Alte Platanen in Dortmund wurden abgeholzt: Anwohner spricht von „Umweltsauerei“

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Für Hermann Paweletz ist es eine „Umweltsauerei“, wenn er von den Platanen in seinem Innenhof in der Dortmunder Innenstadt erzählt. Die wurden abgeholzt – grundlos, findet Hermann Paweletz.

Borsigplatz

, 21.01.2020, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hermann Paweletz wird emotional, wenn er von den zwei riesigen Bäumen erzählt, die er 40 Jahre lang von seinem Balkon im Innenhof seiner Wohnung an der Schlosserstraße in der Nähe des Borsigplatzes beobachten konnte. Jedoch sind die Bäume kürzlich abgeholzt worden.

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Als Hermann Paweletz die Rodung beobachtet hat, hat er sofort Kontakt zum städtischen Umweltamt aufgenommen, um sich die Situation erklären zu lassen. Die Stadt hat sie ihm auch erklärt, aber nicht zu seiner Zufriedenheit. Hermann Paweletz kann nicht verstehen, wieso man 80 Jahre alte Bäume abholzt, die gesund seien.

Den gesamten Ablauf fasst Paweletz in einem Wort zusammen: „Für mich ist das eine reine Umweltsauerei!“

Stadt: „Bäume hätten massiv zurückgeschnitten werden müssen“

Doch ganz so einfach ist es offenbar nicht, wie die Stadt Dortmund auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt. Es handele sich „um alte Bäume mit einem großen Kronenkörper, welche den Innenhof stark beschatten und die Wohnqualität der betroffenen Bereiche mindern“, informiert Pressesprecher Christian Schön.

An einzelnen Bäumen seien außerdem Vorschäden zu erkennen gewesen, „welche auch Auswirkungen auf die Bruchsicherheit des jeweiligen Baumes in seinem Kronenkörper haben“.

Alte Platanen in Dortmund wurden abgeholzt: Anwohner spricht von „Umweltsauerei“

Kein schöner Anblick: Der Innenhof in der Schlosserstraße © Robin Albers

Es habe zwar auch einen Ansatz gegeben, die Bäume zu erhalten, räumt Schön ein. Dieser Weg sei jedoch verworfen worden, weil man die Bäume „massiv“ hätte zurückschneiden müssen und damit „erhebliche Schäden am Baum“ entstanden wären.

Platanen sind laut BUND gut für das Kleinklima

Der Dortmunder Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gibt Hermann Paweletz Recht: Platanen seien gemacht für die Großstadt. „Die Bäume sind widerstandsfähig und kommen gut mit Abgasen und verschmutzter Luft zurecht“, sagt Thomas Quittek vom BUND.

Das sehe man zum Beispiel an der Ruhrallee. Dort ist alles voll mit Platanen. Außerdem hätten die Bäume viele Blätter und lieferten entsprechend viel Schatten. „Das ist gut für das Kleinklima“, erklärt Quittek. In der Umgebung von Platanen sei es gerade im Hochsommer kühler.

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Auch mit versiegelten Flächen und einer damit verbundenen schlechten Wasserversorgung komme die Platane im Vergleich zu anderen Baumarten gut zurecht. Trotzdem leide auch sie unter den extremen Temperaturen, so Quittek. „Viele der Bäume verlieren dann ihre Äste“, erklärt der BUND-Sprecher.

Die Stadt müsste aus Sicherheitsgründen dann die Bäume fällen. Das wäre auch ein plausibler Grund für die beiden Bäume im Innenhof von Hermann Paweletz gewesen.

Ersatzbäume sollen gleichzeitg für mehr Licht und Schatten sorgen

Dazu erklärt die Stadt, dass Ersatz gepflanzt werden soll. Bei der Gestaltung der Innenhöfe würden demnächst andere Bäume „erster Ordnung“ gepflanzt – das bedeutet, es handelt sich um hochwüchsige Bäume, die „mehr Licht in die Innenhöfe bringen und dennoch im Sommer für einen angenehmen Schatten sorgen.“

Im Zugangsbereich zwischen den Wohnblocks seien außerdem „mittelgroße, hitzeverträgliche“ und „kleinkronige, schattenverträgliche“ Bäume zur Platzgestaltung vorgesehen. Insgesamt sind 23 Ersatzbäume gefordert“, teilt das Umweltamt mit.

Wer der Eigentümer der Innenhöfe und Platanen ist, teilt die Stadt aus Datenschutzgründen nicht mit. Für die Wohnverbesserung seien noch weitere Umgestaltungen und Modernisierungen in der Oesterholzstraße geplant. Und auch an weiteren Standorten. Es ist also möglich, dass noch weitere alte Bäume der Innenhofgestaltung weichen müssen.

Paweletz hat auch nach der Erklärung der Stadt kein Verständnis. Er bedauert, dass er das Rauschen in den Baumkronen nicht mehr hört. „Stattdessen höre ich jetzt den Verkehrslärm vom Borsigplatz.“

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