Appell einer Dortmunder Ärztin: „Wir können und sollten nicht alle testen!“

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In der Coronakrise wollen sich viele Dortmunder auf das Virus testen lassen - doch das ist kaum möglich und nicht sinnvoll, so die Ärztin Dr. Andrea Nanni Hunn und appelliert an die Dortmunder.

Dortmund

, 22.03.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Menschen stehen in Schlangen vor dem Gesundheitsamt oder dem neuen Diagnostikzentrum am Klinikum Nord. Ihnen gemein ist die Angst, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben. Doch nicht alle haben Symptome - testen lassen wollen sie sich trotzdem.

Dr. Andrea Nanni Hunn ist Hausärztin in Dortmund-Dorstfeld, einer großen Praxis, durch die täglich viele Patienten laufen. Darunter auch viele, die befürchten, sich angesteckt zu haben. Und viele Studenten.

Dr. Andrea Nanni Hunn arbeitet als Hausärztin in Dortmund-Dorstfeld.

Dr. Andrea Nanni Hunn arbeitet als Hausärztin in Dortmund-Dorstfeld. © Christian-Felix Schwalm

Schon im Januar, als hierzulande noch wenig über die Virusinfektion gesprochen waren, stellten sie und ihr Ehemann, selbst Mediziner, die Frage: „Was machen wir, wenn plötzlich ein Student aus China hier auftaucht, der vor einer Woche noch in Wuhan war?“ Seither lässt sie das Coronavirus nicht mehr los.

Auch junge Menschen können erkranken

„Wir stehen erst am Anfang“, sagt sie und warnt, dass auch junge Leute ernsthaft erkranken können. Gleichzeitig ist sie zuversichtlich, dass wenn sich alle richtig verhalten, die Krise händelbar ist.

Noch am Samstag half sie in den Diagnostik-Zelten am Klinikum aus. Dort und bei ihrer Arbeit stellt sie fest: Nicht jeder braucht einen Test. Denn es gibt im Moment nicht genug Testmöglichkeiten und die Labore sind mit den vielen Anfragen stark beansprucht.

Daher richtet sie einen dringenden Appell an alle Dortmunder:

„Liebe Dortmunder!

Die Krisenstimmung ist groß, die Verunsicherung verständlich. Ich möchte hiermit eine kleine Hilfestellung für alle geben: Das Coronavirus ist ein neues Virus, deswegen erkranken zur Zeit so viele Menschen gleichzeitig daran. Es ist aber nicht übertragbar, wenn man genug Abstand zu seinen Mitmenschen hält. Bitte lassen Sie uns in dieser Situation zusammenhalten, in dem wir Abstand halten. Dazu gehört: Wer erkältet ist, ohne Fieber und ohne Kontakt zu einem Coronapatient gehabt zu haben, bleibt bitte zu Hause. Er muss in der Regel keinen Arzt aufsuchen. Nur wer Fieber hat, sollte, wenn in den letzten 14 Tagen ein Kontakt zu einem Coronapatienten bestand, oder man sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, einen Test auf Corona machen.

Nicht jeder Patient kann und sollte getestet werden! Menschen ohne Krankheitssymptome, die Kontakt zu Coronapatienten hatten oder aus Risikogebieten kommen, bleiben bitte aus Vorsicht für 14 Tage zu Hause! Im Durchschnitt wird man vier bis sieben Tage nach dem Kontakt krank. Bevor man krank wird, ist ein Test auf den Coronavirus NICHT sinnvoll. WIR KÖNNEN UND SOLLTEN NICHT ALLE MENSCHEN TESTEN. Bitte haben Sie dafür Verständnis.

Halten Sie in dieser Zeit Abstand zu Ihren Mitmenschen, geben Sie sich nicht die Hände, und waschen Sie die Hände regelmäßig und gründlich. Meiden Sie Menschenversammlungen und niesen Sie in die Ellenbeuge. Wenn Sie Ihren Arzt aufsuchen müssen, dann rufen Sie ihn bitte vorher an, um zu vereinbaren, ob, wann und wie Sie zu ihm kommen können oder müssen.

In über 80 Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung harmlos, einige Dortmunder haben die „Coronagrippe“ inzwischen schon gut durchstanden.

Wenn alle sich an diese Regeln halten, werden wir diese Krise gut meistern. In jeder Krise steckt auch immer eine Chance. Alles Gute, bleiben Sie gesund und wenn es geht, auch zu Hause.“

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