Ekaterina Guemuesh von Katjuschas Foodwerk wirbt in einem emotionalen Facebook-Post darum, dass auch andere Gastronomen laut werden. © Ruhr Nachrichten
Lockdown

77.000 Euro Schulden – Gastronomin: „Ich schlafe nicht mehr richtig“

„Es reicht“, sagt eine Dortmunder Gastronomin zum Lockdown - und ruft ihre Kollegen in einem emotionalen Facebook-Post dazu auf, endlich für die Branche einzustehen. Wir haben mit ihr gesprochen.

Seit November hat auf den Stühlen der deutschen Restaurants und Bars kein Gast mehr gesessen. Eine baldige Wiedereröffnung scheint nicht in Sicht. „Es reicht“, sagt jetzt eine Dortmunder Jung-Gastronomin, „es muss endlich eine Perspektive für uns geben.“

„Ich bin mir dessen bewusst, dass es Branchen gibt, die noch viel schlimmer dran sind, aber ich bin mit Leib und Seele Gastronomin und jetzt steht meine Existenz auf dem Spiel!“, schreibt Ekaterina Guemuesh auf der Facebook-Seite ihres Lokals. Sie ist die Inhaberin von Katjushas Foodwerk in Hörde. Dort versorgt sie ihre Gäste normalerweise mit russisch-deutscher Crossover-Küche.

„Da hängen Existenzen dran“

Zwar setzt auch Guemuesh derzeit auf Essen außer Haus, das reiche aber nicht, um die Kosten zu decken. Der Anlass für ihren emotionalen Post: ein Artikel über eine mögliche Öffnung der Außengastronomie nach Ostern. „Das ist doch utopisch“, sagt Guemuesh. Finanziell würde ein solches Konzept für sie nur minimale Unterschiede bringen. „Im Laden habe ich 50 Plätze“, erklärt sie, „draußen nur die Hälfte.“

„Wir brauchen endlich einen konkreten Fahrplan, echte Hilfen und echte Perspektiven“, sagt die 37-Jährige, „da hängen Existenzen dran.“ Sie würde sich sogar eine Lüftungsanlage kaufen, wenn sie ihren Laden dann morgen wieder aufmachen dürfte.

Dortmunderin sitzt auf Schuldenberg

70.000 Euro hätten sich bei ihr mittlerweile an Schulden angehäuft. „Ich habe noch 11.000 Euro auf dem Konto, das ist in zwei Monaten auch weg“, sagt die Gastronomin. Ein Grund: die Hilfen, die sie von der Regierung bekomme, deckten nicht einmal ihre Fixkosten.

Katjushas Foodwerk gibt es noch nicht lange. Guemuesh hat das Lokal an einem alten Standort neu gegründet – am 1. Oktober 2019. Wäre es der 31. Oktober gewesen, wären die Hilfen auf Basis des Umsatzes von 2020 berechnet worden. So sind es die Umsätze von 2019.

„Im Sommer lief der Laden wirklich sehr gut“, erzählt Guemuesh. Da habe sie die Schulden aus dem ersten Lockdown aufarbeiten können. Allerdings sei der Lockdown auch nur zwei und nicht fünf Monate lang gewesen. „Es reicht“, sagt die Gastronomin, „das überleben viele von uns nicht.“

„Wo ist die soziale Verantwortung der Bundesregierung?“, fragt sich die Jung-Unternehmerin. Sie habe die schließlich auch ihren Mitarbeitern gegenüber. Deren Gehalt stocke sie aus eigener Tasche auf, weil das Kurzarbeitergeld für viele nicht ausreiche.

Aufgeben kommt für Guemuesh nicht in Frage: „Dafür ist das finanzielle Loch mittlerweile zu groß.“ Andere Gastronomen fordert sie auf: „Bitte hört endlich auf, leise zu sein!“

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