Auf Wunsch der Bahn: Fünf Graffiti-Maler sind am Bahnhof Dorstfeld tätig

hzDeutsche Bahn

Die Deutsche Bahn hat ein spezielles Verhältnis zu Graffiti. Bahnhöfe und Züge sind klassische Leinwände für Sprayer. In Dorstfeld zeigt die Bahn einen neuen Weg, mit Graffiti umzugehen.

Dorstfeld

, 20.11.2020, 16:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bahnhof Dorstfeld war am Donnerstag und Freitag voller „Lackaffen“. So nennen sich die Graffiti-Künstler aus Münster, die gerade mit 80 Spraydosen die farblich wenig erfreuliche Brücke über den Gleisen umgestalten.

Über die gesamte Länge der Wand sprühen die „Lackaffen“ ein Motiv, das das Verhältnis von Deutscher Bahn und Graffiti kreativ und humorvoll aufs Korn nimmt.

Das fotorealistische Bild zeigt eine S-Bahn im aktuellen roten Design. Und diese S-Bahn ist besprüht mit Graffiti. Den Bahnhof ziert also jetzt das Bild eines beschmierten Zuges.

Ein Förderturm und der U-Turm

Obwohl das Wort „beschmiert“ dem Motiv, das Simon Cavelius erdacht hat, nicht gerecht wird. Denn auf den zweiten Blick erkennt man das durchdachte Konzept und die einfallsreichen Collagen.

Die eine Collage zeigt Dinge, die einem weitläufig zum Thema Reise einfallen: Koffer, eine Uhr, ein Fahrplan. Die zweite Collage ist der Stadt Dortmund gewidmet. Das „U“, ein Förderturm, der von der Zeche Zollern stammen könnte, und die Skyline der Dortmunder City.

Fenster des Gebäudes passen genau in das Motiv

Die Wirkung der Wandmalerei wird enorm dadurch gesteigert, dass die Fenster des Gebäudes bereits die Form und Größe von S-Bahn-Fenstern haben. Außerdem ist der Zugang zum Fahrstuhl ebenfalls genauso so groß, dass Simon Cavelius ihn als Waggontür in das Bild einarbeiten konnte.

Vor der S-Bahn sieht man zahlreiche Silhouetten von Reisenden. Dieses Stil-Element haben die „Lackaffen“ schon bei ähnlichen Bahnhofs-Gestaltungen unter anderem in Bremen und Osnabrück verwendet. „Das wird vielleicht mal ein Wiedererkennungs-Element von Bahnhöfen“, hofft Simon Cavelius.

Schutz vor ungewollten Graffiti

Der Gang zu den Bahnsteigen im Bahnhof Dorstfeld wird durch das Wandbild deutlich bunter und schöner. Doch das ist nicht der wichtigste Grund, warum die Bahn Graffiti-Maler in ihren Bahnhof eingeladen hat.

Die Formel hinter der Idee lautet: „Graffiti schützen vor Graffiti“, sagt Simon Cavelius. Soll heißen: Graffiti-Sprayer übermalen in der Regel keine anderen Graffiti. Das sei ein Ehrenkodex in der Sprayer-Szene, so Cavelius. Und Dortmund habe eine ausgeprägte Sprayer-Szene.

Kein BVB-Motiv auf dem Wandbild

Bislang haben die „Lackaffen“ nur einmal Spuren in Dortmund hinterlassen. Sie gestalteten das Bild eines ICE am Nordausgang des Dortmunder Hauptbahnhofes.

Wenn auswärtige Künstler sich mit dem Thema Dortmund beschäftigen, gibt es meist einen BVB-Bezug.

Auch Simon Cavelius hatte an ein BVB-Motiv auf seinem Bild gedacht. Doch das hat die Bahn abgelehnt. „Da gibt es die Sorge, dass auch Nicht-BVB-Fans in Dorstfeld umsteigen“, sagt Simon Cavelius. „Und die könnten dann nicht erfreut über so ein Bild sein“.

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