Dieses Haus in Brünninghausen hat keine Zukunft mehr – aber eine ruhmreiche Vergangenheit

hzHistorische Gastronomie

Ein großes Gebäude an der Ardeystraße in Brünninghausen wird abgerissen. Früher befand sich darin ein bekanntes Hotel-Restaurant. Wir erzählen seine Geschichte.

von Marc Dominic Wernicke

Brünninghausen

, 21.11.2019, 16:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Jahre lang war das leerstehende Gebäude an der Ardeystraße 137 schwer einzusehen. Nur ein vorgelagerter Flachbau mit vielen Fenstern und ein Haus mit geknicktem Dach waren hinter den dichten Büschen zu erkennen.

Inzwischen ist das Dickicht verschwunden, der Abriss steht kurz bevor. Doch was hatte es einst mit dem markanten Gebäude auf sich? Ein Anwohner, der selbst seit seiner frühesten Kindheit an der Ardeystraße wohnt, kann diese Frage beantworten.

Dieses Haus in Brünninghausen hat keine Zukunft mehr – aber eine ruhmreiche Vergangenheit

Heinz-Hartmut Hallerberg erforscht die Geschichte Brünninghausens. Sein Vater kannte den Wirt Paul Benkhoff, der den Uhlenhorst über vier Jahrzehnte betrieb. © Marc D. Wernicke

„Dieses Haus entstand etwa zur selben Zeit wie die Straße Am Uhlenhorst, die Kühn- und Gersdorffstraße, also Mitte der 1920er-Jahre“, sagt der Heimatforscher Heinz-Hartmut Hallerberg. Zuvor habe sich in diesem Teil Brünninghausens die Ringofenziegelei des Freiherrn von Romberg befunden.

Das Haus diente als Hotel-Restaurant und wurde, ähnlich wie eine der neuen Straßen, als „Uhlenhorst“ bezeichnet. „Ich vermute, dass sich das auf einen Eulenhorst im nahegelegenen Wald bezogen hat“, sagt Hallerberg.

In den folgenden Jahrzehnten sei der Betrieb unter dem Beinamen „Haus der eleganten Welt“ über die Grenzen Dortmunds hinaus bekannt gewesen.

Eine berühmte Familie

Paul Benkhoff hieß der Wirt, der den Uhlenhorst am längsten betrieb – von Anfang der 1930er- bis in die 60er-Jahre. Neben einem Tanztee fanden hier auch Familienfeiern, Tagungen und Seminare statt. Darüber hinaus sei das Haus auch als Wahllokal genutzt worden.

„Mein Vater war mit Paul Benkhoff befreundet und hat mir einiges Wissen mündlich hinterlassen“, sagt Hallerberg. Deshalb wisse er auch, dass Verwandte Benkhoffs zu jener Zeit das „Amüsier-Etablissement Walhalla“ an der Rheinischen Straße betrieben haben.

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Paul Benkhoffs Schwester war die Schauspielerin Fita Benkhoff, die in insgesamt 113 Filmen unter anderem an der Seite von Heinz Rühmann und Hans Albers auftrat. Laut Hallerberg habe sie zu verschiedenen Anlässen auch im Uhlenhorst verweilt.

Der Nachfolger hielt sich nicht lange

In den 1960er-Jahren ging Paul Benkhoff in den Ruhestand. Am 5. Januar 1974 starb er und wurde auf dem Südwestfriedhof beigesetzt.

Dieses Haus in Brünninghausen hat keine Zukunft mehr – aber eine ruhmreiche Vergangenheit

Diese Ansichtskarte aus den 1970er-Jahren zeigt, wie schön es im Uhlenhorst einst aussah. © Heinz-Hartmut Hallerberg

Der letzte Gastwirt des Uhlenhorst, Hans Försterling, habe den Betrieb Mitte der 1970er-Jahre geschlossen. Seitdem wurde der Gebäudekomplex nur noch sporadisch für wechselnde Büroräume genutzt.

Nun steht das Ende des historischen Hauses kurz bevor. Schon in den letzten Oktobertagen wurden mehrere Bäume im Umfeld des früheren Uhlenhorsts gefällt. Noch im November soll das Gebäude abgerissen werden.

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Danach werden hier zwei 2,5-geschossige Neubauten mit je 14 Wohnungen zwischen 60 und 105 Quadratmetern entstehen. Der Beginn der Bauarbeiten ist für Januar 2020 geplant. Bis Mitte 2021 sollen die insgesamt 28 neuen Wohnungen bezugsfertig sein.

Mithilfe gesucht

Heinz-Hartmut Hallerberg erforscht derzeit die Geschichte der früheren Gaststätten in Brünninghausen. Wer hierzu Informationen oder Bilder teilen möchte, kann den Heimatforscher unter 0231/715885 erreichen.
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