Steigende Fallzahlen - Ist die zweite Corona-Welle in Dortmund schon da?

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Unlängst wurde die zweithöchste Zahl an Corona-Neuinfektionen seit Anfang April gemeldet. Kitas und Schulen mussten schließen. Ist die gefürchtete „zweite Welle“ schon da? Eine Einschätzung.

Dortmund

, 01.07.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gütersloh, Warendorf, Berlin und Göttingen - diese Regionen haben sich in den vergangenen Wochen zu deutschen Corona-Hotspots entwickelt. Davon ist Dortmund aktuell zwar weit entfernt, die Zahl der aktiven Corona-Fälle steigt allerdings auch hier seit knapp vier Wochen stetig an.

Zwar gab die Stadt Dortmund am Dienstag (30.6.) nur fünf neue positive Testergebnisse bekannt. Am vergangenen Samstag (27.6.) wurde allerdings der höchste Anstieg bei den Corona-Neuinfektionen seit Anfang April vermeldet: 22 Fälle. Bemerkenswert: Keiner der Fälle stand im nachvollziehbaren Zusammenhang zum bisherigen Infektionsgeschehen.

Ganze Kitagruppen mussten zudem schon in Quarantäne. Schulen schlossen Tage vor den Ferien. Im Klinikum gab es einen Ausbruch, und mehrere Fälle in Seniorenheimen. Ein schlechtes Zeichen? Ist sie das schon, die gefürchtete „zweite Welle“?

„Virus hat sich festgesetzt“

Der Dortmunder Infektiologe Dr. Simon Larrosa-Lombardi gibt diesbezüglich Entwarnung. „Dass die Zahlen infolge der schrittweisen Lockerungen wieder ansteigen würden, war zu erwarten und wurde auch so kommuniziert“, erklärt der Leitende Oberarzt im Knappschaftskrankenhaus Dortmund.

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Ein Vorbote für die vielerorts befürchtete zweite Corona-Welle sei der Anstieg der Infektionszahlen in den vergangenen Wochen nicht. „Das Virus hat sich vielmehr in der Bevölkerung festgesetzt – und ich gehe davon aus, dass es auch erst einmal nicht mehr verschwindet“, so Larrosa-Lombardi.

Menschen sind aufmerksamer geworden

Durch das Hochfahren des gesellschaftlichen Lebens und den vermehrten Kontakten zu anderen Menschen sei auch ein weiterer Anstieg der Fallzahlen wahrscheinlich.

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Laut Larrosa-Lombardi eine weitere mögliche Erklärung für die Entwicklung: die bevorstehende Urlaubszeit und die warmen Temperaturen. „Die Menschen sind grundsätzlich aufmerksamer geworden und entscheiden sich bei eventuellen Symptomen mittlerweile unter Umständen früher für einen Corona-Test.“

Auch der Hintergrund, dass für manche Reisen ein negativer Corona-Test erforderlich ist, könne dazu führen, dass sich grundsätzlich mehr Menschen testen lassen - und somit mehr Fälle entdeckt werden.

Weitere lokale Ausbruchsgeschehen wahrscheinlich

Der Infektiologe hält auch weitere lokale Ausbruchsgeschehen für möglich, wie sie sich in Gütersloh oder Göttingen ereignet haben. Deshalb sei es wichtig, sich auch weiterhin an die geltenden Schutzmaßnahmen zu halten. „Abstand halten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sind nach wie vor die erforderlichen Gebote“, betont der Experte.

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Derweil beobachtet man auch beim Dortmunder Gesundheitsamt die Entwicklung weiterhin sehr genau, wie Stadtsprecherin Katrin Pinetzki auf Anfrage mitteilt. „Das Gesundheitsamt betrachtet den Anstieg der Fallzahlen nach wie vor als Konsequenz aus den diversen Lockerungen“, so Pinetzki. Wobei: „Die Frage nach einer zweiten Welle stellen wir uns derzeit nicht.“

Mehrere Ursachen für Anstieg der Fallzahlen

Das Gesundheitsamt verzeichne Tage mit höheren, aber auch niedrigeren Infektionszahlen. Aufgrund der Komplexität der Infektionsgeschehen könne keine abschließende Aussage zu den genauen Ursachen der an manchen Tagen größeren Zunahme der Fallzahlen getroffen werden: „Es kann aber angenommen werden, dass hier nicht nur eine Ursache zugrunde gelegt werden kann.“

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Ähnlich wie Dr. Larrosa-Lombardi ruft das Gesundheitsamt weiter zur Einhaltung der bekannten Hygieneregeln auf. Das Befolgen sei laut Pinetzki „für die Verhinderung eines Fallzahlenanstiegs aus infektiologischer Sicht nach wie vor wesentlich.“

Darüber hinaus wichtig: die Personennachverfolgung. Diese erlaube häufig die Rekonstruktion der Umstände im Einzelfall - und damit eine Abschätzung des jeweiligen konkreten Infektionsrisikos für andere.

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