Apotheker in Dortmund warnen: Immer mehr Medikamente werden knapp

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In Dortmunder Apotheken kommt es bei immer mehr Medikamenten zu Lieferengpässen: Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Impfstoffe. Um diese Medikamente geht es konkret.

Dortmund

, 17.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn Apotheker Michael Mantell in der Hörder Stifts-Apotheke in seinen Rechner guckt, findet er 63 Medikamente, die aktuell nicht lieferbar sind. „Wir haben alle Riesenprobleme“, sagt Mantell, der auch Vorsitzender des Dortmunder Apothekervereins ist.

Die Gründe für Lieferprobleme reichen von Produktionsauslagerungen ins billigere Ausland, verstärkter Weltnachfrage bis zur Gesundheitspolitik im eigenen Land mit Festbeträgen und Rabattverträgen. Mantell: „Das Schlimmste ist, wenn Krankenkassen solche Rabattlose aus Kostengründen an nur einen ausschreiben.“

Engpass bei Aspirin

Es gebe immer mehr Medikamente, die entweder gar nicht, verspätet oder nur in geringen Mengen in die Apotheken kommen, so Mantell. Darunter sind so gängige Schmerzmittel wie Ibruprofen, Aspirin direkt, Aspirin effect und Aspirin protect, Tropfen gegen erhöhten Augeninnendruck wie Lumigan und Ganfort.

Engpässe gibt es laut Mantell auch bei Urologika zur Behandlung von Erkrankungen der Niere und der Harnwege wie Betmiga und Vesikur, Anti-Diabetes-Mittel wie Xelevia und Sartane als Blutdrucksenker. Auch Antibiotika mit dem Wirkstoff Amoxicillin sind immer wieder Mangelware. In vielen Ländern Europas lässt sich mit Arzneimitteln inzwischen deutlich mehr Geld verdienen als in Deutschland.

Beispiel Ibuprofen: „Für Ibuprofen gibt es nur noch drei Hersteller auf der Welt, einer ist BASF, das in Amerika gerade das Werk erweitert. Doch da geht nichts mehr. Zwei Hersteller müssen den gesamten Weltmarkt versorgen.“ Und die verkauften ihre Ware dorthin, wo es den besten Preis gebe. Das sei nicht in Deutschland.

Pharmafirmen verdienen mehr Geld im Ausland

Michael Mantell sagt, in England kosteten Arzneimittel bis zum Doppelten im Vergleich zu Deutschland, wo der Preis eben durch gesetzliche Vorgaben abgesenkt werde. Pharmafirmen und Großhandel schöben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu, wenn es zu Lieferengpässen komme, so der Hörder Apotheker.

Generika (Nachahmerpräparate) würden nicht mehr in Deutschland hergestellt, sondern vor allem in China, Indien und Pakistan. „Wenn da mal zwei, drei Container über Bord gehen, gehen wir leer aus.“

Sartane in Blutdrucksenkern wie Valsartan wurden meist als Kombipräparat verschrieben, bis vor vier fünf Monaten bekannt wurde, dass durch den Zusatz von Hydrochlorothiazid die Hautkrebsrate steigt. „Also verschreiben Ärzte aufgrund der Warnmeldung nur noch Candesartan.“ Doch das könnte die Lieferkette aus Asien nicht so schnell bieten. Noch finde man immer irgendwie einen Weg, Medikamente zu besorgen, meint Mantell, „doch bei Antibiotika wird irgendwann der große Crash kommen.“

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