Adrenalin im Blut

Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, sagt der Volksmund. Dort nehmen an diesem ersten Renntag der Saison vor allem männliche Fliegengewichte zwischen 49,5 und 67,5 Kilo Platz.

11.01.2008, 21:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Adrenalin im Blut

<p>Trainer Norbert Sauer mit der zweijährigen Stute Subilita - sein Geheimtipp für zukünftige Rennen.</p>

Zügig dirigieren die Jockeys ihre Pferde auf der Galopprennbahn in Wambel in die Startboxen. Die Anspannung bei Reiter, Pferd und Zuschauer steigt: Sobald sich die grünen Eisentüren öffnen, donnern neun Vollblüter im gestreckten Galopp mit 50 km/h über die Rennbahn. Ihre Hufe wirbeln Sand auf und schleudern ihn den Verfolgern ins Gesicht, die vornübergebeugt mit erhobenen Hintern auf den Pferderücken stehen.

Hinter den Glasscheiben der Tribünen und am Rande des Feldes bangen die Zuschauer um ihren Wetteinsatz. Mit jedem Meter werden ihre Anfeuerungsrufe lauter, die Wettscheine in der geballten Faust umklammert. Männer und Frauen jeden Alters fiebern mit, während die Jockeys ihre Pferde im Kampf um den Sieg zu Höchstleistungen anspornen. Nach 2500 Metern ist das erste von acht Rennen an diesem Sonntag vorbei. Wer auf das richtige Pferd gesetzt hat, jubelt. Andere starren enttäuscht auf ihren Wettschein.

20 Minuten Training

Trainer Norbert Sauer (68) nutzt inzwischen die Zeit, noch einmal nach den beiden fünfjährigen Stuten Schiarparella und Fabulous Life zu sehen, die an diesem Sonntag an den Start gehen sollen. 25 Pferde sind derzeit bei ihm im Training. "Jedes Tier wird am Tag 15 bis 20 Minuten geritten", sagt er. Zwischen 8 und 13.30 Uhr geht`s allmorgendlich zum "Abtraben" auf die Rennbahn, bevor die Vollblüter 2000 Meter galoppieren. In der Hochsaison kommen pro Woche ein bis zwei Hochgeschwindigkeits-Läufe über 1500 Meter hinzu. Außerdem verordnet Sauer Bewegung an den karussellähnlichen "freilaufenden Führmaschinen", die die Pferde bis zu zwei Stunden am Tag im Kreis herumführen.

Siegertypen erkennen

In 30 Minuten beginnt Rennen Nr. 2. Wieder drängen sich wettinteressierte Zuschauer um die Absperrung am Führring, in dem Pferdepfleger die Vierbeiner des kommenden Rennens herumführen. Mit skeptischem Blick prüfen die umstehenden Zuschauer unter dem Schnauben der Tiere, ob "ihr" Favorit auch optisch einem Siegertypen entspricht. "Gut durchtrainiert", murmeln die einen. "Zu unruhig" urteilen andere über das nervöse Getänzel einer Fuchsstute und kritzeln die Bemerkung zu ihrem persönlichen Ranking. "Wirkt müde", heißt es über ein Pferd mit hängendem Kopf.

Während die Zuschauer Wettscheine ausfüllen oder in Fachzeitschriften blättern, um sich über die letzten Rennergebnisse der Pferde zu informieren, waschen sich die Jockeys in der Umkleidekabine den Sand von Händen und Gesicht und schlüpfen hektisch in den aktuellen Renndress. Schwarze Stiefel, weiße Hosen, dazu grell bunte Oberteile, etwa aus lila Stoff mit gelben Punkten: Die Kleidung der Jockeys ist zwar alles andere als modisch, erlaubt dafür aber praktischerweise den Zuschauern, "ihren" Favoriten auch aus großer Distanz zu identifizieren.

Frisch angezogen und mit dem Rennsattel über dem Arm nehmen die Reiter auf der Waage Platz. Mit strengem Blick dokumentiert Abwieger Arnaldo Zweifel das Gewicht der mageren, durchtrainierten Männer. Wie viel ein Jockey wiegen darf, richtet sich nach der Leistung des Pferdes, das er reitet.

Fliegengewichte beliebt

Je besser dessen Platzierungen in den absolvierten Rennen, desto schwerer muss es tragen - notfalls auch zusätzliche Bleitaschen, die am Sattel befestigt werden. "Je leichter ein Jockey, desto besser seine Auftragslage", resümiert Zweifel. Entsprechend dünn sehen die Reiter auch aus, wie sie zu den Pferden im Führring schlendern, sich in den Sattel schwingen und zu einem weiteren Rennen auf die Bahn reiten, dem nächsten Adrenalinkick entgegen. Bianca Belouanas

Nächstes Rennen (Sa, 12. 1.), 13.30 Uhr www.dortmunder-rennverein.de

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