Dr. Simon Larrosa-Lombardi ist Infektiologe am Knappschaftskrankenhaus Dortmund. © MB Fotografie/Martin Birkner
Corona-Pandemie

Arzt warnt Dortmunder: „Virus-Mutation muss uns Sorgen machen“

Lockerungen oder Lockdown? Der Oberarzt eines Krankenhauses schätzt die Lage ein: Hat die dritte Welle Dortmund erreicht? Welche Rolle spielt die Virus-Mutation? Und er hat eine Bitte an alle.

Eine gewisse Lockdown-Müdigkeit scheint sich breit zu machen: Viele Dortmunder haben große Lust, sich wieder mehr mit anderen zu treffen. Am vorletzten Februar-Wochenende strömten die Massen zum Phoenix-See oder in den Westfalenpark. Abstand und Masken waren dabei nicht immer selbstverständlich.

Man bekommt zunehmend den Eindruck: Ein Teil der Dortmunder wird im Umgang mit der Corona-Pandemie sorgloser. Zu diesem Gefühl passt die Entwicklung der Inzidenz: Nach den Rekordwerten aus November und Dezember pendelt der Wert zwischen 60 und 65.

Corona-Regeln einhalten – gerade jetzt

Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Infektionen, bei denen die britische Virus-Mutation nachgewiesen wird. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt zudem davor, dass die dritte Wellte schon begonnen hat.

Wie schätzt ein Dortmunder Arzt diese Gemengelage ein? Dr. Simon Larrosa-Lombardi ist Infektiologe am Knappschaftskrankenhaus Dortmund, einer der drei Corona-Schwerpunkt-Kliniken. Er sagt ganz klar: „Es kommt gerade jetzt noch einmal darauf an, Corona-Regeln einzuhalten.“

Den Wunsch nach mehr Sozialkontakten, „teilen wir sicherlich alle. Es ist aber ganz sicher jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um dem nachzugehen.“ Man stehe erst noch „vor einer Intensivierung der Impfaktivitäten und die neuen Virus-Mutationen scheinen uns gerade erst erreicht zu haben“.

Virus-Mutation verbreitet sich zunehmend

Den Begriff der dritten Welle möchte Larrosa-Lombardi im Zusammenhang mit den aktuellen Inzidenz-Werten nicht nutzen. Trotzdem ordnet er die zuletzt wieder leicht gestiegenen Zahlen ein: Es scheine so zu sein, dass der Trend der sinkenden Fallzahlen gestoppt ist. „Geringere Konsequenz in der Beachtung von Corona-Regeln kann darauf Einfluss haben, Lockerungen an Schulen und Kindergarten sind dafür eher noch zu neu.“

Ein weiterer möglicher Grund: „Die Trendänderung fällt auffällig zusammen mit der zunehmenden Verbreitung der sogenannten britischen Virus-Mutation auch in Dortmund. Das muss uns Sorgen machen.“

„Nehmen Warnungen sehr ernst“

Im intensivmedizinischen Bereich sei die Lage im Knappschaftskrankenhaus zwar aktuell stabil, die Patientenzahlen im Zusammenhang mit Covid-19 seien nach dem Höhepunkt vor Weihnachten wieder gesunken. „Für uns kommt es darauf an, dass das auch so bleibt. Wir nehmen die Warnungen vor Virus-Mutationen sehr ernst. Da gibt es ja gerade neue Warnsignale aus den USA.“

Aus Sicht der Krankenhäuser sollte alles getan werden, um einen erneuten Anstieg der Fallzahlen zu verhindern, so Larrosa-Lombardi: „Bisher sind in Dortmund in der gesamten Pandemie dramatische Situationen vermieden worden. Wir sollten gemeinsam alles tun, damit das auch so bleibt.“

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1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
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