Ärger um Bauprojekt an der Alten Benninghofer Straße: „Es ist zu eng“

hzParkplatzmangel in Hörde

Neue Wohnungen an der Alten Benninghofer Straße könnten den dortigen Parkplatzmangel verschlimmern, befürchten Anwohner. Dabei verspricht das Bauprojekt ein ganz neues Mobilitätskonzept.

Hörde

, 23.09.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein innovatives Wohnprojekt soll an der Alten Benninghofer Straße in der ehemaligen Hörder Polizeiwache entstehen - doch ein altes Problem bleibt einigen Anwohnern zufolge unterdessen bestehen: Die Straße ist zu eng. Schon jetzt seien nicht genügend Parkplätze vorhanden, finden einige Anwohner und Gewerbetreibende und befürchten, dass sich durch die Entstehung neuer Wohnungen dieses Problem noch verstärken könnte.

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Parkplätze für neue Wohnungen eventuell nicht ausreichend

23 neue Wohneinheiten sollen durch den geplanten Umbau der alten Hörder Polizeiwache im Rahmen des sogenannten „W.I.R.-Projektes“, das für ein genossenschaftliches Mehrgenerationen-Wohnen steht, entstehen. Dafür sollen insgesamt 20 Parkplätze im Innenhof des Komplexes zur Verfügung gestellt werden sowie mehr als 50 Abstellplätze für Fahrräder.

Die alte Hörder Polizeiwache soll zu einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt umgebaut werden.

Die alte Hörder Polizeiwache soll zu einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt umgebaut werden. © Tabea Prünte

Doch diese Kapazitäten würden nicht ausreichen, schließlich haben die meisten Haushalte heutzutage mehr als nur ein Auto, sorgt sich Uwe Möllmeier, Anwohner der Alten Benninghofer Straße. Seiner Meinung nach müssen also mehr Parkplätze her - nur sei die Straße dafür zu eng.

Anwohner erhoffen sich Unterstützung von der Stadt

„Deshalb haben wir uns in einer Gruppe zusammengetan, um uns dagegen zu wehren“, so Möllmeier. Gemeinsam mit einigen Anwohnern und Gewerbetreibenden haben sie sich bereits an die Stadt gewandt, jedoch stehe eine konkrete Reaktion laut Möllmeier noch aus.

Er selbst habe bereits einige Lösungsvorschläge im Kopf. So könne Möllmeier sich vorstellen, dass die betroffene Straße zu einer Einbahnstraße wird, denn so würde zusätzlicher Platz entstehen. „Unsere Wunschlösung wäre, dass es dann für alle Anwohner genügend Parkplätze gibt.“

Einige Anwohner wünschen sich, dass aus der Straße eine Einbahnstraße wird. So würde ihrer Meinung nach auch mehr Platz für Parkplätze entstehen.

Einige Anwohner wünschen sich, dass aus der Straße eine Einbahnstraße wird. So würde ihrer Meinung nach auch mehr Platz für Parkplätze entstehen. © Tabea Prünte

Stadt sieht betroffene Straße nicht als Problemzone

„Die Einrichtung von Einbahnstraßen zur Erhöhung von Stellplätzen wird von Mobilitätsexperten bundesweit als eine veraltete Strategie aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angesehen“, äußert sich der zuständige Sprecher der Stadt, Christian Schön, auf Anfrage zu diesem Anliegen.

So würde die Einrichtung einer Einbahnstraße diverse Nachteile mit sich bringen, wie zum Beispiel Orientierungsschwierigkeiten, mehr Umwege, höhere Geschwindigkeiten wegen fehlenden Gegenverkehrs und damit höhere Unfallgefahren, auch für Fahrradfahrer oder spielende Kinder.

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Abgesehen davon, dass es ohnehin nicht Aufgabe der öffentlichen Hand sei, Stellplätze für privaten Nutzen zur Verfügung zu stellen, sieht die Verwaltung an der betroffenen Stelle auch gar keine Problemlage, die es zu lösen gelte.

Parkplatzmangel fördere Gewerbesterben

Dirk Koch, ebenfalls langjähriger Anwohner sowie Gewerbetreibender an der Alten Benninghofer Straße, plädiert daher dafür, dass die Bauherren des Umbauprojekts der alten Polizeiwache mehr Parkplätze im Innenhof schaffen müssen. „Wenn das Projekt fertig ist, wird die Straße sonst noch mehr von Autos überschwemmt werden“, befürchtet er.

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Koch verbindet mit der möglicherweise bestehenden Problematik weit mehr als nur die eigene Parkplatzsuche. „Ich habe gesehen, was hier in den letzten 20 Jahren an Geschäften weggestorben ist“, so Koch. Denn ohne Parkplätze kämen seiner Ansicht nach auch keine Kunden zu den Geschäften. „Und wenn sich nichts ändert, wird es in den nächsten zehn Jahren zu noch mehr Gewerbesterben kommen.“

Anwohner wollen nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden

Generell steht er dem Bauprojekt an der alten Polizeiwache dennoch nicht ablehnend gegenüber: „Ich finde, das ist ein super Projekt. Aber ich glaube, dass es für die Straße einfach zu groß geplant ist.“ Nun müsse also durch konstruktive Gespräche eine Lösung gefunden werden. „Wir wollen hier nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, so Koch.

Vermehrt komme es dazu, dass Autos in zweiter Reihe parken, beschweren sich einige Anwohner der Alten Benninghofer Straße.

Vermehrt komme es dazu, dass Autos in zweiter Reihe parken, beschweren sich einige Anwohner der Alten Benninghofer Straße. © Tabea Prünte

Wohnprojekt steht für alternative Mobilitätskonzepte

Auch Projektmoderatorin des Wohnprojektes an der Alten Benninghofer Straße Birgit Pohlmann ist an einem konstruktiven Austausch interessiert. Sie könne die Sorgen der Anwohner nachvollziehen, verweist jedoch darauf, dass das gemeinschaftliche Wohnkonzept für ein gänzlich anderes Mobilitätskonzept stehe: „Ich glaube, dass sich da gerade einiges verändert. In jedem unserer bisherigen Projekte gibt es weniger Autos als Haushalte“, so Pohlmann.

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Die meisten der zukünftigen Bewohner der alten Polizeiwache in Hörde sind laut Pohlmann bereits bekannt und ebenfalls daran interessiert, möglichst auf das Auto zu verzichten. „Wir wissen schon jetzt, dass dort Carsharing-Konzepte geplant sind, viele junge Familien hauptsächlich mit Fahrrädern und dem ÖPNV unterwegs sein wollen und viele von ihnen besitzen gar kein Auto“, erklärt Pohlmann. „Wir können also eigentlich sehr sicher sein, dass keiner von denen Parkplätze auf der Straße wegnehmen wird.“

Projektplanung muss Vorschriften der Stadt einhalten

Gleichzeitig werde im Rahmen des Umbaus natürlich geltendes Recht eingehalten. So gibt die Stadt vor, wie viele Stellplätze für Autos pro Wohneinheit bei einem Neubau zur Verfügung gestellt werden müssen.

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„Das müssen wir selbstverständlich einhalten und das tun wir auch“, so Pohlmann. „Aber der Mobilitätsumbruch, der sich überall ankündigt, da sind wir mittendrin.“ Und dies werde sich auch im Zusammenhang mit dem Wohnprojekt an der Alten Benninghofer Straße widerspiegeln, dementsprechend sei die Sorge um eine drohende Verschlimmerung des Parkplatzmangels ihrer Meinung nach unbegründet.

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