Am vergangenen Wochenende (8.-10.1.) kontrollierte die Polizei mit großem Aufgebot am Wallring, um gegen die illegale Raserszene vorzugehen. © Thomas Thiel
Raser und Tuner

Anwohner-Hölle Wall-Ring: Dortmunderin schläft manchmal sogar im Hotel

Vor allem an Wochenenden herrscht bei Auto-Treffen viel Lärm am Wallring. Eine Anwohnerin ist so verärgert, dass sie sogar schon ins Hotel ausgewichen ist. Das sind ihre Erfahrungen.

Illegale Rennen, Lärm durch Hup-Konzerte und lauter Musik mitten in der Nacht sowie teils lebensgefährliche Situationen. Viele Anwohner des Wallrings sind über die regelmäßigen Treffen der Raser- und Tuner-Szene sowie deren Begleiterscheinungen verärgert. Eine 77-Jährige berichtet von ihren Erfahrungen mit dem Raser-Chaos.

„An Schlaf ist an Wochenenden nicht zu denken“, sagt die 77-Jährige auf Anfrage, die in unserem Bericht anonym bleiben möchte. Sie wohnt seit 15 Jahren zusammen mit ihrem 73-jährigen Mann an der Kreuzung Hiltropwall/ Luisenstraße. Ihr Schlafzimmer liegt in Richtung des Walls – also direkt an der Front.

55 Autos in einer Ampelphase gezählt

Vom aktuell besonders großen Aufkommen der Raser und Tuner ist sie immer wieder schockiert: „Mein Mann hat mal in einer Ampelphase 55 Autos in Dreierreihen gezählt.“ Das verstärkte Verkehrsaufgebot würde um 20 Uhr beginnen und bis morgens um fünf Uhr andauern.

Aber auch sonst: Fast jeden Tag würden Raser den Wallring runterfahren. An Wochenenden sei jedoch besonders viel los. Sie erkennt ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei: „Ist die Polizei hier, ist es etwas ruhiger, aber sobald die Beamten weg sind, geht es wieder los.“

Vor drei Wochen sei in ihrer Nähe ein Autofahrer gegen einen Baum gekracht. „Es hat fürchterlich gerumst, so dass wir aus dem Bett hochgestreckt sind“, sagt sie. Das sei nicht der erste schwere Unfall gewesen. Das Paar frage sich: „Was muss hier noch passieren, bevor ganz massiv durchgegriffen wird?“

Treffen auf den Parkplätzen am Wall

Mittlerweile würden einige Tuner auch die Parkplätze am Wall benutzen, um sich dort zu treffen, laut Musik zu hören und „Frauen anzubaggern“, wie die 77-Jährige meint: „Im Kreisverkehr an der Thier-Galerie drehen die Poser Donuts mit ihren Autos.“

Ihr schlimmstes Erlebnis sei gewesen, als sie eines Nachts mit dem Auto vom Hauptbahnhof nach Hause fuhr und sie in das Gedränge der schnellen Autos geriet: „Ich habe Blut und Wasser geschwitzt und war heilfroh, als ich zu Hause ankam.“

„Ich nenne den Wall die ‚AVUS des kleinen Mannes‘“, sagt die Anwohnerin – und vergleicht damit den Wallring mit der Automobil-Verkehrs- und Übungs-Straße in Berlin: „Die Herren meinen, sie seien die Herren der Straße, so benehmen die sich.“

Paar habe wegen Lärm bereits im Hotel übernachtet

Die 77-Jährige sagt, die Teilnehmer der Auto-Treffen würden oft gegen Corona-Beschränkungen verstoßen: „Die sitzen mit vier im Auto und haben mit Lockdowns nichts zutun.“ Außerdem würde ihr oft auf das Grundstück uriniert.

Schon oft habe sie sich bei der Polizei beschwert und ihr angeboten, für Kontrollen die Parkplätze des Hauses benutzen zu können. „Ich warte darauf, dass einmal ein ganz schlimmer Unfall passiert – so schlimm das auch sein mag – und dass dann durchgegriffen wird“, sagt sie.

In den lautesten Nächten habe sie schon mit ihrem Mann im Hotel übernachtet. Was sie dabei am meisten ärgert: „Wir bezahlen wegen der Innenstadt-Lage für die Wohnung sogar mehr Miete. Dabei ist hier die Lebensqualität massiv eingeschränkt.“

Anwohnerin hofft auf Maßnahmen der Stadt

Um das Problem mit der Auto-Szene zu lösen, schlägt sie zum Beispiel eine Zone mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h vor. Außerdem wünscht sie sich einen Blitzer auf Höhe der Postbank. Mit ihren Anliegen habe sie sich bereits an die Stadt gewandt – bisher jedoch ohne Erfolg.

Die Anwohnerin freut sich über den Großeinsatz der Polizei am vergangenen Wochenende (8.-10.1.). Wie die Polizei Dortmund berichtet, wurden fünf Pkw und ein Führerschein sichergestellt. 160 Personen wurden des Platzes verwiesen: „Ich werde mich bei der Polizei für die große Aktion bedanken“, sagt die Anwohnerin.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
2000 in Heinsberg geboren, seit 2020 als freier Mitarbeiter bei den Ruhr Nachrichten. Ich studiere Journalistik und Politikwissenschaft in Dortmund. Mit 16 Jahren habe ich meine ersten Erfahrungen im Lokaljournalismus gemacht - und dort fühle ich mich zuhause.
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