Ach du dicker Hund - eine Expertin aus Dortmund gibt Tipps bei Übergewicht

hzÜbergewichtige Tiere

Wenn Hund nicht mehr den Gang zum Baum schafft und Katz nicht mehr auf den Stuhl hopsen kann, hat Mensch ein Problem. Ein zumeist selbst gemachtes: Übergewichtige Haustiere gibt es häufig.

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, 17.11.2019, 16:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer wieder ist es das gleiche Hundebesitzer-Paar, das der Kollegin aus der Redaktion auffällt: Die beiden gehen regelmäßig mit ihren Hunden im Stollenpark Gassi. Wobei „Gassigehen“ relativ ist. Denn drei Dinge sind anders als bei anderen:

1. Die Hunde bewegen sich eher seitwärts als vorwärts.

2. Der Kleine, ein Dackel, ist so dick, dass er in einem Wägelchen geschoben wird.

3. Der Große, ein brauner Labrador, schafft die Treppen im Hausflur nicht mehr. Die Besitzer schlagen ihn am Treppenabsatz in eine Decke ein und tragen ihn hinauf oder hinunter.

Katzen können nicht mehr auf den Stuhl springen

„Zwischen 40 und 50 Prozent aller Hunde und Katzen in Deutschland sind zu dick. Manche sind sogar fettleibig“, sagt Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. mit Sitz in Frankfurt. Als Tierärztin hat sie Katzen gesehen, „die können nicht mal mehr auf einen Stuhl springen.“

Übergewicht fange bereits im Welpenalter an. „Da werden die Fettzellen angelegt“, erklärt die 65-Jährige. Manche Rassen neigten häufiger zu „Fresslust“ als andere. „Einige sind da wie die Staubsauger“, sagt Astrid Behr. So wie vermutlich der braune Labrador aus dem Stollenpark. Ob ihm einfach nur die Puste ausgeht nach der zweiten Stufe, oder ob der Hund kaputte Gelenke hat: Beide Probleme haben häufig mit Übergewicht zu tun.

Selbst bei ihrem eigenen Hund muss Astrid Behr aufpassen. „Wenn er könnte, würde der alles inhalieren“, sagt die Tierärztin und lacht. Dann wird sie wieder ernst: „Die Verantwortung liegt hier ganz klar beim Menschen!“

„Das Problem ist der Mensch.“

Das bestätigt auch Katrin Neumann. Die 32-jährige Dortmunderin ist Rettungsassistentin, Heilpraktikerin und Hundeernährungsberaterin. „Das Problem ist meistens der Mensch“, sagt Neumann. Viele Leckerlis entspringen aus schlechtem Gewissen, weil man zu wenig Zeit für sein Tier hat. Hinzu kommt: „Früher waren Tiere den ganzen Tag draußen, heute bekommen sie zu wenig Bewegung“, erklärt die Expertin.

Der Hund ist als Beutegreifer von Natur aus darauf angelegt, alles sofort zu verschlingen. „Doch in der Natur würde der Hund bzw. Wolf dann auch mal drei Tage hintereinander gar nichts fressen“, erklärt Katrin Neumann.

Gerade Trockenfutter, das erst im Magen aufquillt, sollte man nur in kleinen Mengen anbieten. „Das ist hoch verarbeitet, ohne natürliche Nährstoffe. Wie Astronautennahrung“, sagt Katrin Neumann. Die Körnchen sollte man möglichst nur zur Belohnung füttern. „Noch besser ist es, wenn man den Hund an Äpfel oder Möhren als Leckerli gewöhnt. Das funktioniert“, versichert sie.

Die Hundeernährungsberaterin empfiehlt die „Frischfütterung“ mit selbst zubereiteten Produkten. „Da darf dann auch mal eine Kartoffel drin sein, oder Reis.“ Wichtig sei, dass das Tier genug Kalzium und Mineralstoffe bekomme.

Giftig für Hunde sind übrigens Schokolade und Weintrauben sowie rohe Tomaten, Paprika, Auberginen und Avocados.

Katzen mit „dicken Backen“

Vorsicht ist beim Abnehmen geboten: Wenn Hund oder Katze zu viel Speck auf die Waage bringen, ist es nicht mit „Light“-Produkten aus dem Handel getan. „Solche Produkte haben weniger Nährstoffe. Die Tiere können dann schnell unterversorgt sein“, warnt Katrin Neumann. Bei Zweifeln solle man den Tierarzt um Rat fragen.

Bewegung ist das A und O. „Freilaufende Katzen“, sagt Tierärztin Astrid Behr, „haben natürlich einen Vorteil. Aber auch Wohnungskatzen kann man mit bestimmten Spielen und Klettermöglichkeiten fit halten.“ Woran man erkennt, dass das Tier zu dick ist? „Katzen bekommen richtig dicke Backen“, sagt die Tierärztin. „Und bei Hundebesitzern sollten die Alarmglocken schrillen, sobald man die Rippen nicht mehr ertasten kann.“

Bei den Hundebesitzern im Stollenpark wäre es womöglich ein erster Schritt auf dem richtigen Weg, dem Vierbeiner das Wägelchen unter dem Hintern wegzunehmen.

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