Auf dem Friedhof der Fahrzeuge

Gelände auf der Bornstraße

An der Bornstraße, einer der wichtigsten Zufahrtsstraßen der Stadt, gibt es ein Gelände, das scheinbar seit Jahren brachliegt. Verrostete und zerstörte Fahrzeuge, Autos, Anhänger, ein Bus werden dort von mannshohem Grün überwuchert. Was hat es mit diesem Ort auf sich? Ein Besuch in Text und Bildern.

DORTMUND

, 20.08.2017 / Lesedauer: 3 min
Auf dem Friedhof der Fahrzeuge

Wie rechts im Bild zu sehen war auf dem Gelände einmal ein An- und Verkauf dort beheimatet. Wirklich luxuriös sieht der Bürocontainer aber auch nicht aus.

Entlang der Bornstraße zieht sich ab der Schlägelstraße stadteinwärts ein beachtlicher Schmuddelstreifen aus Müll, Altfahrzeugen und Gestrüpp. Das Gelände gehört der Stadt. Sie strebt eine gewerbliche Nutzung an, heißt es. Darauf warten Anwohner aber schon seit Jahren.

„Herzlich willkommen“ steht an einem bunt bemalten Ziehharmonika-Bus mit Markise. Seine bedenkliche Schräglage und dornige Ranken auf Fensterfront und Dach sagen das Gegenteil. Wenig einladend sind auch die hüfthoch stehenden Disteln, Brombeerranken und Gräser auf dem breiten Streifen in Höhe Bornstraße 202. Dazwischen ragen alle möglichen Fahrzeuge aus dem Dickicht: abgewrackte Wohnwagen, ein ramponierter Gabelstapler, ein alter Ford-Transit mit herausgerissener Rückbank. Dornröschenschlaf ist nicht die Bezeichnung, die sich angesichts entsorgter Kühlschränke, fleckiger Matratzen und Autoreifen neben dem aufgebrochenen Wohnwagen aufdrängt.

Der Besuch in Bildern

FOTOSTRECKE
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Vergessene Orte - Besuch eines Fahrzeugfriedhofs

Entlang der Bornstraße zieht sich ab der Schlägelstraße stadteinwärts ein beachtlicher Schmuddelstreifen aus Müll, Altfahrzeugen und Gestrüpp. Das Gelände gehört der Stadt. Wir haben uns dort umgesehen.
17.08.2017
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Unfall mit der U43© Werner/IDANews
Für unsere Serie "Vergessene Orte" haben wir eine verwilderte Fläche an der Bornstraße besucht. Hier wuchert Grün über lange abgestellte Fahrzeuge. Dieser Tankanhänger beispielsweise war schon im Jahr 2008 eine Rostlaube.© Foto: Stephan Schütze
Um das wuchernde Grün hat sich lange niemand mehr gekümmert.© Foto: Stephan Schütze
Notdürftig ist ein Drahtzaun um die Fläche gezogen. Betreten darf man das Gelände nicht.© Foto: Stephan Schütze
Im Hintergrund sieht man die Rückseite der Kinderspielhalle "Monkey Town". Die Nachbar-Pächter auf der anderen Seite mit dem Veranstaltungszentrum Jankyard wüssten gern, was mit dem vergessenen Areal nebenan passieren soll.© Foto: Stephan Schütze
Teilweise noch recht schöne alte Autos rosten auf der Fläche vor sich hin. Sie sind seit Jahren nicht bewegt worden.© Foto: Stephan Schütze
Der Grünstreifen wurde vor allem als Abstellfläche genutzt.© Foto: Stephan Schütze
Wie rechts im Bild zu sehen war auf dem Gelände einmal ein An- und Verkauf dort beheimatet. Wirklich luxuriös sieht der Bürocontainer aber auch nicht aus.© Foto: Stephan Schütze
Der gesäuberte und geschotterte Weg neben der Backsteinmauer ist der Fluchtweg des angrenzenden Kulturzentrums "Junkyard".© Foto: Stephan Schütze
Auch wenn die Natur sich das Gelände langsam zurückholt ...© Foto: Stephan Schütze
... sind Spuren von Menschen nicht zu übersehen: Müll und aufgebrochene Fahrzeuge.© Foto: Stephan Schütze
An diesem Zieharmonika-Bus steht auf einer Seite "Herzlich Willkommen".© Foto: Stephan Schütze
Offene Kofferraumtüren wie die des blauen Wagens im Hintergrund wirken, als sei gerade noch jemand hier gewesen.© Foto: Stephan Schütze
Dieser Gabelstapler wurde nicht nur lange Zeit nicht mehr genutzt, sondern offenbar auch mutwillig zerstört.© Foto: Stephan Schütze
Schon auf einem Satellitenbild von 2008, als das Gelände noch in Betrieb war, rostete dieser Anhänger vor sich hin.© Foto: Stephan Schütze
Fast hat dieses Bild etwas Idyllisches mit dem vielen Grün und dem kleinen Wohnwagen, der seit Jahren nicht mehr angeschaut wurde. Bei näherem Hinsehen wecken Müll und Vandalismusspuren aber eher Ekel.© Foto: Stephan Schütze
Laut Stadtsprecher Maximilian Löchter führt die Stadt Verhandlungen mit Interessenten für die Vermietung, Verpachtung oder den Kauf der Fläche.© Foto: Stephan Schütze
Schlagworte "44137-Dortmund, Nordstadt,

Ein ehemals grüner Bauwagen blättert vor sich hin, Anhänger, diverse Limousinen und Kleinbusse gammeln um die Wette. Über dichtem Gestrüpp thront ein vollkommen verrosteter Tank unbekannten Inhalts. Der Fahrzeug-Friedhof lässt die Vergangenheit des Geländes erahnen. Diverse An- und Verkauf-Schilder zeugen von besseren Zeiten, die aber auch kaum golden zu nennen sind: Büro im Wellblechcontainer, „Sozialraum“ im ausgedienten Bauwagen.

Vor neun Jahren noch halbwegs ordentlich

Auf Streetview-Ansichten bei Google, die im August 2008 aufgenommen wurden, gibt es Bilder von der damaligen Nutzung. Immerhin war das Gelände damals gerodet, Dutzende Autos und Lastwagen säumten halbwegs ordentlich den Drahtzaun entlang der Bornstraße. Sogar ein schnittiges Motorboot hatte sich auf den Autohof verirrt. Und der suspekte Tank stand schon an gleicher Stelle und war bereits damals ein rostiges Monument.

Zuständig für die vergessene Schrottfläche an einer der wichtigsten Einfahrtstraßen in die City ist die Stadt. Das Areal umfasse „kleinteilige ehemalige Hausgrundstücke entlang der Bornstraße, die sich in städtischem Besitz befinden“, teilt Stadtsprecherin Heike Thelen auf Anfrage mit. Der Streifen sei bisher lediglich als Abstellfläche genutzt worden. Der geltende Bebauungsplan lege dort ein Gewerbegebiet fest.

So sieht das Areal im Satellitenbild von 2008 aus:

Weiter heißt es vonseiten der Stadt: „Nach Auskunft der Liegenschaften sind die bisherigen Pachtverhältnisse gekündigt worden. Die Wirtschaftsförderung führt derzeit Gespräche mit Interessenten, mit dem Ziel einer baulichen Nutzung.“

Bei Nachfragen stellt sich heraus, dass den Pächtern bereits vor mehr als einem Jahr gekündigt wurde, möglicherweise auch noch viel eher. Den Zeitpunkt teilte die Stadt auch auf Nachhaken nicht mit. Sprecher Maximilian Löchter erklärt nur so viel: „Der letzte Nutzer und seine Untermieter haben die Fläche Mitte 2016 verlassen. Der Nutzer wurde aufgefordert, die Fläche zu räumen. Einiges ist dort auch schon passiert, aber leider wurde noch nicht vollständig geräumt. Wir werden im weiteren Verlauf die gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen.“

Die Pläne der Stadt

Was genau das bedeutet und wann mit einer Verbesserung zu rechnen ist, wüssten nicht nur die Anlieger gern. Dazu gehören die Kinderspielhalle „Monkey Town“ und das Kulturzentrum „Junkyard“ direkt neben dem Schmuddelareal. Die Junkyard-Betreiber haben ihr rund 2000 Quadratmeter großes Gelände – einen ehemaligen Schrottplatz – gekauft und daraus eine coole Location für Open-Air-Partys und Konzerte gemacht.

Jenseits ihrer hohen Backsteinmauer wurde ein schmaler Weg gesäubert und geschottert, auf den der Notausgang führt. Dieser Fluchtweg muss erhalten bleiben, wenn sich tatsächlich eine neue gewerbliche Nutzung für die unerwünschte Müllkippe findet. Laut Maximilian Löchter führt die Stadt Verhandlungen mit Interessenten, um die parzellierte Fläche zu vermieten, zu verpachten oder zu verkaufen.

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