Eine lange Schlange bildete sich vor 7 Uhr am Samstagmorgen vor dem Aldi-Markt an der Märkischen Straße. © Kevin Kindel
Verkaufsstart

Ansturm auf Aldi in Dortmund: Corona-Tests nach 5 Minuten ausverkauft

Die ganz frühen Vögel wurden belohnt: Am Samstag gab es die ersten Corona-Selbsttests bei Aldi. Aber nicht einmal jeder, der vor Ladenöffnung vor Ort war, hat eine Packung bekommen.

Samstagmorgen, 6.40 Uhr, an der Märkischen Straße in Dortmund. Lastwagen von Aldi und Edeka fahren gerade erst vom Hof, nachdem sie die Geschäfte beliefert haben. Putzkräfte wischen noch einmal durch, bevor der Ansturm kommt.

Die ersten drei Personen stehen bereits Schlange, mit Einkaufswagen und gebührendem Abstand warten sie vor der Eingangstür. Bei Minusgraden, um die ersten zu sein, damit sie auf jeden Fall die begehrteste Ware dieses Wochenendes bekommen. Aldi hat als erste Discount-Kette Corona-Selbsttests zum freien Verkauf angeboten.

„Wer weiß, wie viele sie in jeder Filiale haben“, sagt Fabio Baier, der gerade mit dem Fahrrad ankam. Er erhoffe sich von den Selbsttests mehr Sicherheit und ein besseres Gefühl bei Familienbesuchen, sagt er.

Ein anderer Wartender erzählt, er sei um 6.20 Uhr schon hier gewesen und sei erst im Auto sitzen geblieben. „Ich dachte, es wäre mehr los“, sagt der junge Mann. Als er die ersten Mitstreiter dann vor dem Laden sah, ist er aber sicherheitshalber schon mal ausgestiegen und hat sich ebenfalls in Position gebracht.

Nur ein 5er-Pack pro Kunde

Die Kunden plauschen locker miteinander, alle sind gut gelaunt und freuen sich ob ihrer guten Aussichten. Dabei wissen sie noch gar nicht, ob es in dieser Filiale überhaupt die Corona-Tests gibt. Aldi hat sich mit der Bewerbung sehr zurückgehalten, weil ein großer Andrang erwartet wurde. „Highlight der Woche“ ist laut Website ein Sack für Gartenabfall. Die Tests sind dort nicht aufgelistet.

Lange ist alles sehr ruhig, den Ansturm gibt es dann aber innerhalb weniger Minuten unmittelbar vor 7 Uhr. Ein Auto nach dem anderen fährt vor. Als sich die Türen des Ladens öffnen, sind etwa 15 Personen in einer langen Schlange über den halben Parkplatz versammelt. Weiter hinten ist die Stimmung schon weniger locker. Die Blicke sind besorgter.

Vorne an der Glasfassade hat jemand einen Mitarbeiter eine Box zur Kasse tragen sehen. „Sind das alle?“, ist zu hören. Die Stimmung ist etwa so gespannt wie beim Boarding am Flughafen, kurz bevor alle in Richtung Urlaub einsteigen dürfen. War das früher auch so, als die Leute Schlange standen für die beliebten Aldi-Computer? Diese Zeit ist schon rund 15 Jahre her.

Die Türen öffnen sich und die lange Einkaufswagen-Karawane zieht erst zum Desinfektionsmittel-Spender, in dem Geschäft dann direkt um die Ecke, schnurstracks zur Kasse. Sehr gesittet, nacheinander, wohlgemerkt.

Die so beliebten Corona-Tests gibt es nur vom Kassierer persönlich ausgehändigt – schon vorher war bekannt, dass es nur einen 5er-Pack pro Person gibt. Und tatsächlich ist hier an der Märkischen Straße auch nur ein Zweierteam unter den Kunden zu sehen, das offensichtlich zusammen herkam.

Es sind noch gar nicht alle im Laden, da kommen die ersten schon glücklich mit dem kleinen Päckchen des Herstellers Aesku wieder raus. Und dann dauert es nur wenige Sekunden länger, bis zu hören ist, dass dieser Filiale nicht genügend Tests für alle Wartenden geliefert wurden.

Fabio Baier gehörte zu den Glücklichen, die eine Packung mit Corona-Selbsttests ergattern konnten.
Fabio Baier gehörte zu den Glücklichen, die eine Packung mit Corona-Selbsttests ergattern konnten. © Kevin Kindel © Kevin Kindel

Der Kassierer ruft um 7.06 Uhr schon jedem entgegen, der mit leerem Einkaufswagen auf ihn zugeht: „Wir haben nur 10 geliefert bekommen. Am Montag soll es mehr geben.“ Der Mitarbeiter betont aber, dass er dafür keine Garantie geben könne. Enttäuscht marschieren die Letzten aus der Schlange zügig zu ihren Autos. Nach nicht einmal zehn Minuten ist der ganze Spuk vorbei – und es sieht alles so aus wie an einem normalen Samstagmorgen.

Fabio Baier, der Radfahrer, der als einer der ersten vor Ort war, verstaut währenddessen seine Packung „Aesku Rapid“ in der Jackentasche. 20 Minuten später hätte er nicht aufstehen dürfen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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