Die Hälfte der im Tierheim abgegebenen Fundtiere wird nicht wieder abgeholt

Tierschutzzentrum Hallerey

1156 Tiere hat das Dortmunder Tierheim 2018 aufgenommen. Viele Tiere werden gefunden, aber nicht wieder abgeholt. Ein wachsendes Problem für das Tierheim sind auch illegale Welpen.

Dortmund

, 05.02.2019, 04:35 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Hälfte der im Tierheim abgegebenen Fundtiere wird nicht wieder abgeholt

Allein 374 Hunde sind 2018 im Dortmunder Tierheim abgegeben worden. © Stephan Schütze

Das Dortmunder Tierheim hat seine Bilanz für 2018 gezogen. Die meisten Tiere, die im Tierschutzzentrum Hallerey abgegeben worden sind, waren Fundtiere. Gestiegen ist die Zahl von Tieren, die zur Notpflege abgegeben werden mussten und die Zahl der Welpen, die illegal im Ausland gekauft wurden.

Insgesamt haben 2018 1156 Tiere eine vorübergehende Unterkunft im Tierschutzzentrum gefunden. Davon 374 Hunde, 396 Katzen und 386 Kleintiere. 2017 waren es noch 1035 aufgenommene Haustiere. Gestiegen ist aber nicht nur die Zahl der aufgenommenen Tiere, sondern auch die der vermittelten Tiere.

Schwer zu vermittelnde Kangal-Hunde haben neues Zuhause

779 Haustiere haben 2018 einen neuen Besitzer gefunden, 2017 waren es nur 676. 119 Hunde, 328 Katzen und 332 Kleintiere und Vögel haben demnach ein neues Zuhause gefunden. Peter Hobrecht, Leiter des Tierschutzzentrums, freut sich vor allem, dass kurz vor Weihnachten die letzten Kangal-Hirtenhunde aus dem Tierheim vermittelt werden konnten.

Seit 2012 waren etwa zehn Tiere der türkischen Hunderasse im Tierheim untergebracht. Die Rasse sei schwer zu vermitteln, sagt Hobrecht, weil die Hunde für den Herdenschutz gezüchtet worden sind, einen eigenen Kopf haben und immer eine Aufgabe brauchen.

Insgesamt waren Ende 2018 noch 51 Hunde, 54 Katzen und 48 Kleintiere in der Hallerey untergebracht. Damit sind die Kapazitäten des Tierheims gut erschöpft, dort ist Platz für etwa 60 Hunde, 60 Katzen und 60 Kleintiere, um die sich zehn Tierpfleger kümmern.

Warum Menschen ihre Tiere abgeben

Meistens seien es ältere oder kranke Menschen, die sich kaum um sich selbst, geschweige denn um eine Tier kümmern können, die ihre tierischen Mitbewohner im Tierheim abgeben, sagt Peter Hobrecht. Auch wenn Tiere verhaltensauffällig werden oder die Besitzer plötzlich Allergien bekommen, seien das Gründe, die Tiere wieder abzugeben.

Das Tierheim teilt die abgegebenen Tiere in drei verschiedene Bereiche ein.

Nur die Hälfte der Fundtiere werden wieder abgeholt

Fundtiere: Der Großteil der Tiere, die im Tierschutzzentrum abgegeben werden, sind Fundtiere. 2018 waren es 578. Allerdings werden nur gut die Hälfte der Fundtiere von den Eigentümern auch wieder abgeholt, sagt Tierheimleiter Dirk Rojahn. Er geht davon aus, dass die nicht abgeholten Tiere vorsätzlich ausgesetzt werden. Erlaubt ist das nicht. Laut Tierschutzgesetz ist es eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro geahndet werden kann.

Die meisten Fundtiere sind Hunde und Katzen. 2018 sei aber auch die Zahl der exotischen Haustiere gewachsen, teilt das Tierheim mit. Darunter waren zum Beispiel Geckos, Bartagamen, artgeschützte Schildkröten, Korn- und Erdnattern. Im Herbst ist ein Chamäleon in Büschen gefunden worden, das aber schon nach ein paar Wochen vermittelt werden konnte. Auch eine Boa Constrictor fand im vergangenen Jahr den Weg ins Tierschutzzentrum.

190 Tiere (2017: 147) sind von den Eigentümern selbst im Tierheim abgegeben worden.

Immer mehr Fälle von Tiernotpflege

Tiernotpflege: Immer mehr Tiere werden im Tierheim für eine Notpflege abgegeben. Das ist dann der Fall, wenn die Tierhalter sich nicht mehr um die Tiere kümmern können, weil sie schwer krank sind, ihre Wohnung verloren haben oder gestorben sind. 2018 waren 179 Tiere zur Notpflege im Dortmunder Tierheim, 2017 waren es noch 131.

Viele Tierhalter würden für solche Notfälle keine Vorkehrungen treffen, sagt Dirk Rojahn. „Feuerwehr und Ordnungsbehörden sind immer öfter dazu gezwungen, die zurückbleibenden Tiere ins Tierheim zu bringen.“

Günstige Welpen aus dem Ausland sind oft krank

Illegale Welpen: Ein großes Problem für das Tierheim ist die steigende Zahl von Hunden, die durch das Veterinäramt sichergestellt werden. 2017 waren es noch 60 Hunde, 2018 schon 111.

49 dieser Tiere waren Welpen, die aus dem Ausland importiert wurden und keine Impfungen hatten oder ungültige Gesundheitszertifikate. Aus tierseuchenrechtlichen Gründen müssen diese Welpen dann in Quarantäne genommen werden. Die kann zwischen drei Wochen und sechs Monaten dauern. Die Halter müssen pro Tag 12 Euro zahlen.

Viele dieser Tiere würden zu günstigen Preisen im Internet gekauft, statt 1000 bis 1200 Euro kosteten sie dann nur 300 bis 500 Euro. Oft seien die Hunde aber unter schlimmsten Haltungsbedingungen in Ost- und Südosteuropa gezüchtet worden, sagt Peter Hobrecht. Die Tiere haben ein schwaches Immunsystem und haben oft Darmparasiten, Infektionen und ansteckende Krankheiten.

Dirk Rojahn rät deshalb, sich vorab umfassend zu informieren und die Tiere auf keinen Fall über Kleinanzeigenportale oder an Autobahnparkplätzen zu kaufen. Infos, worauf zu achten ist, gibt das Ordnungsamt unter Tel. (0231) 5023970.

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