Altes Forsthaus vor der Einweihung: Wer wildert da im Rahmer Wald?

hzGlosse

Es ist ein Schmuckstück im Rahmer Wald: das alte Forsthaus. Viele Menschen meinen, es steht in Huckarde. Sie gehen aber – wörtlich – einen Schritt zu weit.

Westerfilde

, 03.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Eil in des Waldesruh“, dichtet Ferdinand Freiligrath Mitte des 19. Jahrhunderts. „Suche den Hügel du, wo, schwer von süßem Thau, die Veilchen liegen.“ Für viele Schüler in den Stadtbezirken Huckarde und Mengede ist die „Waldesruh“ schon bald ein attraktiver Lernort – zumindest die rund um das alte Forsthaus im Rahmer Wald.

Am 15. September weiht Oberbürgermeister Ullrich Sierau das restaurierte Gebäude ein. Ende August übergab er bereits die Schlüssel an die künftigen Nutzer: die Kreisjägerschaft Dortmund, den Imkerverein Derne, Wald und Holz NRW sowie den städitschen Eigenbetrieb Fabido. Und wie in allen Berichten dieser Redaktion über das „Nordwärts“-Projekt stand die Ortsmarke „Huckarde“ darüber.

Was Recht ist, soll Recht bleiben

Schließlich steht das Forsthaus im Rahmer Wald an der Buschstraße. Klare Sache also: Huckarde – aber falsch. Die gefühlte Lage geht wörtlich einen Schritt zu weit. Vielleicht auch zwei oder drei: Denn Huckarde beginnt im Dickicht gegenüber. Die Gemarkungsgrenze liegt auf der Buschstraße. Vorbei die Waldesruh!

„Der letzte Wunsch“ hat Freiligrath sein romantisches Gedicht überschrieben. Nun ist das wohl kaum die Motivation von Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch für den freundlichen Hinweis: „Das Forsthaus steht auf Mengeder Seite.“ Das ist sein gutes wie nachvollziehbares Recht. Und was Recht ist, soll Recht bleiben.

Der Bezirksbürgermeister beschwichtigt

„Wir haben uns darum gekümmert, als das Forstamt es abreißen wollte“, erklärt Tölch. Das war 2015. Auf eine Anfrage der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung nennt Stadtrat Ludger Wilde vier Optionen für die Zukunft des Forsthauses. Nachdem das Forstamt selbst keine Verwendung mehr hat und keiner der Mitarbeiter es privat nutzen möchte, ist eine weitere Option der Abriss.

Die vierte eine Nutzung für Wald- und Umweltbildung im Naturschutzgebiet Rahmer Wald. So ist es gekommen. „Der ‚Nordwärts‘-Antrag ist von Mengede gekommen“, betont Tölch. Und beschwichtigt: „Wir wollen miteinander arbeiten.“ Also mit der Huckarder Bezirksvertretung. Bestes Beispiel: Der Waldweihnachtsmarkt, der im vergangenen Jahr Premiere hatte, findet auch in diesem Advent wieder statt.

Der OB formuliert es diplomatisch

Oberbürgermeister Ulrich Sierau weiß wohl um die Brisanz der politisch-geografischen Lage, Pardon: Gemarkungsgrenzen. Diplomatie ist gefragt – wie bei der Schlüsselübergabe Ende August, als er vom „Forsthaus im Rahmer Wald in Huckarde auf Mengeder Gebiet“ sprach.

Altes Forsthaus vor der Einweihung: Wer wildert da im Rahmer Wald?

Blick in den Garten. Wie der angrenzende Teil des Rahmer Waldes gehört er zu Westerfilde. © Stephan Schütze

Nun, der Rahmer Wald ist groß. Und in diesem Dickicht findet sich noch nicht einmal Wikipedia – das „Wissen der Welt“ – zurecht. Das Online-Lexikon verortet den Rahmer Wald zwischen den Stadtteilen Rahm, Wischlingen und Huckarde. Wischlingen ist da etwas weit hergeholt, gehört aber – so so – zum Stadtbezirk Huckarde.

Die Wilderei hat Tradition

Der Wikipedia-Autor wildert zwischen den Stadtbezirken. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt! Denn richtig wäre statt Wischlingen Westerfilde. Aha! Das gehört zu Mengede. Und auf Westerfilder Gebiet liegt das Forsthaus, zwar kurz hinter der gefühlten Grenze Nettebach, aber: Was Recht ist... – das hatten wir schon.

Apropos Wilderei: Die hat bei Huckardern offenbar Tradition. In seinen „Geschichten aus Huckarde“ berichtet der örtliche Geschichtsverein von Wilddieben im Rahmer Wald. Zwei Förster des Gutes Westhausen ertappten in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 1901 zwei Wilddiebe: Familienväter aus Huckarde und Deusen. Die Wilderer griffen die Förster an. Die wehrten sich. Die Wilddiebe wurden lebensgefährlich verletzt und kamen nach Mengede ins Krankenhaus.

Ach Freiligrath, ach Waldesruh, wie friedlich geht‘s da heute zu.

Eins noch: Die Redaktion fühlt sich der Sorgfalt verpflichtet. Das Forsthaus im Rahmer Wald firmiert künftig unter der Ortsmarke Westerfilde.

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