Ärger über Flixbus: „An Verantwortungslosigkeit nicht mehr zu überbieten“

hzVerstöße gegen Corona-Schutzmaßnahmen

Nie wieder Flixbus, sagt sich Andre Kaminski. „Ich habe mich durch das verantwortungslose Verhalten in Lebensgefahr gebracht.“ Die Corona-Verstöße an Bord will er nicht hinnehmen.

von Paula Protzen

Dortmund

, 13.09.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andre Kaminski ist sauer: Er hat eine Fahrt bei Flixbus gebucht, war überzeugt von den Sicherheitsversprechen des Veranstalters. Als sein Bus am 24. August an der Fernbus-Station in Kassel-Wilhelmshöhe ankommt, kann er seinen Augen nicht trauen: Den Busfahrer scheint es nicht im Geringsten zu interessieren, das Fahrgäste ohne Maske einsteigen - trotz Maskenpflicht.

Zweimal im Monat ist er mit Flixbus unterwegs

Er habe ja einiges erlebt, sagt Andre Kaminski, schließlich fahre er schon seit knapp zwei Jahren regelmäßig mit den grünen Bussen. „Betrunkene und pöbelnde Fahrgäste. Busfahrer, die gefühlt mehr auf ihr Handy als auf die Straße gucken, um nur zwei Beispiele zu nennen.“

Preislich liegt der Fernbus-Anbieter aber rund 10 Euro unter dem Preis, den er bei der Deutschen Bahn für die Strecke Dortmund–Kassel zahlen würde. Bei zwei Hin- und Rückfahrten im Monat gehe das sonst ins Geld.

„An Verantwortungslosigkeit nicht mehr zu überbieten“

Was er jedoch auf dieser Fahrt erlebt habe, sei „an Verantwortungslosigkeit nicht mehr zu überbieten“. Völlig unverständlich ist für ihn, wie ein Busfahrer in Zeiten der Pandemie über die geltenden gesetzlichen Bestimmungen so ignorant hinwegsehen könne.

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„Schon beim Einstieg war ich etwas überrascht, dass vom Fahrer kein Hinweis auf die Maskenpflicht gegeben wurde.“ Auch im Bus selbst habe es keine Hinweise gegeben, es kam keine Durchsage, dass die Masken aufgesetzt werden sollten - nichts.

Dortmunder fühlt sich unwohl zwischen den Maskenverweigerern

„Ich war der einzige, der die Maske richtig getragen hat - also über Mund und Nase.“ Einige Fahrgäste, das sieht man auf Fotos, tragen ihre Maske nur „auf Halbmast“, also nur über dem Mund. Andere haben sie gar nicht auf. „Mir war das richtig unangenehm“, sagt der Dortmunder.

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Er will sich nicht infizieren, hat mehrere Risikopatienten in seinem Umfeld. Deshalb treffe ihn das Desinteresse der anderen Fahrgäste so sehr. Nicht einmal, als er seine Beweisfotos schoss, hätten die sich für ihn interessiert.

Beschwerde verläuft im Nichts

Direkt nach der Fahrt schreibt Kaminski eine Mail an Flixbus, sendet die Fotos mit, auf denen man sieht, wie die anderen Fahrgäste die Maskenpflicht ignorieren. „Kurz gesagt: Ich habe mich durch das verantwortungslose Verhalten ihrerseits in Lebensgefahr gebracht“, schreibt er dem Fernbus-Anbieter.

Er fordert eine Rückerstattung seines Tickets und eine Rückmeldung auf seine Beschwerde. Gehört hat er von Flixbus bis heute nichts.

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Dabei sind die Regeln an Bord der grünen Busse eigentlich klar: „Das Tragen eines Mund und Nasenschutzes ist während der gesamten Fahrt Pflicht“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Mai, als Flixbus den Betrieb wieder aufnahm.

Weiter heißt es: „Die aktuellen Sicherheitsanweisungen erhalten Flixbus Passagiere mit der Buchungsbestätigung beim Online-Ticketkauf, sie werden zudem von den Fahrern an Bord noch einmal erklärt.“

Das Problem: Flixbus fährt die Busse nicht selbst

Beides wurde auf Kaminskis Fahrt nach Dortmund offensichtlich versäumt. Aus der Flixbus-Zentrale heißt es, die Sicherheit von Fahrgästen und Personal habe höchste Priorität.

Das Unternehmen setze umfangreiche Hygienemaßnahmen um und appelliere an die Fahrgäste, die Maskenpflicht einzuhalten. Unter Umständen könnte sogar die Polizei eingeschaltet werden.

Dass diese Regeln eingehalten werden, liegt in den Händen der Busfahrer. Flixbus habe den Buspartner umgehend kontaktiert und nochmals klargemacht, dass der Maskenpflicht und weiteren Vorgaben Folge zu leisten sei. Das ausführende Busunternehmen war nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Andre Kaminski jedenfalls hat nicht das Gefühl, dass Flixbus sich ausreichend um seine Gesundheit kümmere. Wenn er nach Kassel will, fährt er jetzt mit der Bahn.

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