Als Dortmunder Busfahrer im Sondereinsatz für die Einheit in Berlin

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30 Jahre Deutsche Einheit wird 2020 gefeiert. Peter Kutscher kann mit Fug und Recht behaupten, einen Beitrag dazu geleistet zu haben - als Dortmunder Busfahrer auf Berliner Straßen.

Dortmund, Oespel

, 01.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Euphorie war groß, nachdem im November 1989 die Mauer gefallen war. Berlin, die jetzt ungeteilte Stadt, quoll über. Viele Touristen wollten mit eigenen Augen sehen, wie die Mauer nach und nach verschwand, Besucher aus dem Osten strömten in die Stadt, um die neue Reisefreiheit zu nutzen.

Der Andrang war so groß, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) SOS funkten. Bei Verkehrsunternehmen in ganz Deutschland wurden Freiwillige angeworben, die für mehrere Wochen nach Berlin kommen sollten, um den Verkehr zu bewältigen.

Sondereinsatz wurde ausgelost

Auch die Dortmunder Stadtwerke halfen gern aus und schickten vier erfahrene Busfahrer auf die Reise nach Berlin - inklusive Bussen. Einer von ihnen war Peter Kutscher aus Oespel. „Das ist doch mal was Neues in deinem Leben“, dachte sich der damals 36-Jährige und bewarb sich für die ungewöhnliche Dienstreise.

Das Interesse bei den Dortmunder Busfahrern war groß. „Es gab unheimlich viele Bewerbungen“, erinnert sich Peter Kutscher. Doch er hatte Glück und wurde vom Betriebsrat der Dortmunder Stadtwerke ausgelost.

Als Dortmunder Busfahrer im Sondereinsatz für die Einheit in Berlin

Peter Kutscher, inzwischen im Ruhestand, erinnert sich gern an seinen Sondereinsatz als Busfahrer in Berlin. © Oliver Volmerich

Mitte Januar 1990 ging es also mit dem Bus auf die Reise nach Berlin. „Im Einsatz war ich hier auf der Linie 94E vom Bahnhof Zoo bis Reimerstraße, das ist hinter Spandau ganz im Westen von Berlin“, berichtet der Busfahrer. „Untergebracht waren wir in einem Hotel am Ende vom Kudamm.“

Riskante Fahrmanöver

Es war eine angenehme, aber auch spannende Zeit, blickt Peter Kutscher zurück. Spannend vor allem mit Blick auf den Berliner Straßenverkehr. Die Pkw-Fahrer in Berlin seien sehr risikofreudig, berichtet Peter Kutscher, der sich an einige rasante Überholmanöver erinnert.

Als Dortmunder Busfahrer im Sondereinsatz für die Einheit in Berlin

Reichstag statt Castrop Münsterplatz - dieses Erinnerungsfoto durfte in der Sammlung von Peter Kutscher (l.), der hier mit einem damaligen Kollegen posiert, natürlich nicht fehlen. © Privat

Und die Berliner Busfahrer passen sich daran offensichtlich an. „In den ersten Tagen hatte ich immer Verspätung“, erzählt der Oespeler. Denn an einer Station in Charlottenburg stiegen viele Fahrgäste von der U-Bahn auf den Bus um. Und Peter Kutscher öffnete immer höflich die Türen, wenn noch Nachzügler angehechtet kamen. Grundfalsch, wie ihn die Ur-Berliner Kollegen belehrten. „Wenn die Türen zu sind, muss man sofort losfahren“, lernte Peter Kutscher. Und deshalb gibt es auch für Fahrgäste, die in Berin in den Bus einsteigen eine feste Regel: „Sofort festhalten“.

Austausch mit Kollegen

Peter Kutscher fuhr im Wechsel mit einem Dortmunder Kollegen meist die Mittagsschicht - in einem Dortmunder Bus mit Nachtexpress-Werbung. Aber auch einen klassischen Berliner Doppeldecker-Bus durfte er durch den Berliner Verkehr steuern. Die freie Zeit konnte Peter Kutscher sinnvoll nutzen. Vormittags hielt er sich mit einem Bremer Kollegen in einem Fitness-Studio fit. „Es war schön, Kollegen aus anderen Städten kennenzulernen“, blickt er zurück.

Als Dortmunder Busfahrer im Sondereinsatz für die Einheit in Berlin

Auch mit einem Berliner Doppeldecker-Bus ging Peter Kutscher auf Tour. © Privat

Aber es blieb auch Zeit, Berlin im Wandel zu erkunden, „Und ich habe miterlebt, wie die Mauer abgetragen wurde“, berichtet Kutscher.

Die Berichte über die Entwicklung der Deutschen Einheit, die dann am 3. Oktober 1990 mit der Wiedervereinigung vollendet wurde, wird der Oespeler deshalb mit Interesse verfolgen. Denn der Busfahrer, der seit fünf Jahren im Ruhestand ist, hat angenehme Erinnerungen an seinen Sondereinsatz in Berlin im Dienst der Deutschen Einheit. „Ich würde es nochmal machen“, sagt der 66-Jährige.

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