Amtsgericht spricht "Sklavenhalter" aus Brackel frei

Herzkranker Mann in Fesseln

Obwohl ein Ehepaar (46, 47) aus Brackel einen herzkranken Rentner übers Wochenende in seinem Keller an einen Käfig gekettet hat, gab es am Mittwoch für die zwei "Sklavenhalter" Freisprüche. Menschlich fragwürdig, juristisch aber nicht angreifbar, urteilte das Schöffengericht am Amtsgericht.

BRACKEL

07.09.2017, 01:42 Uhr / Lesedauer: 1 min

Ein menschengroßer Käfig, ein Paar Handschellen, eine Hundemaske sowie Trink- und Fressnäpfe: Am 4. August 2016 hatte sich der Frührentner (58) aus Soest nach einem vorherigen Internet-Kontakt freiwillig zu dem Paar nach Dortmund aufgemacht. „Er sah die Frau als seine ‚Herrin‘ und sich als ihren Sklaven an“, hieß es in der Anklage. 

Mann wollte erniedrigt werden

Was dann passierte, war nicht neu. Der Fetisch-Liebhaber sprach selbst von zehn Besuchen in Brackel. Der 58-Jährige willigte auch diesmal ein, als Sklave erniedrigt und von dem angeklagten Mann, der sich im Prozess selbst als „Meistersklave“ bezeichnete, im Keller angekettet zu werden. Dass seine „Sklavenhalter“ dann aber an jenem Wochenende einfach mit seinem Auto nach Holland fuhren, passte dem Sklaven überhaupt nicht.

Eine eingeweihte Bekannte, die ihm tags darauf einen Becher Tee vorbeibrachte, erinnerte sich so: „Er saß auf der Matratze, war gefesselt, hatte Fressnäpfe vor sich stehen.“ Als sie den Käfig-Keller betreten habe, habe sich der Mann sofort vor ihr auf die Knie geworfen. Die Zeugin: „Ich habe ihm gesagt, das ist bei mir nicht nötig.“ Nach kurzer Diskussion befreite die Frau den Mann („Das hat mir alles nicht so gepasst“) mit einem Bolzenschneider von seinen Ketten.

Der Sklaven-Vertrag

Gab es eine Gefahr? War das Freiheitsberaubung? „Die juristische Antwort darauf ist nein“, urteilte das Gericht. Es sei ja genau das passiert, was vorher per Sklaven-Vertrag vereinbart worden war – das Paar wurde freigesprochen.

Damit ist die Angelegenheit für das von Hartz IV lebende Paar aber wohl noch nicht vom Tisch. Denn es drohen Ermittlungen wegen Betrugs und Steuerhinterziehung. Wie bekannt wurde, sollen die Angeklagten zu mehr als 100 Sklaven Kontakte unterhalten und diese womöglich finanziell ausgenommen haben. Ein Polizist erinnerte sich gestern an ein Handyfoto, auf dem zu sehen sei, wie sich das Paar mit dutzenden, aufgefächerten 200er-Scheinen brüste.

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