Tierschützer entdecken 50 verwahrloste Tiere im Dortmunder Norden

hzArche 90

Der Anblick, der sich den Arche-90-Mitgliedern bot, muss schlimm gewesen sein, als sie etwa 50 verwahrloste Tiere in Brechten übernahmen. Einige Tiere konnten nicht mehr gerettet werden.

Brechten

, 16.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Tierschutz-Verein Arche 90 selbst bezeichnet es auf seiner Homepage als einen der größten Einsätze in seiner Geschichte. Auf einem Grundstück in Dortmund-Brechten wurden am vergangenen Wochenende zahlreiche verwahrloste Tiere gefunden. Die Tierschützer entdeckten 39 Tauben, 15 Kaninchen und vier Zwergdackel.

Hunde leiden unter starken Schäden

Die Dackel waren stark untergewichtig und litten unter massivem Flohbefall. „Teilweise war die Haut kaum noch zu erkennen“, schildert Arche-90-Pressesprecherin Gabriele Bayer. „Wir dachten, sie wäre verkrustet, dabei war es Flohkot.“ Von Wurmbefall geht die Arche ebenfalls aus, weil das oft in Kombination auftritt.

Die Hunde waren beim Tierarzt. „Alle haben Probleme mit dem Herzen, mit der Lunge, mit den Augen und vieles mehr“, beschreibt Gabriele Bayer. Mehrere Tiere haben auch Tumore. Ein Tier musste besonders leiden: Es hatte eine Kralle, die unten in den Fuß hineingewachsen und oben wieder herausgetreten war.

Die Krallen der Dackel wurden überhaupt nicht gepflegt.

Die Krallen der Dackel wurden überhaupt nicht gepflegt. © Arche 90

Die Dackel waren in Holzbuchten im Stall untergebracht. Als Unterlage hatten sie Wiesenheu, das vollständig eingekotet war. Dadurch wurden sie auch von Maden befallen.

Besitzer waren mit der Pflege überfordert

Das Grundstück gehört einem älteren Paar, dem das Ganze offensichtlich zu viel geworden sei, wie Gabriele Bayer berichtet. Die beiden waren wohl überfordert. Sie waren laut Arche 90 zunächst dazu bereit, die Tiere dem Verein zu überlassen. Am darauffolgenden Tag hatten die Besitzer ihre Ansicht jedoch geändert und wollten keine Tiere mehr herausgeben.

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Die Arche wandte sich daraufhin an die Polizei. Diese sorgte dann dafür, dass der Verein die verwahrlosten Tiere mitnehmen konnte. „Die Tiere waren alle in einem schlechten Zustand“, erklärt Polizeisprecher Peter Bandermann auf Anfrage dieser Redaktion. Tauben saßen demnach auf mehrere Zentimeter hohem Kot.

Polizei lobt die aufmerksame Zeugin

„Es besteht Verdacht auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, erklärt Peter Bandermann. „Wer ein Tier hält, hat die Pflicht, das Tier als Lebewesen zu achten, zu schützen und zu versorgen.“ Es gehe um eine Ordnungswidrigkeit. Für ein etwaiges Bußgeld ist die Stadt zuständig.

Auf diesem Gelände wurden die Tiere gehalten.

Auf diesem Gelände wurden die Tiere gehalten. © Arche 90

Eine aufmerksame Anwohnerin hatte die Arche auf die Zustände aufmerksam gemacht. Sie hörte beim Spazieren gehen das Geschrei der Tiere. „Danke an die Zeugin, dass sie nicht weggesehen hat, sondern die Arche 90 verständigt hat“, lobt Bandermann. In dringenden Fällen, etwa wenn ein Tier geschlagen wird, sollte man sich aber direkt an die Polizei wenden, rät Bayer.

Fälle häufen sich in vergangenen Monaten

In der vergangenen Zeit habe es solche Fälle häufiger gegeben, wie Gabriele Bayer berichtet. Auf ihrer Facebook-Seite berichtet die Arche regelmäßig. „Früher war es oft nur ein Tier, das schlecht gehalten wurde. Jetzt ist die Anzahl oft im zweistelligen Bereich.“

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Für zwei Tiere kam die Hilfe im Brechtener Fall zu spät. Bei einem älteren Hund hatten sich Maden eingenistet, die bis ins Gehirn vorgedrungen waren. „Wir konnten das Tier nicht mehr retten und mussten es in der Tierklinik in Ahlen einschläfern lassen“, bedauert die Arche auf ihrer Homepage. „Das Zwergdackel-Weibchen starb in den Armen unseres Teams, das die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte.“

Viele bieten Hilfe für die Tiere an

Zumindest für die anderen Tiere scheint es aber ein Happy-End zu geben. „Nach einem Hilferuf in sozialen Medien überrollte uns eine Welle der Hilfsbereitschaft“, meldet die Arche. Viele User wollen bei der Betreuung helfen. „Außerdem sprang uns die Taubenhilfe NRW zu Seite und nahm sämtliche Tauben auf. Auf diese Weise fanden wir für alle Tiere eine Pflegestelle.“

Der Verein Arche 90 bittet um Spenden, auch für die Tiere des aktuellen Falls. Weitere Infos gibt es unter www.arche90.de

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