziehungsweise Juni 2019 beschlagnahmt worden.

Tatorte lagen überwiegend in Dortmund und Herne

Zeitgleich mit den Urteilen kamen die drei verurteilten Betrüger und Fälscher nach jeweils rund sechs Monaten Untersuchungshaft vorläufig wieder frei. Zwei von ihnen müssen sich laut Urteil bis zum Strafantritt künftig einmal wöchentlich bei einer Polizeidienststelle melden.

Im Prozess vor der 2. Wirtschaftsstrafkammer ging es um mehr als 40 An- und Verkäufe von hochwertigen Pkw der Marken Audi, BMW, VW und Mercedes. Die Tatorte lagen überwiegend in Dortmund und Herne. Aber auch Gebrauchtwagenkunden aus Oer-Erkenschwick, Marl, Gelsenkirchen, Bottrop und Gladbeck waren betroffen.

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Als Verkaufsplattform diente hauptsächlich das Internetportal „mobile.de“. Bei den verabredeten Gesprächen sollen die Angeklagten nicht selten auch mit Alias-Namen aufgetreten sein.

Öl ins Kühlwasser gekippt

Um den Preis für die Pkw schon beim Ankauf drücken zu können, soll die Gruppe zwischen 2016 und 2019 bei Verkaufstreffen regelmäßig Hektik erzeugt und in einem unbeobachteten Moment Öl ins Kühlwasser gekippt haben, um einen Motorschaden zu simulieren. Arglose Verkäufer wurden dadurch laut Urteil „in unglaubliche Stresssituationen versetzt“, weil letztlich völlig zu Unrecht in eine Entschuldigungsrolle hineingedrängt.

Beim Weiterverkauf der Pkw wurden dann in Serie die Kilometerstände um bis zu 400.000 Kilometer nach unten „gedreht“, um die Pkw danach deutlich über Wert auf den Markt bringen zu können. Außerdem erhielten alle Käufer komplett gefälschte Servicehefte.

Richter Markus van den Hövel sprach in der Urteilsbegründung von „extrem perfiden und raffinierten Taten“ mit weit überdurchschnittlicher krimineller Energie: „So etwas ist systematische organisierte Kriminalität.“

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