Das Vakzin von Astrazeneca ist seit Donnerstag (6.5.) für alle freigegeben, die sich impfen lassen wollen - unabhängig von Alter und Vorerkrankungen. © dpa (Symbolbild)
Impfstoff-Freigabe

Astrazeneca auch für Unter-60-Jährige: Wonach entscheiden Dortmunder Ärzte?

Unter-60-Jährige dürfen jetzt mit Astrazeneca geimpft werden, obwohl die Ständige Impfkommission das Vakzin nur für Über-60-Jährige empfiehlt. Wie entscheiden Dortmunder Hausärzte, wie sie damit umgehen?

Die Gesundheitsminister haben am Donnerstag (6.5.) entschieden: Der Astrazeneca-Impfstoff darf in Arztpraxen nun auch an Unter-60-Jährige verimpft werden.

Nach dem seltenen Auftreten von Sinusvenen-Thrombosen hatte die Ständige Impfkommission allerdings Anfang April die Empfehlung ausgesprochen, das Vakzin nur für Über-60-Jährige zu nutzen.

Diese Empfehlung gilt auch weiterhin. Was bedeutet dieser Widerspruch für die Astrazeneca-Impfungen bei den Hausärzten in Dortmund?

EMA hat Impfstoff ohne Altersbeschränkung zugelassen

„Die Europäische Arzneimittelagentur hat den Impfstoff zugelassen – ohne Altersbeschränkung“, so Andreas Daniel, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Bei der Einschätzung der Ständigen Impfkommission handele es sich nur „um eine Empfehlung“.

„Der Arzt kann also frei entscheiden. Letztlich müssen immer beide Seiten zusammenkommen: Ein Arzt, der der Meinung ist, er kann das gefahrlos impfen, und ein Unter-60-Jähriger, der diesen Impfstoff möchte“, so Daniel.

Die Entscheidung der Gesundheitsminister eröffne den Praxen mehr Möglichkeiten: „Viele Praxen haben die Gruppe Ü60 schon durchgeimpft und haben zu viel Astrazeneca, um damit noch Über-60-Jährige zu erreichen.“

Hausärzte entscheiden frei – und unterschiedlich

Wie Hausärzte mit dieser Ausgangslage umgehen, ist unterschiedlich: Dr. Marc Schlüter, Chef des Medizinischen Versorgungszentrums im Klinikviertel, entschied sich, der Empfehlung der Stiko weiterhin zu folgen und keine Unter-60-Jährige mit Astrazeneca zu impfen. Nicht aufgrund medizinischer Bedenken, sondern weil er sich „der Stiko-Empfehlung verpflichtet“ fühle.

Anders geht Dr. Prosper Rodewyk, Hausarzt in Hörde und Bezirksleiter der KVWL, das Thema an: „Ich habe es schon immer für sinnvoll gehalten, Astrazeneca auch für Jüngere zu nutzen. Die einzige Gruppe, die ich nicht damit impfe, sind Frauen unter 30.“ So hält es beispielsweise auch Dr. Charlotte Gehlen-Staerk, Hausärztin in Kirchhörde.

Der Hintergrund: Die selten aufgetretene Nebenwirkung der Sinusvenen-Thrombosen nach einer Astrazeneca-Impfung betraf vor allem diese Altersgruppe.

Haftungsfragen nun eindeutig geklärt

Bei allen anderen Gruppen gebe es keine Gründe, Astrazeneca nicht zu nutzen, so Rodewyk. „Es ist ein sicherer und guter Impfstoff.“ Dass man sich bisher an die Stiko-Empfehlung gehalten habe, habe Haftungsgründe gehabt.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es durch die Impfung zu Schäden kommt, hafte nicht der Hersteller, sondern Land und Bund – bedingt sei das durch das schnelle Zulassungsverfahren. „Solange die Gesundheitsminister gesagt haben, impft Jüngere nicht damit, hatten wir Sorge um Haftungsprobleme. Jetzt ist aber klar, dass das Land die Haftung übernimmt“, so Rodewyk.

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